Düsseldorf (ots) -
Der neue Report "Selbstbestimmt leben - Status quo und Zukunft der Hilfsmittelversorgung in Deutschland" zeigt: Hilfsmittel stärken Selbstständigkeit und Teilhabe. Gleichzeitig belasten Bürokratie, Kostendruck und unklare Prozesse den Zugang zur Versorgung.
Die Ergebnisse treffen auf eine gesundheitspolitische Debatte, die aktuell intensiv über Effizienz, Kosten und Finanzierungsfragen geführt wird. Während die Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung seit Jahren steigen, reagiert die Politik mit Maßnahmen zur Begrenzung der Ausgabendynamik. Das im Juli 2026 beschlossene GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz sieht für die Hilfsmittelversorgung ab 2027/2028 einen pauschalen Abschlag von drei Prozent gegenüber den vertraglich vereinbarten Preisen vor. Zugleich erhält das Festbetragssystem für Hilfsmittel eine neue gesetzliche Grundlage.
Dabei machen Hilfsmittel gemessen am Gesamtbudget der gesetzlichen Krankenversicherung nur einen vergleichsweisen kleinen Anteil aus: Für rund 32 Millionen Versorgungsfälle im Jahr 2023 wurden 3,87 Prozent desGKV-Gesamtbudgets aufgewendet. Gleichzeitig ist ihr Nutzen für die Betroffenen, ihre Familien und die Gesellschaft enorm. Ein passender Rollstuhl, ein Hörgerät, eine Prothese, ein Inkontinenz-Hilfsmittel oder ein digitales Assistenzsystem kann darüber entscheiden, ob Menschen selbstständig leben, beruflich aktiv bleiben oder Pflege- und Folgekosten vermieden werden.
"Die Debatte über Hilfsmittelversorgung darf nicht allein über Kosten geführt werden. Entscheidend ist, was Versorgung im Alltag ermöglicht: Mobilität, Teilhabe, Beruf, Familie und ein selbstbestimmtes Leben. Genau diese Perspektive bringt die REHACARE in den Austausch zwischen Community, Wirtschaft, Versorgung und Politik ein", sagt Hannes Niemann, Director REHACARE International.
Zwischen Selbstständigkeit und Systemhürden
Für den Report wurden mehr als 1.500 Menschen befragt, die regelmäßig Hilfsmittel nutzen und in den vergangenen fünf Jahren Kontakt mit der Beantragung, Genehmigung, Anpassung oder Reparatur eines Hilfsmittels hatten. Die Ergebnisse zeigen deutlich: Hilfsmittel wirken unmittelbar. 95 Prozent der Befragten berichten von einem positiven Einfluss auf ihr tägliches Leben, 86 Prozent erleben durch Hilfsmittel mehr Selbstständigkeit. Damit sind Hilfsmittel nicht nur medizinische Produkte oder Kostenpositionen im System. Sie sind Voraussetzung für Teilhabe, Mobilität, Kommunikation, Erwerbsfähigkeit und ein möglichst selbstbestimmtes Leben.
Besonders deutlich wird die Belastung auf dem Weg zum passenden Hilfsmittel: Zwei Drittel der Befragten fühlen sich durch bürokratische Prozesse belastet. 76 Prozent sind überzeugt, dass gute Versorgung nur bekommt, wer hartnäckig bleibt und sich im System auskennt. Entsprechend verhalten fällt die Gesamtbewertung aus: Zwar sind 68 Prozent der Befragten mit ihrer Hilfsmittelversorgung insgesamt zufrieden, rund ein Drittel ist es jedoch nicht.
Auch das Bild des Versorgungssystems ist gespalten. 49 Prozent der Befragten erleben das System als Sparsystem der Kostenträger, 52 Prozent dagegen als Unterstützungssystem für Anwenderinnen und Anwender. Besonders kritisch urteilen jüngere Befragte: 63 Prozent der 18- bis 29-Jährigen nehmen das System als Sparsystem wahr. Auch Frauen und Menschen mit geringerem Einkommen bewerten die Versorgung häufiger kritisch. Die Ergebnisse des REHACARE Reports zeigen: Wenn pauschale Kürzungslogiken auf einen Versorgungsbereich treffen, der stark vom individuellen Bedarf, von Beratung, Anpassung und Service abhängt, drohen Fehlsteuerungen. Einsparungen an der falschen Stelle können dazu führen, dass Kosten nicht verschwinden, sondern sich verlagern - etwa in Pflege, Krankenhausaufenthalte, Arbeitsausfälle oder verlorene gesellschaftliche Teilhabe.
