DJ MARKT-AUSBLICK/Börsen zwischen Konjunkturzuversicht und Zinssorgen
Von Steffen Gosenheimer
DOW JONES--Die Börsen werden sich auch in der kommenden Woche im Spannungsfeld sich aufhellender Konjunkturaussichten und zunehmender Zins- und Inflationsrisiken bewegen. Zwar gehen gute Konjunkturdaten wie zuletzt eigentlich immer mit tendenziell steigenden Marktzinsen einher, der jüngste Anstieg der Zinsen fiel allerdings extrem stark aus, weil neben guten Konjunkturdaten steigende Ölpreise und falkenhafte Kommentare aus Kreisen der US-Notenbank als Treiber fungierten.
Entsprechend wird inzwischen mit einer Wahrscheinlichkeit von gut 70 Prozent im Oktober die nächste Zinserhöhung der US-Notenbank erwartet. Vor einer Woche lag dieser Wert noch bei rund 55 Prozent. Und die US-Zehnjahresrendite ist auf ihrem 19-Jahreshoch in der Spitze auf 5,20 Prozent gestiegen, das sind 20 Basispunkte mehr als vor Wochenfrist. Im Sog ging es wie üblich weltweit mit den Renditen steil nach oben.
Der Anstieg der Anleiherenditen, die gestiegenen Ölpreise und die weiter schwierige Lage im Iran sorgen für Unsicherheit über die weitere Geldpolitik und könnten die Konjunkturzuversicht überlagern. Als Dämpfer könnte auch wirken, dass das US-chinesische Gipfeltreffen keine greifbaren Ergebnisse brachte im Hinblick auf die Handelsbeziehungen beider Staaten, die auch für die Weltwirtschaft insgesamt Relevanz haben. Immerhin wurde der geltende Zollfrieden bis Januar verlängert.
Konjunkturseitig richten sich die Blicke der Börsianer insbesondere auf neue Inflationsdaten aus Europa, den USA und Japan. Am Mittwoch stehen die vorläufigen Verbraucherpreisdaten aus Deutschland und am Freitag die Inflationszahlen für den gesamten Euroraum auf dem Programm. Wegen des höheren Ölpreises dürfte der Inflationsdruck im September deutlich zugenommen haben.
Auch in den USA wird mit einem Anstieg der am Freitag anstehenden Kernrate des Preisindex der persönlichen Konsumausgaben gerechnet. Mit Spannung werden auch die am selben Tag veröffentlichten Arbeitsmarktdaten erwartet. Sollten diese erneut robust ausfallen, dürfte das einerseits wieder Inflationsspekulationen anheizen, zugleich aber der Notenbank Spielraum eröffnen, die Zinsen zu erhöhen, ohne großen Schaden für die Wirtschaft zu riskieren.
Weitere wichtige Konjunkturtermine sind am Donnerstag der ISM-Index für die US-Industrie sowie Einkaufsmanagerindizes aus Europa.
Daneben bleiben die Entwicklungen im Iran und ihre Folgen für die Ölversorgung ein wesentlicher Risikofaktor. Das belegt die jüngste Volatilität des Ölpreises. So fiel der Brent-Preis innerhalb der vergangenen zehn Tage von rund 110 Dollar auf unter 98 Dollar zurück, nur um dann schnell wieder auf in der Spitze etwa 110 Dollar zu steigen.
Für die Aktienmärkte ergibt sich damit ein von hohen Renditen, Energiepreisrisiken und geldpolitischer Unsicherheit geprägtes Umfeld. Besonders wichtig wird sein, ob die anstehenden Inflations- und Arbeitsmarktdaten die Erwartung längerfristig hoher Leitzinsen bestätigen oder Raum für eine Entspannung schaffen.
In welche Richtung es in der kommenden Woche an den Aktienmärkten geht, darüber wird auch das Dauerthema Künstliche Intelligenz (KI) mit entscheiden. Die Warnungen vor nicht kalkulierbaren Folgen einer zu schnellen KI-Entwicklung mehren sich, begleitet immer wieder auch von Berichten über konkrete "KI-Ausbrüche". Dem übergeordneten KI-Boom als wichtigem Antreiber der Börsen hat das aber nur temporär zugesetzt - zumindest bislang.
Unternehmensseitig dominierten zuletzt Kapitalmarkttage das Geschehen, die Quartalsberichtssaison rückt aber näher. Vorboten könnten sogenannte Pre-Close-Calls werden. In diesen Gesprächen mit Analysten kurz vor der Zahlenveröffentlichung geben Unternehmen häufig einen groben Eindruck zur erwarteten Geschäftsentwicklung. Unter den prominenteren Unternehmen wird BMW am Dienstag und Mittwoch seinen Kapitalmarkttag abhalten. Daneben ist der Kalender mit wichtigen Terminen deutscher bzw. europäischer Unternehmen noch einmal relativ leer.
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September 25, 2026 05:22 ET (09:22 GMT)
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