BERLIN (dpa-AFX) - Der frühere Nationale Sicherheitsberater der USA, John Bolton, beschuldigt US-Präsident Donald Trump, die Nato durch sein Agieren schwer und unnötig belastet zu haben. "Trump hat den Beziehungen zu den Nato-Partnern enormen Schaden zugefügt", sagte Bolton im "Interview der Woche" des Deutschlandfunks. "Dieser Schaden muss repariert werden. Er war völlig unnötig." Bolton sagte, er glaube, eine Reparatur sei möglich. "Und je früher wir damit beginnen, desto besser."
Trump hatte die Bündnispartner seit seinem Amtsantritt mehrfach vor den Kopf gestoßen. So irritierte er mit der Ankündigung, sich die zu Dänemark gehörende Arktisinsel Grönland aneignen zu wollen, ebenso wie mit dem Wunsch, Kanada zum 51. US-Bundesstaat zu machen. Auch kommen Trumps Drängen, die Partner müssten ihre eigenen Verteidigungsausgaben massiv und schnell erhöhen sowie Drohungen einer Truppenreduzierung in Europa nicht gut an.
Bolton: Chancen für Verbesserung, wenn Trump Amt verlässt
Bolton sieht gute Chancen für eine Verbesserung der Beziehungen, wenn Trump nicht mehr US-Präsident ist. "Sobald Trump das Amt verlässt, sehe ich gute Chancen für eine Rückkehr zu einer traditionelleren Politik", sagte er - selbst wenn der derzeitige Vizepräsident JD Vance Trump folgen sollte. "Ich halte Vance für äußerst opportunistisch. Wer weiß schon, was er 2028 denken wird", sagte Bolton.
Bolton warf Trump zudem vor, "die Dinge grundsätzlich verkehrt" zu sehen. Trump glaube, wenn er persönlich mit einem ausländischen Staatschef befreundet sei, dann seien auch die Beziehungen zwischen den Staaten in Ordnung. Das stimme natürlich nicht. Persönliche Beziehungen spielten sicher eine Rolle. "Aber man ist nicht einfach mit (Kremlchef) Wladimir Putin befreundet, so wie Trump das glaubt." Putin wisse genau, wer ihm gegenübersitze. Der chinesische Staatschef Xi Jinping ebenfalls.
Bolton: Trump hat kindliches Verständnis von internationaler Politik
Trump halte beide für Freunde und wolle sie deshalb nicht unter Druck setzen. "Das ist ein geradezu kindliches Verständnis internationaler Politik und sehr gefährlich", sagte Bolton.
Bolton war in Trumps erster Amtszeit (2017-2021) zeitweise dessen Nationaler Sicherheitsberater. Der langjährige Diplomat, der als außenpolitischer Hardliner gilt, trat nach rund eineinhalb Jahren im Amt im Streit mit Trump zurück. Im Anschluss wurde er zu einem seiner schärfsten Kritiker: 2020 veröffentlichte Bolton ein Enthüllungsbuch, in dem er ein vernichtendes Bild von Trump zeichnete. Die Trump-Regierung hatte vergeblich versucht, die Publikation zu stoppen./hme/DP/zb