Gute Hilfsmittelversorgung hat damit auch einen volkswirtschaftlichen Nutzen. Sie kann Menschen dabei unterstützen, im Beruf zu bleiben oder wieder in Arbeit zurückzukehren. Sie kann Angehörige entlasten, Pflegebedarfe reduzieren und dazu beitragen, dass Menschen ihren Alltag möglichst eigenständig bewältigen. Voraussetzung dafür sind passende Produkte, qualifizierte Beratung, funktionierende Prozesse und transparente Entscheidungen.
Wenn Teilhabe und Selbstbestimmung das Ziel sind, müssen Fachkräfte gestärkt und Prozesse so gestaltet werden, dass menschliche Kommunikation und nachvollziehbare Entscheidungen im Zentrum stehen. Gerade vor dem Hintergrund zunehmender Versorgungsbedarfe braucht es eine klare politische Priorisierung: mehr Verantwortung für Fachpersonal, mehr interdisziplinäre Zusammenarbeit und ein System, das Vertrauen ermöglicht.
Der REHACARE Report wurde am 23. September zum Auftakt der REHACARE International 2026 vorgestellt und unter der Leitfrage "Unterstützungssystem oder Sparsystem?" mit Stimmen aus Community, Versorgung und Interessenvertretung diskutiert.
Zur Methodik
Der REHACARE Report 2026 basiert auf einer Online-Befragung, die im März 2026 in Deutschland durchgeführt wurde. Befragt wurden 1.527 Menschen ab 18 Jahren, die regelmäßig Hilfsmittel nutzen und in den vergangenen fünf Jahren Erfahrungen mit der Beantragung, Genehmigung, Anpassung oder Reparatur eines Hilfsmittels gemacht haben. Die Stichprobe ist nach Alter und Geschlecht bevölkerungsrepräsentativ verteilt. Die Feldarbeit und Auswertung übernahm die INNOFACT AG.
Weitere Informationen zum REHACARE Report und zur Medien- und Community-Veranstaltung:
www.rehacare.de/de/media-news/news/rehacare-report
Über die REHACARE
Die REHACARE ist die international führende Fachmesse für Rehabilitation, Prävention, Inklusion und Pflege. Unter dem Leitsatz "Selbstbestimmt leben" bringt sie Menschen mit Behinderung und chronischen Erkrankungen, Angehörige, internationale Lösungsanbieter, Start-ups, Sanitäts- und Orthopädiefachhandel, Verbände sowie Akteure aus Politik, Gesundheitswesen und Wissenschaft zusammen. Als internationale Innovations-, Business- und Community-Plattform verbindet die REHACARE Produkte und Technologien mit Wissenstransfer, persönlicher Erfahrung und gesellschaftlicher Debatte.
Mit der 2023 gegründeten REHACARE China, die im Suzhou International Expo Center stattfindet, ist die Marke auch auf dem asiatischen Markt präsent und hat sich dort bereits als wichtige Plattform etabliert. Die nächste REHACARE China findet vom20. bis 22. August 2026 statt. Zum Portfolio gehört nun auch die AccessAbilities Expo in Dubai, die größte Fachveranstaltung für Menschen mit Behinderung im Nahen Osten. Sie präsentiert modernste assistive Technologien und Lösungen, die Inklusion und Barrierefreiheit in einer der dynamischsten Regionen der Welt fördern. Die 8. Ausgabe der AccessAbilities Expo findet vom 19. bis 21. Oktober 2026 im Dubai World Trade Centre statt.
www.rehacare.de
Pressekontakt:
Monika Kühnhenrich-Jacoby
Tel. +49 (0) 211 / 4560-620
E-Mail: kuehnhenrichm@messe-duesseldorf.de
Original-Content von: REHACARE, übermittelt durch news aktuell
Originalmeldung: https://www.presseportal.de/pm/165066/6358206
Der neue Report "Selbstbestimmt leben - Status quo und Zukunft der Hilfsmittelversorgung in Deutschland" zeigt: Hilfsmittel stärken Selbstständigkeit und Teilhabe. Gleichzeitig belasten Bürokratie, Kostendruck und unklare Prozesse den Zugang zur Versorgung.
