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MÄRKTE EUROPA/Leichter - KI-Sicherheitsthematik bewegt Kurse

DJ MÄRKTE EUROPA/Leichter - KI-Sicherheitsthematik bewegt Kurse

Von Steffen Gosenheimer

DOW JONES--An den europäischen Börsen geht es am Montag mit den Indizes nach unten. Der DAX verliert am frühen Nachmittag 0,4 Prozent auf 25.472 Punkte, der Euro-Stoxx-50 fällt stärker um 1,0 Prozent auf 6.264 Punkte. Er wird gedrückt von sehr schwachen Kursen im Halbleitersegement. Der Euro gibt mit gestiegener Zinserhöhungswahrscheinlichkeit in den USA weiter nach, er fällt auf 1,1546 Dollar, das niedrigste Niveau seit einem Monat. In der Breite fokussiert sich der Markt auf die Ölpreise. Die steigen wieder deutlich, nachdem sie sich am Freitag zwischenzeitlich etwas beruhigt hatten.

Aktuell kostet Brent gut 107 Dollar, 2,9 Prozent mehr als am Freitag. Hintergrund ist, dass der Oman ein geplantes Treffen zwischen dem Iran und den Golfstaaten über die Zukunft der Straße von Hormus verschoben hat, nachdem es nicht gelungen ist, einen Konsens über die Verwaltung der strategisch wichtigen Wasserstraße zu erzielen. Dazu kommt, dass die vom Iran unterstützten Huthi-Rebellen offenbar die Meerenge Bab al-Mandab kontrollieren, die ebenfalls für den Welthandel von großer Bedeutung ist. Außerdem hat Saudi-Arabien eine wichtige Ölpipeline, mit der die Straße von Hormus umgangen wird, nach Angriffen vorerst stillgelegt.

Der Ölpreisanstieg droht, die globale Inflation weiter anzuheizen. Erst am Freitag war aus den USA ein Anstieg von 3,4 Prozent für die Verbraucherpreise gemeldet worden, weit über dem Ziel der US-Notenbank. Am Anleihemarkt stiegen darauf die Renditen - auch in Europa. Die deutsche Zehnjahresrendite verharrt aktuell bei 3,52 Prozent. Das ist das höchste Niveau seit 2009.

Für die US-Notenbanksitzung am Mittwoch preisen die Märkte seit Freitagnachmittag eine Zinserhöhung um 0,25 Prozentpunkte mit einer Wahrscheinlichkeit von rund 87 Prozent ein. "An diesem Punkt bleibt der Fed keine andere Wahl, als zu handeln", sagt Loren Moran, Fixed-Income-Portfoliomanagerin bei Wellington Management. Volkswirt Christian Scherrmann vom Vermögensverwalter DWS erwartet derweil einen positiven Effekt für die Börsen, sollten die US-Zinsen erhöht werden. Dies dürfte sich nämlich positiv auf die Glaubwürdigkeit der Notenbanker und die Inflationserwartungen auswirken, meint er.

Sehr stark unter Druck stehen Aktien mit KI-Fantasie. Zum einen werden mit einem steigenden Zinsniveau deren oft sehr hohe Bewertungen schwerer zu rechtfertigen. Zum anderen hat sich die allgemeine KI-Stimmung eingetrübt, nachdem sich Anthropic-Chef Dario Amodei dafür ausgesprochen hat, die Weiterentwicklung von KI-Modellen langsamer anzugehen, damit die Entwicklung von Mechanismen zur Risikovorsorge Schritt halten kann. Er reagierte damit auf die Kündigung eines KI-Forschers. Der Brite Jacob Coxon wirft KI-Unternehmen vor, nicht verantwortungsvoll zu handeln. "Die Menschen, die KI entwickeln, sind fest davon überzeugt, dass diese uns bis zum Ende des Jahrzehnts auslöschen könnte", warnte er. Keine andere menschliche Aktivität sei so gefährlich. Andere Branchengrößen wie OpenAI-CEO Sam Altman und Tesla-CEO Elon Musk stimmten Amodei zu. OpenAI verschob wegen Sicherheitsbedenken sogar seinen Börsengang.

Unter den KI-Infrastrukturausrüstern geht es für Schneider Electric um 5,9 Prozent und Siemens Energy um 7,4 Prozent abwärts. Im Chipsektor sacken Infineon, ASML, Aixtron oder BE Semiconductor zwischen 6,0 und 10,7 Prozent ab.

Kursgewinne verzeichnen dagegen Aktien von Softwareunternehmen und solchen, bei denen Software eine wichtige Rolle spielt. Sie leiden seit Monaten unter Bedenken wegen disruptiven Wirkungen von KI-Anwendungen auf ihre Geschäftsmodelle. Daher sorgen die Spekulationen über eine Verlangsamung der KI-Entwicklung nun für etwas Entspannung. Unter anderem gewinnen SAP 4,9 Prozent, Scout24 3,6 Prozent, Nemetschek 4,9 Prozent, Dassault Systemes 4,9 Prozent oder Sage in London 6,3 Prozent.

