Osnabrück/Kiel (ots) -
Der Meeresnaturschutzfonds der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) (https://www.dbu.de/foerderung/projektfoerderung/foerderthemen/meeresnaturschutzfonds/) für Erhalt und Renaturierung von Nord- und Ostsee nimmt weiter Fahrt auf: Heute (Dienstag) startet mit einer Auftaktveranstaltung im Marine Science Campus (https://www.uni-kiel.de/de/detailansicht/news/012-marine-science-campus) der Universität Kiel das unter dem Dach des DBU-Fonds mit rund 980.000 Euro geförderte dreijährige Vorhaben "Riffretter". Ein Ziel: Stärkung des Ökosystems Ostsee durch Wiederherstellung eines historischen Riffstandortes in der Region Waabs/Boknis Eck (https://www.geomar.de/forschen/fb2/fb2-mg/geomikrobiologie/bocknis-eck-langzeitreihe-1) in der Eckernförder Bucht - als Modell für den Aufbau flacher Steinriffe auch in anderen Küstenzonen. DBU-Generalsekretär Alexander Bonde: "Ein wichtiger Beitrag für die Regenerierung mariner Arten und Lebensräume. Wir müssen mehr Acht auf diese Naturjuwele geben." Das Projekt Riffretter begleitet die Wiederherstellung des Riffs mit wissenschaftlicher Expertise.
Jeder zweite Atemzug ist Meer und Ozeanen zu verdanken
Es handle sich um "eine Generationenaufgabe". Die Ökosystemleistungen von Meeren und Ozeanen seien unverzichtbar, denn "sie sind für Mensch und Meer überlebenswichtig". Ohne intakte Meere sei ein Kampf gegen die Klimakrise nicht möglich. "Meeresnaturschutz ist deshalb Teil der Lösung." Tatsächlich sind Ozeane und Meere deswegen bedeutend fürs Klima, weil sie etwa 90 Prozent der Wärme aufnehmen, die durch den Anstieg von Emissionen klimaschädlicher Treibhausgase (THG) verursacht wird, und vor einer Überhitzung der Erde schützen. Und weil sie mehr als die Hälfte des Sauerstoffs produzieren, den der Mensch zum Leben braucht. Jeder zweite Atemzug ist Meeren und Ozeanen zu verdanken.
Sogenannte Steinfischerei ließ wertvolle Lebensräume der Ostsee verschwinden
Mit ihren einzigartigen marinen Lebensgemeinschaften leistet die Ostsee einen beträchtlichen Anteil an solchen Ökosystemleistungen. Insbesondere Steinriffe bilden die Grundlage für die Besiedlung etwa mit Makroalgen und Miesmuscheln; sie sind außerdem Rückzugsort für viele Fischarten. "Aber die Ostsee ist durch Eutrophierung, Überfischung und klimabedingte Erwärmung stark beeinträchtigt", warnt DBU-Fachreferentin Dr. Stefanie Moorthi. Eutrophierung bedeutet einen zu hohen Eintrag von Nährstoffen wie Stickstoff und Phosphor. Verschärft wird die Lage für Flora und Fauna in der Ostsee durch die bis in die 1950er-Jahre praktizierte sogenannte Steinfischerei, die endgültig erst Mitte der 1970er-Jahre untersagt wurde. Dazu Projektkoordinator Dr. Christian Wagner-Ahlfs vom Center for Ocean and Society (CeOS) (https://oceanandsociety.org/) der Christian-Albrechts-Universität (CAU) Kiel: "Noch vor rund 70 Jahren wurden die Steine in großem Umfang aus dem Meer geholt, zum Beispiel für den Bau von Hafenanlagen, Deichen und Straßen." DBU-Expertin Moorthi: "Der Abbau der flachen Steinriffe hat einige der wertvollsten Lebensräume der Ostsee verschwinden lassen." Deren Zerstörung wirke "bis heute" nach und habe zu einer "weiteren Verschlechterung des ökologischen Zustands der Ostsee" geführt. Moorthi: "Man kann davon ausgehen, dass in der gesamten Ostsee bis zu 200 Quadratkilometer besiedelbarer Hartsubstrate verloren gegangen sind." In der schleswig-holsteinischen Ostsee sind es ungefähr 5,6 Quadratkilometer.
