Hamburg (ots) -
Beim diesjährigen Robert Geisendörfer Preis wurden zwei (Ko)-Produktionen des NDR ausgezeichnet: Der Dokumentarfilm "I AM WHAT I AM - Stolz eine Frau zu sein" und das Hörspiel "Für immer seh ich dich wieder".
"I AM WHAT I AM - Stolz eine Frau zu sein" ist ein lebensbejahender und kraftvoller Dokumentarfilm des NDR für ARTE von Udi Nir und Sagi Bornstein. Produziert wurde der Film von Christian Beetz und Georg Tschurtschenthaler.
Der Film porträtiert eine der ersten Transpersonen Israels, Efrat Tilma. Als sie nach Jahren im Exil nach Hause zurückkehrt, muss sie erleben, wie sich der Kreislauf der Diskriminierung, dem sie einst entkam, unter der Regierung Netanjahus wiederholt. Indem sie ihre Lebensgeschichte erzählt, beschließt sie aufzustehen und den Kampf für Gleichberechtigung noch einmal zu kämpfen, um nicht ein weiteres Mal vor den Repressionen fliehen zu müssen. Efrat Tilma wurde von der BBC in die Liste der "100 einflussreichsten Frauen des Jahres" gewählt.
In der Jurybegründung heißt es: Was bedeutet es, ein Leben zu führen, das in keine Schublade passt - und sich selbst dennoch nicht zu verlieren? Die beiden Autoren und Regisseure Sagi Bornstein und Udi Nir begleiten für die Dokumentation "I Am What I Am" die israelische Transgenderaktivistin Efrat Tilma auf ihrer Suche nach einer gesellschaftlich akzeptierten Identität. Der Film des ausführenden Produzenten Georg Tschurtschenthaler und des Produzenten Christian Beetz porträtiert seine Protagonistin aus großer Nähe und mit tiefem Respekt. Tschurtschenthaler und Beetz gelingt es zusammen mit Bornstein und Nir, die Hauptfigur Efrat Tilma weder zur Heldin noch zum Symbol zu machen. Sie zeigen einen Menschen mit Wunden und Verletzungen, mit Humor und bemerkenswerter Lebensklugheit. Die Stärke des Films liegt gerade darin, dass er nie in die Versuchung gerät, aus diesem Leben einen moralischen Appell zu machen oder seine Protagonistin für eine abstrakte Botschaft zu instrumentalisieren. Die Biografie selbst trägt alles in sich. Wer sehen, denken und vor allen Dingen fühlen kann, versteht intuitiv, worum es geht. Besonders beeindruckend ist die filmische Haltung. Die Kamera ist nah, aber nie aufdringlich. Sie beobachtet, ohne bloßzustellen. Selbst in intimen Momenten wahrt der Film die Grenze zwischen Anteilnahme und Voyeurismus. Er vertraut darauf, dass es reicht, bei Efrat Tilma zu bleiben: bei ihrem Gesicht, ihrer Stimme, ihren Erinnerungen. Außerdem sortiert er dieses Leben nicht für uns vor, sondern lässt seine Widersprüche stehen. Damit erfüllt diese Dokumentation in besonderer Weise den Anspruch des Robert Geisendörfer Preises. Sie verbindet journalistische und filmische Qualität mit einer klaren Haltung: Sie gibt einer Stimme Raum, die sich keiner einfachen Kategorie fügt, und erinnert daran, dass Identität kein Etikett ist, sondern ein lebenslanger Weg und ein hoher Wert. So ist "I Am What I Am" weit mehr als das Porträt einer außergewöhnlichen Frau. Der Film zeigt, wie viel Kraft es kostet, seinen eigenen Weg zu finden, und wie viel Hoffnung darin liegt, wenn ein Mensch am Ende sagen kann: Ich bin, wer ich bin.
Zu sehen in der ARD Mediathek: https://ots.de/FLHHxp
"Für immer seh ich dich wieder" ist ein NDR Hörspiel nach dem gleichnamigen Roman von Yannic Han Biao Federer. Regie führte Cordula Dickmeiß.
Charlotte und Yannic bereiten sich auf ihr erstes Kind vor - voller Vorfreude auf Wickeltisch, Stillkissen, Elternzeit. Doch dann ereignet sich das Unfassbare: Ihr Sohn Gustav Tian Ming stirbt. Eine Totgeburt im Krankenhaus. Plötzlich müssen sie statt Kinderwagen ein Grab auswählen, während eine Bürokratie versagt, die für totgeborene Kinder kaum Worte hat. Verwandte und Freunde reisen an, nehmen Anteil, tragen Opferschalen in den Tempel. Inmitten von Schmerz und Fassungslosigkeit beginnt Yannic Han Biao Federer aufzuschreiben, was um ihn herum geschieht. Mit eindrucksvoller und schonungsloser Genauigkeit erzählt er von der lähmenden Kraft eines Schicksalsschlags, von unbegreiflicher Trauer und der lindernden Kraft des Erzählens. Vor allem aber handelt dieses Werk von Liebe - der Liebe zwischen Charlotte und Yannic und ihre gemeinsame Liebe zu ihrem Sohn Gustav Tian Ming.
