NEW YORK/LONDON (dpa-AFX) - Die Ölpreise sind am Mittwoch gefallen und haben damit den Höhenflug der vergangenen Handelstage vorerst gestoppt. Der Preis für ein Barrel (159 Liter) Rohöl der Referenzsorte Brent aus der Nordsee zur Lieferung im November gab um mehr als ein Prozent auf 107,52 US-Dollar nach.
Zuletzt haben die Anleger auf ein höheres Angebot spekuliert, nachdem US-Energieminister Chris Wright eine schnelle Inbetriebnahme einer wichtigen Ölpipeline in Saudi-Arabien in Aussicht gestellt hatte. Die nach Drohnenangriffen abgeschaltete Ost-West-Pipeline werde "sehr bald" wieder in Betrieb sein. "Dies wird eine kurze und vorübergehende Unterbrechung sein. Sie wird sich in Tagen bemessen", sagte er dem US-Sender CNBC.
Die Ost-West-Pipeline hat für den Ölmarkt eine große Bedeutung, weil sie unter Umgehung der faktisch blockierten Straße von Hormus große Mengen Öl vom Persischen Golf zum Roten Meer bringen kann. Seit Beginn des Iran-Kriegs und der damit verbundenen weitestgehenden Blockade der für den globalen Ölhandel wichtigen Meerenge versucht Saudi-Arabien, mithilfe der Pipeline einen noch größeren Einbruch seiner Ölexporte zu verhindern.
Experten werten den aktuellen Preisrückgang eher als eine Atempause am Ölmarkt. Eine klare Trendwende gebe es hingegen nicht, sagte Charu Chanana, Chef-Anlagestrategin beim Online-Broker Saxo Markets. Vielmehr seien die Risiken weiterhin erheblich. Jede weitere Eskalation oder anhaltende Ausfälle könnten den Aufwärtsdruck auf die Preise rasch wieder erhöhen, fügte sie hinzu.
Generell sehen Experten die geopolitische Lage im Nahen Osten weiter als starken Preistreiber am Ölmarkt. "Der Markt hat Mühe, mit den Bedrohungen für die Schifffahrt im Roten Meer und in der Straße von Hormus sowie mit Schäden an Pipelines und Schiffen Schritt zu halten", sagte Saul Kavonic, Experte für Energierohstoffe beim australischen Analysehaus MST Marquee. "Dies wird die Ölpreise auf einem hohen Niveau halten."
In den vergangenen Handelstagen war der Preis für Rohöl der Sorte Brent zeitweise bis auf etwa 110 Dollar je Barrel gestiegen. Er näherte sich damit dem Höchststand seit Beginn des Iran-Kriegs, der im April bei 126 Dollar erreicht worden war. Seit Beginn des Jahres hat sich Rohöl aus der Nordsee um fast 80 Prozent verteuert./jkr/jsl/nas
