
© Foto: Symbolbild mit KI gerneriert
Die Zahlen bei Adidas waren "eigentlich" richtig stark aus. Der Umsatz ist zweistellig gewachsen und die Prognose wurde angehoben. Trotzdem fällt der Aktienkurs auf ein Mehrmonatstief. Was ist der Hintergrund dafür? Adidas ist erfolgreich, aber bekommt dennoch Druck von allen Seiten zu spüren. Zölle und der Verlust des DFB-Vertrags drücken auf die Stimmung. Gleichzeitig kaufen die Chefs eigene Aktien. Das ist etwas, was aufhorchen lässt, denn genau jetzt, wo der Kurs sich in der Bodenfindungsphase befindet und der RSI aus der Überverkauftzone wieder nach oben lugt, wird es spannend. Lohnt sich der Einstieg, oder geht die Talfahrt noch länger?
Wachstum mit Nebenwirkungen
Bei Adidas läuft das operative Geschäft "eigentlich" gut. Im zweiten Quartal kletterte der Umsatz um 13 Prozent auf 6,7 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis blieb mit 574 Millionen Euro trotzdem hinter den Erwartungen. Fracht, Beschaffung und Marketing kosten gerade mehr als geplant. Trotzdem hob der Vorstand die Jahresprognose an. Der Umsatz soll währungsbereinigt um 9 bis 10 Prozent wachsen, das operative Ergebnis bei rund 2,3 Milliarden Euro liegen. Jetzt wird es aber spannend, denn während der Kurs eher schwach notierte, griffen die eigenen Chefs zu. Vorstandschef Björn Gulden kaufte Aktien für über 500.000 Euro, auch die künftige Finanzchefin Birgit Kretschmer kaufte privat. Solche Insiderkäufe gelten oft als Vertrauensbeweis, vor allem wenn diese in einer gewissen Größenordnung sind. Gleichzeitig aber belastet die schon länger bekannte News, dass z. B. der DFB-Vertrag ausläuft. Künftig rüstet ausgerechnet Nike die Nationalelf aus. Beim Blick auf die Bewertung wirkt Adidas aber regelrecht günstig. Das erwartete Kurs-Gewinn-Verhältnis für 2026 liegt bei gut 15 und damit unter dem Branchenschnitt. Nike kommt auf gut 22, On Holding auf knapp 17. Auch die Bilanz macht einen guten Eindruck. Beispielsweise die Verschuldung bleibt moderat. Dazu zahlt Adidas eine Dividende von 2,80 Euro je Aktie, zuletzt sogar mehrfach angehoben. Für Anleger, die auf Substanz setzen, ist das ein echtes Kaufargument.
Charttechnik
Der Chart zeigt, wie sehr die Aktie zuletzt unter Druck geraten ist. Der Kurs notiert klar unter dem 50er und dem 200er SMA. Beide liegen höher. Das spricht für einen intakten Abwärtstrend. Gleichzeitig ist der RSI zuletzt unter die 30er Marke auf nur noch 26 gefallen, tendierte aber schon wieder nach oben und mittlerweile bei 36, was als positives Zeichen gilt. Auf solche Bewegungen folgt häufig zumindest ein kurzfristiger weiterer Anstieg. Bei unter148 Euro und tiefer könnte ein erster Einstiegspunkt liegen, gern gestaffelt gedacht. Gelingt die Stabilisierung, wäre eine erste Gegenbewegung Richtung 160 Euro denkbar. Rutscht der Kurs weiter ab, bietet sich ein Nachkauf in Tranchen bis etwa 130 Euro an, dem bisherigen Jahrestief. Von dort aus dürfte sich, sofern sich die operative Lage stabilisiert, langsam ein nachhaltigerer Turnaround andeuten.

Was tun?
Operativ macht Adidas vieles richtig, der Umsatz wächst, die Prognose wurde angehoben. Gegenüber der Konkurrenz ist die Aktie zudem günstig bewertet. Die Charttechnik liefert mit dem RSI, der aus der überverkauften Zone nach oben wieder rauslugt, ein weiteres Argument für Mutige. Wer schon investiert ist, muss nicht unbedingt verkaufen. Wer neu einsteigen will, findet hier eine interessante Ausgangslage vor. Sinnvoll erscheint ein gestaffelter Einstieg statt der großen Wette auf einmal. Fällt der Kurs wieder zurück, verbessert das später den Durchschnittspreis. Entscheidend könnte der 29. Oktober sein, wenn Adidas die Zahlen zum dritten Quartal vorlegt. Dann zeigt sich, ob die Margenschwäche überwunden ist oder die Vorsicht der Anleger berechtigt war.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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