
© Foto: Redaktion - mithilfe von KI generiert
Das ging schnell. Erst kletterte der Telekom-Sektor auf den höchsten Stand seit Ende Juni. Dann kam die Abstufung von Orange, und die Telekom-Aktie landete zuletzt ganz unten in der DAX-Liste. Dabei lieferten die Bonner eigentlich ordentliche Zahlen und hoben sogar ihren Ausblick an. Warum also der Absturz und ist er gerechtfertigt? Und was verrät der Chart, der gleich zwei wichtige Linien nach unten hin durchbrochen hat? Dazu kommen neue Köpfe im Vorstand, ein Investor mit klaren Ansagen und ein Konzernchef, der KI als größtes Geschenk feiert. Wir zeigen, wie es wirklich um die Aktie der Deutschen Telekom steht und welche Chartmarken jetzt wichtig sind.
Abwärts zum Wochenschluss
Der Freitag vergangene Woche war für die Telekom-Aktie ein dunkler Tag. Am Ende stand ein Minus von gut 4 Prozent, der Kurs schloss bei knapp über 27 Euro. Schuld war nicht die Telekom selbst. Morgan Stanley stufte den Konkurrenten Orange auf "Underweight" ab und senkte das Kursziel auf 15 Euro. Der ganze Sektor rutschte mit. Dabei hatte der Branchenindex kurz zuvor noch den höchsten Stand seit Ende Juni erreicht.
Generell sehen die Geschäftszahlen der Telekom gut aus. Im ersten Halbjahr wuchs das operative Ergebnis organisch um mehr als 7 Prozent. Deshalb hob der Konzern seine Prognose für den freien Cashflow auf gut 20 Milliarden Euro an. Auch die Analysten bleiben freundlich. Ihre Kursziele liegen im Schnitt bei rund 37 Euro - also deutlich über dem aktuellen Kurs. Das wären prozentual ausgedrückt deutlich über 30 Prozent mehr als jetzt. Barclays und J.P. Morgan sagen "Overweight" und auch die UBS rät zum Kauf.
Im Umfeld ist zudem einiges in Bewegung. Die Telekom ordnet ihre Führungsebene neu. Mirchandani übernimmt das Finanzressort, Hofmeyr den Technologie-Vorstand. Außerdem soll der Investor Elliott zuletzt eingestiegen sein und eine Fusion mit T-Mobile US verhindern wollen. Zuletzt äußerte sich Konzernchef Tim Höttges zum Thema Künstlicher Intelligenz. Er sieht diese als das größte Geschenk für die Menschheit zu seinen Lebzeiten an. Außerdem steht am 5. Oktober der Investorentag an.

Charttechnik
Der Chart sieht schlechter aus als die vorgelegten Zahlen. Die Aktie ist zuletzt unter den 50er SMA gefallen und auch der 200er SMA liegt jetzt über dem Kurs. Das ist ein klares Warnsignal. Dabei war das Papier seit Anfang Juni von unter 25 Euro bis fast an die 30 gelaufen. Dieser Schwung ist erst mal weg, und die Käufer wirken vorsichtig. Das Jahreshoch liegt bei knapp über 34 Euro, das Jahrestief bei knapp unter 24 Euro. Der RSI steht derzeit bei 42. Das ist weder heiß gelaufen noch überverkauft. Nach unten bleibt aber somit auch noch Platz, denn erst unter 30 gilt eine Aktie als überverkauft. Jetzt zählen mehrere wichtige Marken: 27 Euro, 26,50 Euro. Fällt der Kurs darunter, sieht es nach einer Fortsetzung des Rutsches aus. Dann ist da noch die Marke bei 23,80 Euro. Fällt es auch darunter, könnte es bis unter 20 Euro rutschen. Nach oben ist die 30-Euro-Marke die erste große Hürde für die Käufer. Erst wenn die fällt, hellt sich das Bild wieder auf.
Was tun?
Die Lage ist durch den letzten Kursrutsch immer noch angespannt. Für die Telekom sprechen zwar das Wachstum, der höhere Cashflow-Ausblick und die freundlichen Analysten. Der Chart jedoch erzählt eine andere Geschichte. Er zeigt einen Kurs, der verzweifelt nach Halt sucht. Und die Nachrichten sind gemischt: neue Köpfe, ein aktiver Investor, ein Sektor unter Druck. Klarheit ist deshalb im Moment nicht vorhanden. Deshalb wäre jetzt Geduld und Ruhe wichtig, statt Hektik, aber das ist leichter gesagt als getan. Am Ende passt wohl am besten eine vorerst abwartende Haltung. Wer schon investiert ist, sollte die Marken bei 27 und 26,50 Euro genau beobachten. Wer neu einsteigen will, wartet vielleicht besser auf eine Stabilisierung oder geht in kleinen Schritten vor. Der Investorentag am 5. Oktober könnte neue Impulse bringen oder aber neue Meldungen vom Unternehmen oder vom Investor Elliott.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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