Berlin (ots) -
Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) hat heute anlässlich des Krankenhausgipfels 2026 "kostspielige Regulierungen" in der Qualitätssicherung beklagt und gefordert, dass Ergebnisqualität künftig eine größere Rolle spielen soll. Zudem sprach die DKG erneut von einer "dramatischen finanziellen und organisatorischen Lage" der deutschen Kliniken. Diese zentralen Botschaften des heutigen Krankenhausgipfels kommentiert die Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes, Dr. Carola Reimann, kritisch:
"Zwei Dinge sind am heutigen Krankenhausgipfel bemerkenswert: Der erste erstaunliche Befund ist, dass die DKG die Qualität der Krankenhausversorgung selbst auf die Agenda setzt. Dabei legt sie den Fokus auf die Ergebnisqualität. Dieser Fokus auf die Ergebnisse für die Patientinnen und Patienten ist zweifellos berechtigt. 2022 hat die WiZen-Studie für zentrale onkologische Bereiche gezeigt, dass die Versorgung in von der Deutschen Krebsgesellschaft zertifizierten Zentren zu einem höheren Überleben nach Krebs führt. Aber es sind eben die für die Zentren geltenden Prozess- und Strukturvorgaben, die zu diesen besseren Ergebnissen führen.
Unser Wissenschaftliches Institut WIdO hat in den letzten beiden Jahrzehnten für eine Vielzahl von Indikationen wissenschaftlich nachgewiesen, dass höhere Fallzahlen und eine eingespielte Versorgungskette mit besseren Ergebnissen für die Patienten einhergehen. Daher wäre eine alleinige Fokussierung auf die Ergebnisqualität falsch. Man muss auch schon bei den Strukturen und Prozessen ansetzen, um die Ergebnisqualität zu verbessern - zum Beispiel mit dem Instrument der Mindestmengen oder den neu eingeführten Leistungsgruppen. Für den Abbau unnötiger Bürokratie sind wir offen. Aber es muss im Interesse der Patientensicherheit gewährleistet sein, dass die Kliniken die Anforderungen an Personal, Erfahrung und Ausstattung auch tatsächlich einhalten. Im Hinblick auf solche sinnvollen Strukturvorgaben ist der heute auf dem Krankenhausgipfel der DKG postulierte Slogan "Deregulierung wagen" also eine zweifelhafte Botschaft.
Der zweite bemerkenswerte Punkt ist, dass die Klinikvertreter ihr Wehklagen über die wirtschaftliche Situation der Krankenhäuser einfach fortsetzen. Sie tun dies, obwohl das GKV-Sparpaket in diesem Bereich bereits aufgeweicht worden ist und 550 Millionen Euro zusätzlich an die Kliniken gezahlt werden. Dazu kommen weitere Erlössteigerungen und Entlastungen durch Effizienzgewinne im kommenden Jahr - zum Beispiel durch den Wegfall der Pflegepersonalregelung 2.0. Wenn man alle diese Faktoren berücksichtigt, ergibt sich für die Krankenhäuser ein Plus von mehr als acht Milliarden Euro gegenüber diesem Jahr. Es gibt also keinen nachvollziehbaren Grund zum Wehklagen. Mit GKV-Gesamtausgaben von mehr als 120 Milliarden Euro in 2027 besteht für die Kliniken ein ausreichender finanzieller Spielraum um den Wandel zu effizienteren Strukturen mit besserer Versorgungsqualität für die Patientinnen und Patienten zu schaffen."
Ihr Ansprechpartner in der Pressestelle:
Dr. Kai Behrens
Telefon: 030 / 34646-2309
Mobil: 01520 / 1563042
E-Mail: presse@bv.aok.de
Original-Content von: AOK-Bundesverband, übermittelt durch news aktuell
Originalmeldung: https://www.presseportal.de/pm/8697/6356175
Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) hat heute anlässlich des Krankenhausgipfels 2026 "kostspielige Regulierungen" in der Qualitätssicherung beklagt und gefordert, dass Ergebnisqualität künftig eine größere Rolle spielen soll. Zudem sprach die DKG erneut von einer "dramatischen finanziellen und organisatorischen Lage" der deutschen Kliniken. Diese zentralen Botschaften des heutigen Krankenhausgipfels kommentiert die Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes, Dr. Carola Reimann, kritisch:
"Zwei Dinge sind am heutigen Krankenhausgipfel bemerkenswert: Der erste erstaunliche Befund ist, dass die DKG die Qualität der Krankenhausversorgung selbst auf die Agenda setzt. Dabei legt sie den Fokus auf die Ergebnisqualität. Dieser Fokus auf die Ergebnisse für die Patientinnen und Patienten ist zweifellos berechtigt. 2022 hat die WiZen-Studie für zentrale onkologische Bereiche gezeigt, dass die Versorgung in von der Deutschen Krebsgesellschaft zertifizierten Zentren zu einem höheren Überleben nach Krebs führt. Aber es sind eben die für die Zentren geltenden Prozess- und Strukturvorgaben, die zu diesen besseren Ergebnissen führen.
Unser Wissenschaftliches Institut WIdO hat in den letzten beiden Jahrzehnten für eine Vielzahl von Indikationen wissenschaftlich nachgewiesen, dass höhere Fallzahlen und eine eingespielte Versorgungskette mit besseren Ergebnissen für die Patienten einhergehen. Daher wäre eine alleinige Fokussierung auf die Ergebnisqualität falsch. Man muss auch schon bei den Strukturen und Prozessen ansetzen, um die Ergebnisqualität zu verbessern - zum Beispiel mit dem Instrument der Mindestmengen oder den neu eingeführten Leistungsgruppen. Für den Abbau unnötiger Bürokratie sind wir offen. Aber es muss im Interesse der Patientensicherheit gewährleistet sein, dass die Kliniken die Anforderungen an Personal, Erfahrung und Ausstattung auch tatsächlich einhalten. Im Hinblick auf solche sinnvollen Strukturvorgaben ist der heute auf dem Krankenhausgipfel der DKG postulierte Slogan "Deregulierung wagen" also eine zweifelhafte Botschaft.
Der zweite bemerkenswerte Punkt ist, dass die Klinikvertreter ihr Wehklagen über die wirtschaftliche Situation der Krankenhäuser einfach fortsetzen. Sie tun dies, obwohl das GKV-Sparpaket in diesem Bereich bereits aufgeweicht worden ist und 550 Millionen Euro zusätzlich an die Kliniken gezahlt werden. Dazu kommen weitere Erlössteigerungen und Entlastungen durch Effizienzgewinne im kommenden Jahr - zum Beispiel durch den Wegfall der Pflegepersonalregelung 2.0. Wenn man alle diese Faktoren berücksichtigt, ergibt sich für die Krankenhäuser ein Plus von mehr als acht Milliarden Euro gegenüber diesem Jahr. Es gibt also keinen nachvollziehbaren Grund zum Wehklagen. Mit GKV-Gesamtausgaben von mehr als 120 Milliarden Euro in 2027 besteht für die Kliniken ein ausreichender finanzieller Spielraum um den Wandel zu effizienteren Strukturen mit besserer Versorgungsqualität für die Patientinnen und Patienten zu schaffen."
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