BERLIN (dpa-AFX) - Im Ringen um mehr Organspenden in Deutschland nimmt eine fraktionsübergreifende Abgeordnetengruppe im Bundestag einen neuen Anlauf zur Einführung einer Widerspruchsregelung. Die SPD-Politikerin Sabine Dittmar wies auf Tausende Menschen auf Wartelisten für Organe hin und betonte: "Die Organspende ist und bleibt freiwillig." Verändert werden solle aber die Ausgangslage. Aktiv werden solle künftig, wer keine Organe spenden wolle.
Die Gruppe brachte einen Gesetzentwurf ins Parlament ein. Demnach sollen alle Erwachsene automatisch als Organspender nach dem Tod gelten - außer, man widerspricht. Bisher ist für Entnahmen eine ausdrückliche Zustimmung nötig.
"Vergesellschaftung des Körpers"
Eine andere Abgeordnetengruppe brachte einen Antrag ein, der sich gegen eine solche große Umstellung wendet. Vorgeschlagen werden aber mehr Aufklärung und Aufforderungen zum Entscheiden. Der Grünen-Politiker Sven Lehmann sagte, es brauche mehr Spender. Aber eine so sensible Frage sollte "eine Entscheidung bleiben, die ein Mensch aktiv bejahen muss." Aus Schweigen dürfe nicht automatisch Zustimmung werden. Die Widerspruchsregelung bedeute "im Kern nichts anderes als eine Vergesellschaftung des Körpers".
Zu den Initiativen folgen nun zunächst Ausschussberatungen. Ein erster Anlauf für eine Widerspruchsregelung war 2020 im Bundestag gescheitert./sam/bro/DP/jha