"Ökosystem und marine Artenvielfalt können sich lokal wieder erholen"
Das Riffretter-Projekt unter CAU-Federführung hat nach Moorthis Worten großes Potenzial als Blaupause für nachfolgende Renaturierungsmaßnahmen - etwa durch Erkenntnisse zu Standortwahl, ausgewählten Materialien und Erfolgskontrolle. Kern des Projekts sei die Wiederherstellung der durch die Steinfischerei abhandengekommenen Riffstrukturen. "Im küstennahen Bereich werden Steine und Blöcke auf dem Meeresboden abgelegt und ein neues Habitat für Algen, Muscheln, Fische sowie andere Meeresorganismen geschaffen", erläutert die DBU-Expertin. "Das Ökosystem und die marine Artenvielfalt können sich lokal wieder erholen." Sie weist neben dem Modellcharakter des DBU-geförderten Vorhabens auf dessen weiterreichende Dimension hin. Moorthi: "Nach aktuellen Studien hat die Wiederherstellung von Steinriffen positive Effekte auf Biodiversität, Fischpopulationen sowie Wasserqualität und kann zum Küstenschutz beitragen." Riffrenaturierung gewinne auch politisch und fachlich an Bedeutung, "etwa im Zuge der Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie (MSRL) (https://www.nlwkn.niedersachsen.de/startseite/wasserwirtschaft/eg_meeresstrategie_rahmenrichtlinie/meeresstrategie-rahmenrichtlinie-msrl-stand-der-umsetzung-in-deutschland-105940.html) der Europäischen Union, der Flora-Fauna-Habitat (FFH)-Managementplanung sowie des Aktionsplans Ostseeschutz 2030 (https://www.geomar.de/news/article/wissenschaftlicher-beirat-fuer-aktionsplan-ostseeschutz-konstituiert).
Bis Ende 2026 neues Stein-Wohnzimmer für künftige Meeresbewohner
Das breite Projekt-Konsortium von Behörden über Umweltorganisationen bis hin zu Bildungs- und Forschungszentren fängt nicht bei Null an. Denn die Forschenden begleiten bei ihren Untersuchungen eine bereits geplante und finanzierte Kompensationsmaßnahme des Wasserstraßen-Neubauamts Nord-Ostsee-Kanal (WNA) (https://www.wna-nord-ostsee-kanal.wsv.de/Webs/WNA/WNA-NOK/DE/0_Startseite/WNA-NOK.html). Bis Ende 2026 will das WNA das neue Stein-Wohnzimmer für künftige Meeresbewohner installiert haben. Wagner-Ahlfs: "Für die Riff-Wiederherstellung bei Waabs/Boknis Eck werden Steine, die beim Ausbau des Nord-Ostsee-Kanals ausgehoben wurden, auf dem Meeresgrund platziert."
Neben ökologischen Fragen auch gesellschaftliche Akzeptanz und Umweltbildung im Blick
Moorthi und Wagner-Ahlfs betonen, dass es beim Riffretter-Projekt nicht allein um ökologische Fragen geht: "Wir wollen auch lokale Akteurinnen und Akteure mit ins Boot holen. Gesellschaftliche Akzeptanz und Umweltbildung sind ebenfalls im Blick." Moorthi fügt hinzu: "Durch Befragungen, Interviews und Workshops sollen Sorgen genommen und zugleich ein Bewusstsein für dieses Naturparadies geschaffen werden." Dazu zählen nach ihren Worten zum Beispiel die Berücksichtigung von Tourismus, Tauch- und Wassersport. Moorthi: "Wir suchen Lösungen für verschiedene Beteiligte - aber im Einklang mit dem Meeresschutz."
