DJ MARKT-AUSBLICK/Neue Allzeithochs im DAX erstmal nicht in Sicht
Von Manuel Priego-Thimmel
DOW JONES--Die US-Notenbank hat geliefert. Die Entscheidung der Währungshüter, die Leitzinsen zu erhöhen, wurde mit Erleichterung an den Märkten zur Kenntnis genommen. Das kommt selten vor, denn die Börsen mögen generell keine höheren Leitzinsen. In diesem Fall stand aber vor allem die Glaubwürdigkeit der Fed und ihres neuen Chairman Kevin Warsh im Fokus. Sie hat diesen Test bestanden und deren Unabhängigkeit gegenüber politischer Einflussnahme aus dem Weißen Haus verteidigt. Dennoch bleibt das Umfeld für die Börsen schwierig. Die hohen Anleiherenditen sind zu einer ernsten Konkurrenz für die Aktienmärkte geworden. Angesichts der voraussichtlich auf absehbare Zeit hohen Energiepreise wird sich daran auch so schnell nichts ändern. Neue Rekordhochs im DAX zeichnen sich zunächst nicht ab.
Wie Vontobel anmerkt, lieferte Fed-Chef Warsh eine fundierte, prägnante und vor allem klare Stellungnahme: Die Inflation liegt über dem Zielwert und wird gesenkt werden. Die Botschaft habe zusätzlich an Gewicht durch den "Dot Plot" - also den wahrscheinlich zukünftigen Zinspfad - gewonnen, der signalisiere, dass die Fed die Zinsen voraussichtlich noch einmal vor Jahresende anheben werde. An den Anleihemärkten fielen daraufhin sogar die Renditen, denn die US-Notenbank hat mit ihrem Votum klar gemacht, dass sie es mit der Inflationsbekämpfung Ernst meint. Eine außer Kontrolle geratene Inflation würde letztlich zum Zusammenbruch der Anleihemärkte führen. So gesehen, war die Reaktion an den Märkten rational.
Zentralbanken sind mit Zinserhöhungen noch nicht am Ende
Nachdem die Rendite der 10-jährige Treasurys zuletzt bei über 5 Prozent lag, notiert sie aktuell bei 4,95 Prozent, ein für die Aktienmärkte weiterhin sehr (zu) hohes Niveau. Die Rendite von 3,5 Prozent für zehnjährige Bundesanleihen entwickelt sich nach Ansicht der Commerzbank zu einer immer stärkeren Konkurrenz für dividendenstarke Aktien. So liege die aktuell erwartete Dividendenrendite für den DAX-Index bei 3 Prozent. "Erstmals seit 2007 liegt damit die deutsche Staatsanleihenrendite deutlich über der DAX-Dividendenrendite. Dagegen lag von 2016 bis 2021 die DAX-Dividendenrendite regelmäßig 300 bis 400 Basispunkte über der Anleiherendite. Das damalige TINA-Credo ('there is no alternative'), dass es neben der Aktienanlage keine andere renditestarke Investmentalternative mehr gebe, gilt damit nicht mehr", heißt es.
Die anhaltende Krise im Nahen Osten mit den negativen Auswirkungen auf die Öl-, Benzin- und Gaspreise und die Anleihemärkte wird wahrscheinlich auch in den kommenden Wochen die Aktienmärkte bremsen, ist die Commerzbank überzeugt. Aufgrund der gestiegenen Inflationsrisiken dürften weltweit weitere Notenbanken ihre Leitzinsen weiter nach oben nehmen. "Zudem steht mit den Zwischenwahlen in den USA am 3. November ein politischer Risikofaktor bevor. Manche Investoren befürchten deutliche Kursrückgänge am US-Aktienmarkt, falls die Demokraten nicht nur wie erwartet das Repräsentantenhaus, sondern auch überraschend den Senat auf ihre Seite ziehen sollten."
Trump/XI-Treffen wird keine Lösung im Nahostkonflikt bringen
Beim Treffen zwischen den Präsidenten Donald Trump und Xi Jinping in der kommenden Woche in Washington wird es sicherlich auch um die Lage im Nahen Osten gehen. Der jüngste Preisrückgang von Brent auf aktuell knapp 103 Dollar das Fass soll laut Berichten auf chinesische Interventionen in Teheran zurückzuführen sein mit dem Versuch der Einflussnahme auf die vom Iran unterstützten jemenitischen Huthis. Deren jüngste Angriffe auf die saudische Öl-Infrastruktur sowie Bestrebungen, die Kontrolle über die Meerenge von Bab al-Mandab zu übernehmen, hatte den Ölpreis auf über 110 Dollar getrieben. Zu viel sollten sich die Börsianer von dem Gipfeltreffen nicht erhoffen: zu verfahren ist die Lage und die Interessen der Beteiligten liegen zu weit auseinander.
Der Iran-Konflikt dürfte auch seine Spuren in den in der kommenden Woche anstehenden Einkaufsmanagerindizes hinterlassen haben, wenngleich in einer nicht kritischen Form. Der Sammelindex hat sich in den vergangenen Monaten bei einem vergleichsweise hohen Niveau von 52 Punkten festgesetzt. Damit hatte der Stimmungsindikator den Einbruch zu Beginn des Iran-Kriegs ausgeglichen. Die erneute Eskalation und die damit einhergehenden Preisanstiege für Erdöl und -gas dürften nun allerdings die Stimmung belasten, glaubt die Commerzbank. Da die Preise erst im Laufe des Erhebungszeitraums gestiegen und damit nur teilweise berücksichtigt seien, dürfte der Sammelindex für den Euroraum im September leicht von 52,0 auf 51,5 Punkte fallen.
Beim Gipfeltreffen dürfte es auch um KI-Regulierung gehen
Beim Treffen zwischen Trump und Xi dürfte es auch um KI-Regulierung gehen. Grundsätzlich ausschließen lässt sich eine Annäherung nicht. Die Angst vor Arbeitsplätzverlusten durch KI sowie der wachsende Widerstand gegen den Bau von Serverparks macht das Thema in den USA immer mehr zum Politikum, während Peking kein Interesse daran haben dürfte, dass außer Kontrolle geratene KI-Agenten das Machtmonopol der Kommunistischen Partei untergraben könnten. Eine Regulierung von KI wäre auch für die Börsen ein Thema, schon allein deshalb da die Investitionen in dem Sektor in den vergangenen Quartalen der Haupttreiber des Wachstums der US-Wirtschaft waren. So weit sind wir aber noch nicht.
Für den DAX dürfte es in den kommenden Wochen seitwärts weitergehen, auch aus saisonalen Gründen. Bis zum Jahresende trauen Strategen dem Index aber trotz aller geopolitischen Widrigkeiten Kursgewinne zu. So bleibt die DZ Bank bei ihrem DAX-Jahresendziel von 27.500 Punkten. Ausschlaggebend bleiben die Unternehmensgewinne. "Die Unternehmen der großen Indizes haben im zweiten Quartal erneut die Erwartungen der Analysten übertroffen, und auch für die verbleibenden Quartale rechnen wir mit einer robusten Gewinnentwicklung", heißt es. Dadurch sollte der Belastungseffekt höherer Anleiherenditen weitgehend kompensiert werden können.
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September 18, 2026 08:10 ET (12:10 GMT)
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