DJ Institute verdoppeln deutsche Wachstumsprognose für 2026
Von Hans Bentzien
DOW JONES--Die führenden deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute haben ihre Prognose für das Wachstum der deutschen Wirtschaft im laufenden Jahr verdoppelt und die für 2027 leicht angehoben. Wie sie im Rahmen ihrer Herbstprognose mittteilten, rechnen sie nun mit einem Anstieg des preisbereinigten Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 1,3 (Frühjahrsprognose: 0,6) Prozent. Die Prognose für 2027 wurde auf 1,1 (0,9) Prozent erhöht. Für 2028 erwarten die Institute ein Wirtschaftswachstum von 0,4 Prozent. "Die Wirtschaft hat sich robuster entwickelt als erwartet. Der Aufschwung steht jedoch auf einem schmalen Fundament, denn hohe Energiepreise und Strukturprobleme belasten", sagte Oliver Holtemöller, Konjunkturchef des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH).
Die Inflation dürfte von 2,8 Prozent in diesem Jahr zunächst auf 3,2 Prozent 2027 steigen und 2028 auf 2,0 Prozent zurückgehen. Am Arbeitsmarkt kommt die Erholung laut der Prognose verzögert an: Die Erwerbstätigkeit sinkt zunächst weiter, während die Arbeitslosenquote von 6,4 Prozent 2026 auf 6,2 Prozent im kommenden und 5,8 Prozent im Jahr 2028 zurückgeht.
Die deutsche Wirtschaft hat sich im ersten Halbjahr 2026 deutlich kräftiger entwickelt als im Frühjahr erwartet. Vor allem die Exporte und die Wertschöpfung im Verarbeitenden Gewerbe legten überraschend stark zu. Impulse kamen von der robusten Weltkonjunktur und dem weltweiten KI-Boom; zugleich waren Wettbewerber aus der Golfregion infolge des Iran-Kriegs erheblichen Produk-tionsbeeinträchtigungen ausgesetzt.
Auch der Staatsverbrauch nahm kräftig zu. Die Unternehmensinvestitionen und der private Konsum blieben dagegen schwach. Der mit dem Iran-Krieg verbundene Energiepreisschock bremste die deutsche Wirtschaft zwar, die höheren Preise für Kraftstoffe und Heizöl sprangen bislang aber kaum auf die übrigen Verbraucherpreise über.
Im dritten Quartal hat sich die Erholung nach Einschötzung der Institute vorübergehend verlangsamt. "Die Stimmungsindikatoren haben sich zwar weiter aufgehellt, am aktuellen Rand fallen die harten Konjunkturdaten jedoch schwächer aus", konstatieren sie. Insbesondere das seit Mitte Juli anhaltende Niedrigwasser behindere die Produktion in der Chemischen Industrie. Zugleich belasteten die höheren Energiepreise die Kaufkraft und damit den privaten Konsum.
"Das Bruttoinlandsprodukt dürfte im dritten Quartal lediglich um 0,1 Prozent gegenüber dem Vorquartal gestiegen sein", heißt es. Mit einer Normalisierung der Pegelstände sollten die Produktionshemmnisse ab dem vierten Quartal nachlassen. Die robuste Nachfrage aus dem Ausland sowie steigende öffentliche Ausgaben für Verteidigung und Infrastruktur stützten dann die weitere Erholung.
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September 24, 2026 04:00 ET (08:00 GMT)
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