Hinweis: Infos zum DBU-Meeresnaturschutzfonds unter Meeresnaturschutzfonds - DBU (https://www.dbu.de/foerderung/projektfoerderung/foerderthemen/meeresnaturschutzfonds/)
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Der Meeresnaturschutzfonds der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) (https://www.dbu.de/foerderung/projektfoerderung/foerderthemen/meeresnaturschutzfonds/) für Erhalt und Renaturierung von Nord- und Ostsee nimmt weiter Fahrt auf: Heute (Dienstag) startet mit einer Auftaktveranstaltung im Marine Science Campus (https://www.uni-kiel.de/de/detailansicht/news/012-marine-science-campus) der Universität Kiel das unter dem Dach des DBU-Fonds mit rund 980.000 Euro geförderte dreijährige Vorhaben "Riffretter". Ein Ziel: Stärkung des Ökosystems Ostsee durch Wiederherstellung eines historischen Riffstandortes in der Region Waabs/Boknis Eck (https://www.geomar.de/forschen/fb2/fb2-mg/geomikrobiologie/bocknis-eck-langzeitreihe-1) in der Eckernförder Bucht - als Modell für den Aufbau flacher Steinriffe auch in anderen Küstenzonen. DBU-Generalsekretär Alexander Bonde: "Ein wichtiger Beitrag für die Regenerierung mariner Arten und Lebensräume. Wir müssen mehr Acht auf diese Naturjuwele geben." Das Projekt Riffretter begleitet die Wiederherstellung des Riffs mit wissenschaftlicher Expertise.
Jeder zweite Atemzug ist Meer und Ozeanen zu verdanken
Es handle sich um "eine Generationenaufgabe". Die Ökosystemleistungen von Meeren und Ozeanen seien unverzichtbar, denn "sie sind für Mensch und Meer überlebenswichtig". Ohne intakte Meere sei ein Kampf gegen die Klimakrise nicht möglich. "Meeresnaturschutz ist deshalb Teil der Lösung." Tatsächlich sind Ozeane und Meere deswegen bedeutend fürs Klima, weil sie etwa 90 Prozent der Wärme aufnehmen, die durch den Anstieg von Emissionen klimaschädlicher Treibhausgase (THG) verursacht wird, und vor einer Überhitzung der Erde schützen. Und weil sie mehr als die Hälfte des Sauerstoffs produzieren, den der Mensch zum Leben braucht. Jeder zweite Atemzug ist Meeren und Ozeanen zu verdanken.
Sogenannte Steinfischerei ließ wertvolle Lebensräume der Ostsee verschwinden
Mit ihren einzigartigen marinen Lebensgemeinschaften leistet die Ostsee einen beträchtlichen Anteil an solchen Ökosystemleistungen. Insbesondere Steinriffe bilden die Grundlage für die Besiedlung etwa mit Makroalgen und Miesmuscheln; sie sind außerdem Rückzugsort für viele Fischarten. "Aber die Ostsee ist durch Eutrophierung, Überfischung und klimabedingte Erwärmung stark beeinträchtigt", warnt DBU-Fachreferentin Dr. Stefanie Moorthi. Eutrophierung bedeutet einen zu hohen Eintrag von Nährstoffen wie Stickstoff und Phosphor. Verschärft wird die Lage für Flora und Fauna in der Ostsee durch die bis in die 1950er-Jahre praktizierte sogenannte Steinfischerei, die endgültig erst Mitte der 1970er-Jahre untersagt wurde. Dazu Projektkoordinator Dr. Christian Wagner-Ahlfs vom Center for Ocean and Society (CeOS) (https://oceanandsociety.org/) der Christian-Albrechts-Universität (CAU) Kiel: "Noch vor rund 70 Jahren wurden die Steine in großem Umfang aus dem Meer geholt, zum Beispiel für den Bau von Hafenanlagen, Deichen und Straßen." DBU-Expertin Moorthi: "Der Abbau der flachen Steinriffe hat einige der wertvollsten Lebensräume der Ostsee verschwinden lassen." Deren Zerstörung wirke "bis heute" nach und habe zu einer "weiteren Verschlechterung des ökologischen Zustands der Ostsee" geführt. Moorthi: "Man kann davon ausgehen, dass in der gesamten Ostsee bis zu 200 Quadratkilometer besiedelbarer Hartsubstrate verloren gegangen sind." In der schleswig-holsteinischen Ostsee sind es ungefähr 5,6 Quadratkilometer.