In der Jurybegründung heißt es: Neben den großen Krisen der Welt, von denen die Nachrichten berichten, gibt es Katastrophen, die nicht minder groß sind, doch von denen kaum jemand erfährt. Der Moment, in dem das eigene ungeborene Kind stirbt, gehört dazu. In Deutschland erleben das jährlich fast dreieinhalbtausend Eltern. Das NDR-Hörspiel "Für immer sehe ich dich wieder" nach dem gleichnamigen autobiografischen Roman von Yannic Han Biao Federer bringt die Hörenden so nah mit dieser existenziellen Tragödie in Kontakt, dass das Zuhören zum radikalen Mitfühlen wird. Unter der sorgfältigen Regie von Cordula Dickmeiß erleben sich die Hörenden nie als Voyeure eines intimen Ereignisses, sondern sie bleiben einfach wie Freunde an der Seite der Eltern und von Gustav: beim Schock darüber, wie erbarmungslos und sinnlos der Tod einbricht; sie ringen mit um die ersten Worte für das Unaussprechliche im Small Talk des Krankenhauses und in den Telefonaten; sie empfinden, wie wohltuend wichtig der zärtliche Umgang mit dem kleinen Körper ist, denken mit nach über Grabwahl und Fotografien; sie erleben das Unanständige bürokratischer Formalia mit und plötzlich Tröstliches in unerwarteten Begegnungen. "Für immer seh ich dich wieder" zoomt ganz nah heran an dieses einzelne Schicksal und gibt gerade so einem tabuisierten Thema angemessenen gesellschaftlichen Raum. Das Hörspiel macht Mut, Tod und Trauer nicht verschämt, sondern mit mehr Offenheit, Trost und Hoffnung zu begegnen. Der Robert Geisendörfer Preis 2026 für das beste Hörfunkformat geht an Autor Yannic Han Biao Federer und Regisseurin Cordula Dickmeiß für das Hörspiel "Für immer seh ich dich wieder".
Zu hören in ARD Sounds:
https://www.ardsounds.de/episode/urn:ard:episode:672c9facb334bd8c/
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Beim diesjährigen Robert Geisendörfer Preis wurden zwei (Ko)-Produktionen des NDR ausgezeichnet: Der Dokumentarfilm "I AM WHAT I AM - Stolz eine Frau zu sein" und das Hörspiel "Für immer seh ich dich wieder".
"I AM WHAT I AM - Stolz eine Frau zu sein" ist ein lebensbejahender und kraftvoller Dokumentarfilm des NDR für ARTE von Udi Nir und Sagi Bornstein. Produziert wurde der Film von Christian Beetz und Georg Tschurtschenthaler.
Der Film porträtiert eine der ersten Transpersonen Israels, Efrat Tilma. Als sie nach Jahren im Exil nach Hause zurückkehrt, muss sie erleben, wie sich der Kreislauf der Diskriminierung, dem sie einst entkam, unter der Regierung Netanjahus wiederholt. Indem sie ihre Lebensgeschichte erzählt, beschließt sie aufzustehen und den Kampf für Gleichberechtigung noch einmal zu kämpfen, um nicht ein weiteres Mal vor den Repressionen fliehen zu müssen. Efrat Tilma wurde von der BBC in die Liste der "100 einflussreichsten Frauen des Jahres" gewählt.
