AUSTIN (dpa-AFX) - Der US-Software- und Datencenter-Konzern Oracle hat im ersten Geschäftsquartal kräftig von der Nachfrage nach KI-Infrastruktur profitiert. Die Umsätze mit Cloud-Infrastruktur - das sind vor allem KI-Rechenzentren - wurden in den drei Monaten bis Ende August mit 7,4 Milliarden US-Dollar (6,4 Mrd Euro) im Jahresvergleich mehr als verdoppelt, wie der SAP -Rivale am Donnerstag nach US-Börsenschluss in Austin (Texas) mitteilte. Damit schnitt das Unternehmen besser ab als von Analysten erwartet. Die Aktie dürfte am Freitag den deutlichen Vortagesverlust angesichts eines Aufschwungs im vorbörslichen US-Handel wieder wettmachen.
Das Papier lag zuletzt rund 7 Prozent im Plus. Am Donnerstag hatte es 5,4 Prozent abgegeben. Im laufenden Jahr stehen im Haupthandel bisher rund ein Fünftel an Kurseinbußen zu Buche. Die Cloud-Infrastruktur habe die Erwartungen übertroffen, schrieb Analyst Brent Thill von der US-Investmentbank Jefferies. Bei den währungsbereinigten Softwareerlösen aus der Cloud habe es hingegen etwas mauer ausgesehen als gedacht. Trotz hoher Investitionsausgaben für den KI-Ausbau fiel die Entwicklung der freien Finanzmittel (Free Cashflow) besser aus als befürchtet, schrieb Barclays-Experte Raimo Lenschow.
Oracle ist traditionell ein Anbieter von Datenbank-Software und Apps zur Unternehmenssteuerung. Hier konkurrieren die Amerikaner mit dem Dax -Schwergewicht SAP aus Walldorf. Im Hype um Künstliche Intelligenz verlagerte der von Milliardär Larry Ellison gegründete US-Konzern sein Geschäft in den vergangenen Jahren mehr und mehr auf Rechenzentren für Anwendungen im Netz. Während die Investitionsvorhaben und das Abschneiden bei KI-Aufträgen die Aktienentwicklung von Oracle maßgeblich beeinflussen, haben die Walldorfer von SAP in diesem IT-Bereich kein nennenswertes Geschäft. Die SAP-Aktie fiel vor dem Wochenende im Xetra-Handel zuletzt um 1,7 Prozent.
Oracle stellte nach eigenen Angaben im Quartal zusätzliche Rechenzentrumskapazitäten im Umfang von 850 Megawatt bereit. Nimmt man Software-Abos und Cloud-Infrastruktur zusammen, kam Oracle auf ein Umsatzplus von 62 Prozent auf 11,6 Milliarden Dollar. Die Umsätze mit vor Ort installierter Lizenz-Software waren leicht rückläufig, weil die Kunden ihre Anwendungen weiter in die Cloud verlagerten.
Der Gesamtumsatz stieg um 30 Prozent auf 19,3 Milliarden Dollar. Oracle hatte zuvor ein Erlösplus von insgesamt 27 bis 29 Prozent in Aussicht gestellt. Unterm Strich verdiente Oracle mit knapp 4,8 Milliarden Dollar 63 Prozent mehr. Das bereinigte Ergebnis je Aktie fiel deutlich besser aus als von Analysten zuvor erwartet.
Für das zweite Geschäftsquartal kündigte der Konzern ein Umsatzplus von 30 bis 34 Prozent an. Das gesamte Cloud-Geschäft soll um 65 bis 71 Prozent zulegen. Das bereinigte Ergebnis je Aktie will Oracle um 21 bis 25 Prozent verbessern. Im gesamten Jahr soll der Umsatz nun "mindestens" 90 Milliarden Dollar betragen. Bislang hatte das Unternehmen 90 Milliarden in Aussicht gestellt./men/nas/lew/jha/




