DJ MARKT-AUSBLICK/Was macht die US-Notenbank?
Von Steffen Gosenheimner
DOW JONES--Die kommende Börsenwoche steht ganz im Zeichen der US-Notenbank. Bei ihrer Sitzung am 15. und 16. September wird sie unter ihrem neuen Vorsitzenden Kevin Warsh entscheiden, ob sie nach zuletzt überraschend robusten Arbeitsmarktdaten und angesichts anhaltend hoher Inflation die Zinsen erhöht oder darauf setzt, dass der Preisdruck nachlässt.
Gegen letzteres spricht allerdings der jüngste heftige Anstieg der Ölpreise, die die Inflation antreiben. Beim Brent-Öl ging es bis auf knapp 110 Dollar nach oben. Zuletzt waren immer noch gut 104 Dollar fällig. Zur Erinnerung: Im März war der Preis kurzzeitig bis auf über 120 Dollar nach oben geschossen, und danach bis Juli wieder auf rund 70 Dollar abgesackt. Weil sich für den Nahost-Konflikt aber die Signale mehren, dass er sich noch länger hinziehen wird, sind die Aussichten gering, dass die Ölpreise in naher Zukunft deutlicher sinken.
Die mit großer Spannung erwarten US-Verbraucherpreise für August am Freitag, die als mit entscheidende Datengrundlage für die Notenbanker gelten, sind exakt wie erwartet ausgefallen. In der Kernrate beträgt die Jahresinflation 2,4 Prozent, in der Gesamtrate 3,4 Prozent.
In Kenntnis der neuesten Preisdaten und der Ölpreisrally wird am Zinsterminmarkt nun etwas überraschend eine Wahrscheinlichkeit von 85 nach zuvor noch knapp 70 Prozent eingepreist, dass die US-Notenbank die Leitzinsen um 25 Basispunkte anheben wird auf dann 3,75 bis 4,00 Prozent. Möglicherweise hatten einige Akteure doch mit einer positiven Überraschung nach unten gerechnet und wägen nun noch einmal neu ab, dass die gemeldeten Raten weiter klar über dem Inflationsziel der Notenbank von 2,0 Prozent liegen.
Die Blicke sind insbesondere auch auf Warshs geldpolitische Linie gerichtet. Auf dem Notenbanken-Treffen in Jackson Hole signalisierte er, dass ihm die bisherigen Fortschritte bei der Inflationsbekämpfung nicht weit genug gehen. Daher dürfte neben dem eigentlichen Zinsentscheid Warshs Einschätzung der weiteren Entwicklung viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Ein Hinweis auf eine anhaltend straffe Geldpolitik könnte die Renditen der Anleihen weiter nach oben treiben, die zuletzt in erster Linie wegen der Rally der Ölpreise noch einmal einen kräftigen Satz nach oben gemacht haben.
Die haben aber längst ein so hohes Niveau erreicht, dass sich das US-Finanzministerium auf den Plan gerufen fühlte. Es hat damit begonnen, mehr lang laufende Anleihen als sonst üblich zurückzukaufen, um so das Zinsniveau am langen Ende zu senken.
Insbesondere hoch bewertete Aktien gelten als zinsempfindlich - und dazu gehören mit den KI-Aktien auch die bisherigen Highflyer des Jahres.
Neben der US-Notenbank befinden am Donnerstag auch die Bank of England und am Freitag die japanische Notenbank über die Zinsen. Während von der Bank of England mit 3,75 Prozent mehrheitlich unveränderte Zinsen erwartet werden, dürfte die Bank of Japan den Leitzins auf 1,25 von 1,00 Prozent anheben. Das dürfte den Yen weiter stärken und könnte über Umschichtungen auch die internationalen Anleihemärkte beeinflussen.
Auf dem Terminkalender stehen außerdem Veränderungen in den Zusammensetzungen der Börsenindizes - und zwar per Börsenschluss am Freitag. Einige Bewegung gibt es unter anderem bei den großen europäischen Indizes: Engie und Nokia kommen in den Euro-Stoxx-50, dafür müssen VW und Wolters Kluwer weichen. Im Stoxx-50-Index nimmt Barclays den Platz von Prosus sein. Auch wenn die Änderungen bereits länger bekannt sind, hat der Stichtag Bedeutung. Indexfonds passen erst dann ihre tatsächlichen Bestände an die neuen Zusammensetzungen an, was andere Marktteilnehmer schon früher tun konnten. Das führt zu mechanischen Käufen und Verkäufen. Somit kann es bei den betreffenden Aktien zu erhöhten Umsätzen und deutlichen Kursbewegungen kommen.
Unternehmensseitig beginnt die Woche für Bayer sehr spannend mit der abschließenden Anhörung zum 7,25 Milliarden Dollar schweren Sammelvergleich zu den Glyphosat-Klagen. Sollte der Vergleich gelingen, ist die Frage, wie groß die Zahl derer ist, die daran teilnehmen. Mehr als 65.000 Fälle sind noch anhängig. Konkrete Fortschritte bei der rechtlichen Befriedung wären klar positiv für die Aktie, während neue Belastungen oder Unsicherheit über die endgültigen Kosten den Kurs weiter unter Druck setzen dürften.
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September 11, 2026 09:26 ET (13:26 GMT)
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