Zu den Tagesfavoriten gehören Pharmaaktien. Ihr Stoxx-Subindex gewinnt 3,0 Prozent. In Zürich steigen Roche um 4,9 Prozent nach einer positiven Studie zu einem Lungenkrebs-Mittel. Novartis erholen sich im Sog um 2,8 Prozent. GSK hat mit einem Medikament in einer Studie Vorteile für Patienten mit einer bestimmten Form von Lungenkrebs nachgewiesen. GSK gewinnen 4,4 Prozent, Selbst Astrazeneca legen um 2,9 Prozent zu, obwohl die Briten einen Rückschlag bei einer Brustkrebs-Pille in einer klinischen Spätphasenstudie verzeichneten. Laut den Analysten von JP Morgan wurde das aber weitgehend schon erwartet.

Fest zeigen sich die Aktien der Börsenbetreiber nach einem Interview der "Financial Times". Laut dem Euronext-Vorstandschef ist sein Unternehmen offen für eine Fusion mit ihrem größten Rivalen Deutsche Börse oder für eine Zusammenlegung der Börsen-Geschäfte der beiden Gruppen. Für Deutsche Börse geht es um 2,9 Prozent nach oben, für Euronext um 2,0 Prozent. Noch stärker legen London Stock Exchange (+4,3%) zu.

Die Bayer-Aktie steigt gegen den schwachen Markt um 4,5 Prozent. Im späteren Tagesverlauf beginnt in den USA eine Anhörung, bei der es um eine finale Genehmigung eines 7,5 Milliarden Dollar schweren Sammelvergleichs in den US-Roundup-Rechtsstreitigkeiten geht. Sollte das Ergebnis im Sinne von Bayer ausfallen, könnte das Unternehmen seine Streitigkeiten signifikant eindämmen.

=== 
Index       zuletzt +/- %  +/- abs. Schluss Vortag +/- % YTD 
Euro-Stoxx-50  6.264,03  -1,0   -61,10    6.325,13    8,2 
Stoxx-50     5.327,16  -0,1   -5,43    5.332,59    8,3 
DAX       25.471,65  -0,4   -96,91    25.568,56    4,0 
MDAX      31.197,93  -1,5  -465,86    27.039,42    1,9 
TecDAX      3.973,00  -0,2   -7,48    3.091,28    9,7 
SDAX      18.242,51  -0,6  -104,07    13.062,07    6,2 
FTSE      10.719,17  +0,7   68,73    10.650,44    7,9 
CAC       8.124,05  -0,7   -55,72    8.179,77    -0,3 
SMI       13.945,80  +1,2   170,53    13.775,27    5,1 
ATX       6.784,51  -1,5  -100,72    6.885,23    27,4 
 
DEVISEN      zuletzt +/- %  +/- abs. Schluss Vortag Fr, 18:39 
EUR/USD      1,1546  -0,5  -0,0052     1,1598   1,1601 
EUR/JPY      178,42  +0,2   0,3900     178,03  178,2700 
EUR/CHF      0,9435  -0,3  -0,0032     0,9467   0,9462 
EUR/GBP      0,8558  -0,1  -0,0012      0,857   0,8578 
USD/JPY      154,52  +0,6   0,9800     153,54  153,6700 
GBP/USD      1,3487  -0,2  -0,0031     1,3518   1,3520 
USD/CNY      6,7082  0,0   0,0002     6,7080   6,7080 
USD/CNH      6,7075  +0,0   0,0004     6,7073   6,7082 
AUS/USD       0,713  -0,5  -0,0038     0,7168   0,7175 
Bitcoin/USD   77.802,24  +0,6   475,71    77.326,53 77.639,39 
 
ROHÖL       zuletzt +/- %  +/- abs. Schluss Vortag 
WTI/Nymex     103,01  +3,0    2,96     100,05 
Brent/ICE      107,6  +2,9    2,99     104,61 
 
Metalle      zuletzt +/- %  +/- abs. Schluss Vortag 
Gold       4.294,49  -1,2   -52,83    4.347,32 
Silber       63,01  -2,2   -1,45      64,46 
Platin      1.767,79  -1,6   -28,16    1.795,95 
(Angaben ohne Gewähr) 
=== 

Kontakt zum Autor: maerkte.de@dowjones.com

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September 14, 2026 07:34 ET (11:34 GMT)

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KI braucht Strom
Halbleiter, Speicherchips und Rechenzentren haben Anlegern im KI-Boom bereits enorme Gewinne beschert. Doch jetzt zeichnet sich mit der benötigten Energie der nächste große Flaschenhals ab. Neue KI-Rechenzentren benötigen nicht mehr einige Megawatt, sondern zum Teil mehrere Gigawatt Leistung – so viel wie mehrere moderne Kernkraftwerksblöcke.

Damit beginnt ein weltweites Wettrennen um verfügbare Stromkapazitäten. Hyperscaler sichern sich bereits über langfristige Verträge gewaltige Energiemengen, während Stromnetze und Erzeugungskapazitäten mit dem Ausbau kaum Schritt halten können. Zusätzlich verschärfen geopolitische Risiken rund um den Iran-Krieg und die Straße von Hormus die Situation.

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