In der Jurybegründung heißt es: Was bedeutet es, ein Leben zu führen, das in keine Schublade passt - und sich selbst dennoch nicht zu verlieren? Die beiden Autoren und Regisseure Sagi Bornstein und Udi Nir begleiten für die Dokumentation "I Am What I Am" die israelische Transgenderaktivistin Efrat Tilma auf ihrer Suche nach einer gesellschaftlich akzeptierten Identität. Der Film des ausführenden Produzenten Georg Tschurtschenthaler und des Produzenten Christian Beetz porträtiert seine Protagonistin aus großer Nähe und mit tiefem Respekt. Tschurtschenthaler und Beetz gelingt es zusammen mit Bornstein und Nir, die Hauptfigur Efrat Tilma weder zur Heldin noch zum Symbol zu machen. Sie zeigen einen Menschen mit Wunden und Verletzungen, mit Humor und bemerkenswerter Lebensklugheit. Die Stärke des Films liegt gerade darin, dass er nie in die Versuchung gerät, aus diesem Leben einen moralischen Appell zu machen oder seine Protagonistin für eine abstrakte Botschaft zu instrumentalisieren. Die Biografie selbst trägt alles in sich. Wer sehen, denken und vor allen Dingen fühlen kann, versteht intuitiv, worum es geht. Besonders beeindruckend ist die filmische Haltung. Die Kamera ist nah, aber nie aufdringlich. Sie beobachtet, ohne bloßzustellen. Selbst in intimen Momenten wahrt der Film die Grenze zwischen Anteilnahme und Voyeurismus. Er vertraut darauf, dass es reicht, bei Efrat Tilma zu bleiben: bei ihrem Gesicht, ihrer Stimme, ihren Erinnerungen. Außerdem sortiert er dieses Leben nicht für uns vor, sondern lässt seine Widersprüche stehen. Damit erfüllt diese Dokumentation in besonderer Weise den Anspruch des Robert Geisendörfer Preises. Sie verbindet journalistische und filmische Qualität mit einer klaren Haltung: Sie gibt einer Stimme Raum, die sich keiner einfachen Kategorie fügt, und erinnert daran, dass Identität kein Etikett ist, sondern ein lebenslanger Weg und ein hoher Wert. So ist "I Am What I Am" weit mehr als das Porträt einer außergewöhnlichen Frau. Der Film zeigt, wie viel Kraft es kostet, seinen eigenen Weg zu finden, und wie viel Hoffnung darin liegt, wenn ein Mensch am Ende sagen kann: Ich bin, wer ich bin.
Zu sehen in der ARD Mediathek: https://ots.de/FLHHxp
"Für immer seh ich dich wieder" ist ein NDR Hörspiel nach dem gleichnamigen Roman von Yannic Han Biao Federer. Regie führte Cordula Dickmeiß.
Charlotte und Yannic bereiten sich auf ihr erstes Kind vor - voller Vorfreude auf Wickeltisch, Stillkissen, Elternzeit. Doch dann ereignet sich das Unfassbare: Ihr Sohn Gustav Tian Ming stirbt. Eine Totgeburt im Krankenhaus. Plötzlich müssen sie statt Kinderwagen ein Grab auswählen, während eine Bürokratie versagt, die für totgeborene Kinder kaum Worte hat. Verwandte und Freunde reisen an, nehmen Anteil, tragen Opferschalen in den Tempel. Inmitten von Schmerz und Fassungslosigkeit beginnt Yannic Han Biao Federer aufzuschreiben, was um ihn herum geschieht. Mit eindrucksvoller und schonungsloser Genauigkeit erzählt er von der lähmenden Kraft eines Schicksalsschlags, von unbegreiflicher Trauer und der lindernden Kraft des Erzählens. Vor allem aber handelt dieses Werk von Liebe - der Liebe zwischen Charlotte und Yannic und ihre gemeinsame Liebe zu ihrem Sohn Gustav Tian Ming.
In der Jurybegründung heißt es: Neben den großen Krisen der Welt, von denen die Nachrichten berichten, gibt es Katastrophen, die nicht minder groß sind, doch von denen kaum jemand erfährt. Der Moment, in dem das eigene ungeborene Kind stirbt, gehört dazu. In Deutschland erleben das jährlich fast dreieinhalbtausend Eltern. Das NDR-Hörspiel "Für immer sehe ich dich wieder" nach dem gleichnamigen autobiografischen Roman von Yannic Han Biao Federer bringt die Hörenden so nah mit dieser existenziellen Tragödie in Kontakt, dass das Zuhören zum radikalen Mitfühlen wird. Unter der sorgfältigen Regie von Cordula Dickmeiß erleben sich die Hörenden nie als Voyeure eines intimen Ereignisses, sondern sie bleiben einfach wie Freunde an der Seite der Eltern und von Gustav: beim Schock darüber, wie erbarmungslos und sinnlos der Tod einbricht; sie ringen mit um die ersten Worte für das Unaussprechliche im Small Talk des Krankenhauses und in den Telefonaten; sie empfinden, wie wohltuend wichtig der zärtliche Umgang mit dem kleinen Körper ist, denken mit nach über Grabwahl und Fotografien; sie erleben das Unanständige bürokratischer Formalia mit und plötzlich Tröstliches in unerwarteten Begegnungen. "Für immer seh ich dich wieder" zoomt ganz nah heran an dieses einzelne Schicksal und gibt gerade so einem tabuisierten Thema angemessenen gesellschaftlichen Raum. Das Hörspiel macht Mut, Tod und Trauer nicht verschämt, sondern mit mehr Offenheit, Trost und Hoffnung zu begegnen. Der Robert Geisendörfer Preis 2026 für das beste Hörfunkformat geht an Autor Yannic Han Biao Federer und Regisseurin Cordula Dickmeiß für das Hörspiel "Für immer seh ich dich wieder".
Zu hören in ARD Sounds:
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