Die Ergebnisse treffen auf eine gesundheitspolitische Debatte, die aktuell intensiv über Effizienz, Kosten und Finanzierungsfragen geführt wird. Während die Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung seit Jahren steigen, reagiert die Politik mit Maßnahmen zur Begrenzung der Ausgabendynamik. Das im Juli 2026 beschlossene GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz sieht für die Hilfsmittelversorgung ab 2027/2028 einen pauschalen Abschlag von drei Prozent gegenüber den vertraglich vereinbarten Preisen vor. Zugleich erhält das Festbetragssystem für Hilfsmittel eine neue gesetzliche Grundlage.
Dabei machen Hilfsmittel gemessen am Gesamtbudget der gesetzlichen Krankenversicherung nur einen vergleichsweisen kleinen Anteil aus: Für rund 32 Millionen Versorgungsfälle im Jahr 2023 wurden 3,87 Prozent desGKV-Gesamtbudgets aufgewendet. Gleichzeitig ist ihr Nutzen für die Betroffenen, ihre Familien und die Gesellschaft enorm. Ein passender Rollstuhl, ein Hörgerät, eine Prothese, ein Inkontinenz-Hilfsmittel oder ein digitales Assistenzsystem kann darüber entscheiden, ob Menschen selbstständig leben, beruflich aktiv bleiben oder Pflege- und Folgekosten vermieden werden.
"Die Debatte über Hilfsmittelversorgung darf nicht allein über Kosten geführt werden. Entscheidend ist, was Versorgung im Alltag ermöglicht: Mobilität, Teilhabe, Beruf, Familie und ein selbstbestimmtes Leben. Genau diese Perspektive bringt die REHACARE in den Austausch zwischen Community, Wirtschaft, Versorgung und Politik ein", sagt Hannes Niemann, Director REHACARE International.
Zwischen Selbstständigkeit und Systemhürden
Für den Report wurden mehr als 1.500 Menschen befragt, die regelmäßig Hilfsmittel nutzen und in den vergangenen fünf Jahren Kontakt mit der Beantragung, Genehmigung, Anpassung oder Reparatur eines Hilfsmittels hatten. Die Ergebnisse zeigen deutlich: Hilfsmittel wirken unmittelbar. 95 Prozent der Befragten berichten von einem positiven Einfluss auf ihr tägliches Leben, 86 Prozent erleben durch Hilfsmittel mehr Selbstständigkeit. Damit sind Hilfsmittel nicht nur medizinische Produkte oder Kostenpositionen im System. Sie sind Voraussetzung für Teilhabe, Mobilität, Kommunikation, Erwerbsfähigkeit und ein möglichst selbstbestimmtes Leben.
Besonders deutlich wird die Belastung auf dem Weg zum passenden Hilfsmittel: Zwei Drittel der Befragten fühlen sich durch bürokratische Prozesse belastet. 76 Prozent sind überzeugt, dass gute Versorgung nur bekommt, wer hartnäckig bleibt und sich im System auskennt. Entsprechend verhalten fällt die Gesamtbewertung aus: Zwar sind 68 Prozent der Befragten mit ihrer Hilfsmittelversorgung insgesamt zufrieden, rund ein Drittel ist es jedoch nicht.