"Ökosystem und marine Artenvielfalt können sich lokal wieder erholen"
Das Riffretter-Projekt unter CAU-Federführung hat nach Moorthis Worten großes Potenzial als Blaupause für nachfolgende Renaturierungsmaßnahmen - etwa durch Erkenntnisse zu Standortwahl, ausgewählten Materialien und Erfolgskontrolle. Kern des Projekts sei die Wiederherstellung der durch die Steinfischerei abhandengekommenen Riffstrukturen. "Im küstennahen Bereich werden Steine und Blöcke auf dem Meeresboden abgelegt und ein neues Habitat für Algen, Muscheln, Fische sowie andere Meeresorganismen geschaffen", erläutert die DBU-Expertin. "Das Ökosystem und die marine Artenvielfalt können sich lokal wieder erholen." Sie weist neben dem Modellcharakter des DBU-geförderten Vorhabens auf dessen weiterreichende Dimension hin. Moorthi: "Nach aktuellen Studien hat die Wiederherstellung von Steinriffen positive Effekte auf Biodiversität, Fischpopulationen sowie Wasserqualität und kann zum Küstenschutz beitragen." Riffrenaturierung gewinne auch politisch und fachlich an Bedeutung, "etwa im Zuge der Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie (MSRL) (https://www.nlwkn.niedersachsen.de/startseite/wasserwirtschaft/eg_meeresstrategie_rahmenrichtlinie/meeresstrategie-rahmenrichtlinie-msrl-stand-der-umsetzung-in-deutschland-105940.html) der Europäischen Union, der Flora-Fauna-Habitat (FFH)-Managementplanung sowie des Aktionsplans Ostseeschutz 2030 (https://www.geomar.de/news/article/wissenschaftlicher-beirat-fuer-aktionsplan-ostseeschutz-konstituiert).
Bis Ende 2026 neues Stein-Wohnzimmer für künftige Meeresbewohner
Das breite Projekt-Konsortium von Behörden über Umweltorganisationen bis hin zu Bildungs- und Forschungszentren fängt nicht bei Null an. Denn die Forschenden begleiten bei ihren Untersuchungen eine bereits geplante und finanzierte Kompensationsmaßnahme des Wasserstraßen-Neubauamts Nord-Ostsee-Kanal (WNA) (https://www.wna-nord-ostsee-kanal.wsv.de/Webs/WNA/WNA-NOK/DE/0_Startseite/WNA-NOK.html). Bis Ende 2026 will das WNA das neue Stein-Wohnzimmer für künftige Meeresbewohner installiert haben. Wagner-Ahlfs: "Für die Riff-Wiederherstellung bei Waabs/Boknis Eck werden Steine, die beim Ausbau des Nord-Ostsee-Kanals ausgehoben wurden, auf dem Meeresgrund platziert."
Neben ökologischen Fragen auch gesellschaftliche Akzeptanz und Umweltbildung im Blick
Moorthi und Wagner-Ahlfs betonen, dass es beim Riffretter-Projekt nicht allein um ökologische Fragen geht: "Wir wollen auch lokale Akteurinnen und Akteure mit ins Boot holen. Gesellschaftliche Akzeptanz und Umweltbildung sind ebenfalls im Blick." Moorthi fügt hinzu: "Durch Befragungen, Interviews und Workshops sollen Sorgen genommen und zugleich ein Bewusstsein für dieses Naturparadies geschaffen werden." Dazu zählen nach ihren Worten zum Beispiel die Berücksichtigung von Tourismus, Tauch- und Wassersport. Moorthi: "Wir suchen Lösungen für verschiedene Beteiligte - aber im Einklang mit dem Meeresschutz."
Hinweis: Infos zum DBU-Meeresnaturschutzfonds unter Meeresnaturschutzfonds - DBU (https://www.dbu.de/foerderung/projektfoerderung/foerderthemen/meeresnaturschutzfonds/)
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Klaus Jongebloed
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