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Die Anteile von Kraftwerksdienstleister GE Vernova erlebten zuletzt eine Berg- und Talfahrt. Nach einem schmerzhaften Downgrade hat sich jetzt der CEO zu Wort gemeldet.
Siemens-Energy-Rivale GE Vernova kämpft um die Rallye-Fortsetzung
Wie Siemens Energy profitiert auch GE Vernova stark vom anhaltenden KI-Boom. Der Hersteller von Kraftwerkskomponenten und Elektrifizierungsdienstleister wurde vor rund 2,5 Jahren von GE Electric abgespalten und hat seither eine beeindruckende Rallye auf das Börsenparkett gezaubert. Mit einem Ausgabepreis von 143,00 US-Dollar gestartet konnte sich die Aktie zeitweise um fast 740 Prozent steigern. Grund hierfür ist neben stark verbesserten Betriebsergebnissen auch ein stetig wachsender Auftragsbestand.
Doch in den vergangenen Wochen ist die Rallye spürbar ins Stocken geraten. Die Aktienkursentwicklung ist der Geschäftsentwicklung weit vorausgeeilt, was zu einer für einen Industriekonzern ungewöhnlich hohen Unternehmensbewertung geführt hat. Im Chart, später mehr, ist es außerdem zu bearishen Divergenzen gekommen. Auch die Frage nach der finanziellen Nachhaltigkeit der gewaltigen KI-Infrastrukturinvestitionen hat am lange sehr starken Fundament der Aktie gerüttelt.
Zweifel an EBITDA-Schätzungen schickt Aktie in den Keller ...
Infolge eines vielbeachteten Analystenkommentares ist es am vergangenen Montag dann zu einem empfindlichen Einbruch der Aktie gekommen, der auch die Anteile von Siemens Energy mit in die Tiefe gerissen hat. Das Research-Haus GLJ bewertete die Aktie mit "Verkaufen" und warnte vor empfindlichen Kurseinbußen auf bis zu 470 US-Dollar.
Nach der Einschätzung von Analyst Gordon Johnson werden die aktuellen Gewinn- und EBITDA-Erwartungen viel zu hoch veranschlagt, weil das Unternehmen gegenwärtig vor allem noch ältere, margenschwache Aufträge abarbeiten würde. Seinen Berechnungen zufolge könnte das EBITDA-Ergebnis um rund 1,7 Milliarden US-Dollar unter den aktuellen Konsensschätzungen liegen. Damit wäre die Unternehmensbewertung noch weniger vorteilhaft als ohnehin schon. Mit fast zweistelligen Kursverlusten erwischte GE Vernova einen ganzen schwachen Handelstag, für Siemens Energy ging es um 8,0 Prozent bergab. Zusätzlich wurden die beiden Unternehmen durch Aufrufe zu einer Verlangsamung der aktuellen KI-Entwicklung belastet, welche am Wochenende infolge von Sicherheitsbedenken durch hochrangige Branchenvertreter geäußert wurden.
... jetzt hat sich der CEO mit 200-Milliarden-Prognose zu Wort gemeldet
Jetzt hat der Konzernchef bei einer Investorenveranstaltung der US-Investmentbank Morgan Stanley Bedenken bezüglich des Weiteren Wachstumskurses gekontert. CEO Scott Strazik berichtete am Mittwoch von einer "starken und andauernden" Nachfrage. Margensorgen adressierte er mit dem Verweis auf lukrative Dienstleistungs- und Instandhaltungsaufträge. Außerdem stellte er bis "sehr früh in 2027" einen gigantischen Auftragsbestand in Höhe von 200 Milliarden US-Dollar in Aussicht. Am Ende des vergangenen Quartals waren es bereits 176 Milliarden US-Dollar. Damit könnte GE Vernova schneller als bislang vom Markt vermutet die nächste Schallmauer durchbrechen.
Begleitend zur Zuversicht des Vorstandsvorsitzenden bekräftigte das Research-Haus Bernstein am Mittwoch seine Kaufempfehlung für die Aktie. Analystin Sunaina Ocalan verwies auf das Erfordernis weiterer Elektrifizierungsbemühungen im Zusammenhang mit dem KI-Datencenter-Boom und rief Anlegerinnen und Anleger dazu auf, den Rücksetzer vom Wochenauftakt als Einstiegschance zu begreifen.

Aktie mit Berg- und Talfahrt - aktuell stark abwärtsgefährdet
Nach dem Doppelschlag aus CEO-Auftritt und bekräftigter Kaufempfehlung konnte GE Vernova am Mittwoch trotz eines turbulenten Handels im Zusammenhang mit dem Fed-Leitzinsentscheid 4,8 Prozent zulegen und einen Teil der zum Wochenauftakt erlittenen Verluste wieder wettmachen. Trotzdem ist die charttechnische Ausgangslage der Aktie nach wochenlangen Gewinnmitnahmen angespannt. Während die 50-Tage-Linie unterschritten ist, konnte die 200-Tage-Linie am Montag und Dienstag nur mit viel Mühe verteidigt werden.
Die bearishen Divergenzen in den technischen Indikatoren, welche für die seit Juli anhaltende Konsolidierung der Aktie gesorgt haben, sind jetzt in Abwärtstrends gemündet, welche die Talfahrt der Aktie begleiten. Das ist in der Regel ein Zeichen für die Nachhaltigkeit des aktuellen Trends und könnte sich schon bald in weiteren Kursverlusten niederschlagen. Hierfür ist auch der Trendstärkeindikator MACD ein Zeichen, der weit unter der Nulllinie liegenden einen unverändert intakten Abwärtstrend der Aktie anzeigt.
Eine mögliche Unterstützungszone für den Fall des Unterschreitens des Supports bei 900 US-Dollar ist der Bereich zwischen 650 und 700 US-Dollar. Das bedeutet beträchtliches Abwärtspotenzial. Für neue prozyklische Kaufsignale wäre dagegen ein Ausbruch aus dem Abwärtstrendkanal und ein nachhaltiger Anstieg über 1.000 US-Dollar nötig.
Fazit: Angesichts der hohen Bewertung bleiben Zweifel
Ungeachtet der Zuversicht, welche der CEO am Mittwoch zu versprühen versuchte, ist die Aktie auch nach der jüngsten Korrektur extrem teuer bewertet. Das für 2026 geschätzte KGVe liegt mit fast 61 um mehr als das Dreifache über dem Branchendurchschnitt von 19,2. Gleichzeitig ist das Gewinnwachstum mit einem PEG von 1,69 teurer als bei der Konkurrenz. So bringt es Siemens Energy beispielsweise auf ein KGVe 2026 von 31,3 und ein Kurs-Gewinnwachstumsverhältnis von deutlich attraktiveren 0,8.
Damit ist der in Aussicht gestellte Backlog von 200 Milliarden US-Dollar weniger als Impuls für neue Kursgewinne zu verstehen, sondern vielmehr als unbedingt zu erfüllende Pflichtaufgabe, um in die gegenwärtig hohe Unternehmensbewertung hineinzuwachsen. Herausforderungen auf dem Weg dorthin sind einerseits die anhaltend hohen Anleiherenditen, welche Investitionen verteuern und das Ausbautempo verlangsamen könnten, so wie die wachsenden Zweifel an der finanziellen Nachhaltigkeit des KI-Booms. Wer bei GE Vernova zuschlagen möchte, sollte deutlich niedrigere Kurse abwarten und bis dahin Siemens Energy aufgrund der niedrigeren Bewertung den Vorzug geben.
Gastautor: Max Gross
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