Auch das Bild des Versorgungssystems ist gespalten. 49 Prozent der Befragten erleben das System als Sparsystem der Kostenträger, 52 Prozent dagegen als Unterstützungssystem für Anwenderinnen und Anwender. Besonders kritisch urteilen jüngere Befragte: 63 Prozent der 18- bis 29-Jährigen nehmen das System als Sparsystem wahr. Auch Frauen und Menschen mit geringerem Einkommen bewerten die Versorgung häufiger kritisch. Die Ergebnisse des REHACARE Reports zeigen: Wenn pauschale Kürzungslogiken auf einen Versorgungsbereich treffen, der stark vom individuellen Bedarf, von Beratung, Anpassung und Service abhängt, drohen Fehlsteuerungen. Einsparungen an der falschen Stelle können dazu führen, dass Kosten nicht verschwinden, sondern sich verlagern - etwa in Pflege, Krankenhausaufenthalte, Arbeitsausfälle oder verlorene gesellschaftliche Teilhabe.
Gute Hilfsmittelversorgung hat damit auch einen volkswirtschaftlichen Nutzen. Sie kann Menschen dabei unterstützen, im Beruf zu bleiben oder wieder in Arbeit zurückzukehren. Sie kann Angehörige entlasten, Pflegebedarfe reduzieren und dazu beitragen, dass Menschen ihren Alltag möglichst eigenständig bewältigen. Voraussetzung dafür sind passende Produkte, qualifizierte Beratung, funktionierende Prozesse und transparente Entscheidungen.
Wenn Teilhabe und Selbstbestimmung das Ziel sind, müssen Fachkräfte gestärkt und Prozesse so gestaltet werden, dass menschliche Kommunikation und nachvollziehbare Entscheidungen im Zentrum stehen. Gerade vor dem Hintergrund zunehmender Versorgungsbedarfe braucht es eine klare politische Priorisierung: mehr Verantwortung für Fachpersonal, mehr interdisziplinäre Zusammenarbeit und ein System, das Vertrauen ermöglicht.
Der REHACARE Report wurde am 23. September zum Auftakt der REHACARE International 2026 vorgestellt und unter der Leitfrage "Unterstützungssystem oder Sparsystem?" mit Stimmen aus Community, Versorgung und Interessenvertretung diskutiert.
Zur Methodik
Der REHACARE Report 2026 basiert auf einer Online-Befragung, die im März 2026 in Deutschland durchgeführt wurde. Befragt wurden 1.527 Menschen ab 18 Jahren, die regelmäßig Hilfsmittel nutzen und in den vergangenen fünf Jahren Erfahrungen mit der Beantragung, Genehmigung, Anpassung oder Reparatur eines Hilfsmittels gemacht haben. Die Stichprobe ist nach Alter und Geschlecht bevölkerungsrepräsentativ verteilt. Die Feldarbeit und Auswertung übernahm die INNOFACT AG.
Weitere Informationen zum REHACARE Report und zur Medien- und Community-Veranstaltung:
www.rehacare.de/de/media-news/news/rehacare-report
Über die REHACARE
Die REHACARE ist die international führende Fachmesse für Rehabilitation, Prävention, Inklusion und Pflege. Unter dem Leitsatz "Selbstbestimmt leben" bringt sie Menschen mit Behinderung und chronischen Erkrankungen, Angehörige, internationale Lösungsanbieter, Start-ups, Sanitäts- und Orthopädiefachhandel, Verbände sowie Akteure aus Politik, Gesundheitswesen und Wissenschaft zusammen. Als internationale Innovations-, Business- und Community-Plattform verbindet die REHACARE Produkte und Technologien mit Wissenstransfer, persönlicher Erfahrung und gesellschaftlicher Debatte.
Mit der 2023 gegründeten REHACARE China, die im Suzhou International Expo Center stattfindet, ist die Marke auch auf dem asiatischen Markt präsent und hat sich dort bereits als wichtige Plattform etabliert. Die nächste REHACARE China findet vom20. bis 22. August 2026 statt. Zum Portfolio gehört nun auch die AccessAbilities Expo in Dubai, die größte Fachveranstaltung für Menschen mit Behinderung im Nahen Osten. Sie präsentiert modernste assistive Technologien und Lösungen, die Inklusion und Barrierefreiheit in einer der dynamischsten Regionen der Welt fördern. Die 8. Ausgabe der AccessAbilities Expo findet vom 19. bis 21. Oktober 2026 im Dubai World Trade Centre statt.
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Monika Kühnhenrich-Jacoby
Tel. +49 (0) 211 / 4560-620
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