
© Foto: Symbolbild mit KI generiert
Die Schulden weg, KI da, Kursziel rauf. Aber trotzdem "zickt" der Chart bei TeamViewer rum. Die teure Übernahme-Finanzierung ist vorbei und dafür steht mit Tia Troubleshooting ein neuer KI-Kollege bereit, der IT-Probleme künftig ganz allein lösen soll. Goldman Sachs nickt zustimmend, bleibt aber bei der Einschätzung noch vorsichtig. Kann die zähe Widerstandszone endlich geknackt werden?
Mit KI auf zu neuen Höhen
Der Softwarekonzern aus Göppingen hat seine Finanzen neu geordnet und gleichzeitig ein neues KI-Werkzeug an den Start gebracht. Es wäre jetzt eventuell an der Zeit, genauer hinzuschaue, denn Kernstück der Neuordnung ist ein Schuldschein über 125 Millionen Euro, verteilt auf vier, fünf und sechs Jahre Laufzeit. Dazu kommt eine Tranche von 40 Millionen Euro aus einem EIB-Kredit. Mit diesem Geld hat TeamViewer die teure Brückenfinanzierung abgelöst, die für die Übernahme des britischen IT-Spezialisten 1E nötig war. Nebenbei wurde auch die revolvierende Kreditlinie über 150 Millionen Euro verlängert, und zwar bis 2031 statt bisher 2029. Das verschafft dem Management mehr Luft zum Atmen, mehr Zeit und weniger Druck bei künftigen Fälligkeiten. Zusätzlich dazu hat TeamViewer sein neues KI-Werkzeug namens Tia Troubleshooting live geschaltet. Die Software soll IT-Probleme in Fernwartungssitzungen selbst erkennen, Lösungen vorschlagen und nach Freigabe durch einen Fachmann sogar eigenständig beheben. Für Unternehmenskunden könnte das spürbar Zeit und Kosten sparen. Die Analysten von Goldman Sachs reagierten bereits und hoben ihr Kursziel von 5,50 auf 6,00 Euro an, blieben aber bei der Einstufung "Neutral". Ein vorsichtiges Ja also, noch kein großes Jubelschrei. Operativ gesehen läuft es eigentlich ganz ok, mit kleinen Abstrichen in der "B-Note". Im zweiten Quartal verdiente TeamViewer 0,19 Euro je Aktie, nach 0,14 Euro im Vorjahr. Der Umsatz lag mit 182,75 Millionen Euro allerdings leicht unter Vorjahresniveau.

Charttechnik
Der Blick auf den Chart zeigt eine Aktie im Lauer- und Wartemodus, aber mit tollem, intaktem Aufwärtstrend. Solange sich der Kurs über der Unterstützung bei 5,40 Euro hält, bleibt die Richtung nach oben gerichtet und genau dieser Bereich ist deshalb aktuell die wichtigste Markierung für alle, die investiert sind. Spannend wird es, sobald die Marke von 6 Euro nachhaltig überwunden wird. Gelingt dieser Schritt, öffnet sich der Weg in Richtung 8 Euro, und mittelfristig ist sogar eine Bewegung bis 10 Euro denkbar. Bislang hat sich der Kurs an genau solchen Widerstandszonen mehrfach die Zähne ausgebissen, zuletzt bei rund 6,70 Euro. Der erneute Anlauf könnte der entscheidende sein, muss es aber nicht.
Was tun?
Fundamental sieht es besser aus. Die Refinanzierung schafft mehr Klarheit, die Bilanz wirkt aufgeräumter, und mit Tia Troubleshooting bringt TeamViewer echtes KI-Tempo in sein Kerngeschäft. Das mittlere Analystenziel liegt bei rund 8 Euro liegt deutlich über dem aktuellen Kurs. Manche Bewertungsmodelle sehen sogar einen fairen Wert von über 13 Euro und damit einen spürbaren Abschlag wenn man den aktuellen Kurs sich ansieht. Ganz ohne Risiko ist die Sache trotzdem nicht. Die Nachfrage im Geschäft mit kleinen und mittleren Unternehmen bleibt schwach, und die Integration von 1E braucht offenbar mehr Zeit als gedacht. Auch Goldman Sachs bleibt trotz höherem Kursziel bei "Neutral", nicht bei "Kaufen". Unterm Strich spricht die Mischung aus solider Bilanz, neuer KI-Technik und günstiger Bewertung für die Aktie, solange die Unterstützung bei 5,40 Euro hält. Interessierte Anleger sollten den Ausbruch über die 6-Euro-Marke noch abwarten, bevor sie kaufen und dann die Position, selbstverständlich wie immer, gegen mögliche stärkere Rücksetzer absichern.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
Haftungsausschluss/Disclaimer
Die hier angebotenen Artikel dienen ausschließlich der Information und stellen keine Kauf- bzw. Verkaufsempfehlungen dar. Sie sind weder explizit noch implizit als Zusicherung einer bestimmten Kursentwicklung der genannten Finanzinstrumente oder als Handlungsaufforderung zu verstehen. Der Erwerb von Wertpapieren birgt Risiken, die zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals und - je nach Art des Investments - sogar zu darüber hinausgehenden Verpflichtungen, bspw. Nachschusspflichten, führen können. Die Informationen ersetzen keine auf die individuellen Bedürfnisse ausgerichtete fachkundige Anlageberatung. Eine Haftung oder Garantie für die Aktualität, Richtigkeit, Angemessenheit und Vollständigkeit der zur Verfügung gestellten Informationen sowie für Vermögensschäden wird weder ausdrücklich noch stillschweigend übernommen. Finanznachrichten.de hat auf die veröffentlichten Inhalte keinerlei Einfluss. Finanznachrichten.de hat bis zur Veröffentlichung der Artikel keine Kenntnis über Inhalt und Gegenstand der Artikel. Die Veröffentlichungen erfolgen durch externe Autoren bzw. Datenlieferanten. Infolgedessen können die Inhalte der Artikel auch nicht von Anlageinteressen von Finanznachrichten.de und/oder seinen Mitarbeitern oder Organen bestimmt sein.




