BERLIN (dpa-AFX) - Rund viereinhalb Jahre nach Beginn des Ukraine-Kriegs sind rund 400.000 Ukrainerinnen und Ukrainer in Deutschland beschäftigt, davon knapp 350.000 sozialversicherungspflichtig. Die Beschäftigungsquote ukrainischer Bürger lag zuletzt, also im Juni, bei 39,7 Prozent, wie eine Sprecherin der Bundesagentur für Arbeit (BA) in Nürnberg sagte. Die Zahl der ukrainischen Grundsicherungsempfänger lag demnach zuletzt bei 474.534 (Mai).
Der AfD-Abgeordnete René Springer hatte die entsprechenden Zahlen bei der Bundesregierung abgefragt und Daten von Januar und Februar erhalten. Springer rechnete anhand weiterer abgefragter Daten jene ukrainischen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten bei der Quotenberechnung heraus, die schon vor dem Krieg in Deutschland gearbeitet hätten und nennt eine Quote von 27,1 Prozent. Die "Bild"-Zeitung berichtete zuerst darüber, die Angaben liegen der dpa vor. Die Bundesagentur für Arbeit stellt so eine Rechnung nicht an, da etwa Einreisezeitpunkt oder Ausreisen in den Daten nicht erfasst würden, wie die Sprecherin erläuterte.
Bei der Beschäftigungsquote der Ukrainerinnen und Ukrainer ergibt sich laut BA ein niedrigerer Wert von 34,4 Prozent, wenn die ausschließlich geringfügig Beschäftigten herausgerechnet werden.
Job-Turbo - ein Flop?
Springer sagt der "Bild"-Zeitung: "Der groß angepriesene Job-Turbo der Bundesregierung ist ein Flop." Mit dieser Initiative wollten Bundesregierung und BA geflüchtete Menschen schnell in den Arbeitsmarkt vermitteln, sobald ein Integrationskurs absolviert wurde. Springer forderte, Ukrainer sollten künftig kein Bürgergeld mehr bekommen, sondern Sachleistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz.
"Im Schnitt steigt die Beschäftigung von Ukrainerinnen und Ukrainern um mehr als 5.000 pro Monat", sagte hingegen die BA-Sprecherin. So seien es zuletzt 64.000 mehr Beschäftigte aus der Ukraine in Deutschland gewesen als im Vorjahr. Die Zahl der Grundsicherungsempfänger aus der Ukraine ging innerhalb eines Jahres um 19.163 (3,9 Prozent) zurück.
Dabei sei der Arbeitsmarkt zuletzt wenig aufnahmefähig gewesen, die Beschäftigung insgesamt gehe mittlerweile zurück, so die BA-Sprecherin. Während die Zahl der deutschen Beschäftigten um 257.609 (0,9 Prozent) gesunken sei, sei Zahl der Beschäftigten mit ausländischem Pass im Vergleich zum Vorjahr um 3,2 Prozent gestiegen, sagte die Sprecherin.
Integration schneller als früher
In Ländern wie Polen, Tschechien oder Litauen würden mehrheitlich Spracherwerb und Integration hintangestellt, weshalb sie teils höhere Beschäftigungsquoten von Ukrainerinnen und Ukrainern aufwiesen, so die BA. Spracherwerb und Integration, wie sie in Deutschland gemacht würden, brächten eine längere Anlaufzeit für Geflüchtete mit sich. Sie verwies auf eine Ergebung des BA-Forschungsinstituts IAB, wonach die Arbeitsmarktintegration ukrainischer Geflüchteter in Deutschland deutlich schneller verlaufe als bei früheren Flüchtlingsgruppen./bw/DP/jha
