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Der Luft- und Raumfahrtspezialist Northrop Grumman darf sich über gleich drei Aufträge der US-Streitkräfte freuen. Damit füllt sich das Orderbuch weiter.
Verteidigungswerte: Branchenpapiere weiter auf dem Rückzug
Rüstungsaktien hatten bei Anlegerinnen und Anlegern trotz der anhaltenden geopolitischen Spannungen, dem ungelösten Iran-Krieg und leeren US-Arsenalen einen schweren Stand. Nach einer Rallye zum Jahresauftakt befinden sich die Anteile aus der Branche inzwischen in hartnäckigen Abwärtstrends. Einerseits belasten hohe Anleiherenditen sowie Friedenshoffnungen das Sentiment, andererseits deutet vieles auf einen Machtwechsel in Washington hin.
Bei den Anfang November anstehenden Midterm-Wahlen dürften die Demokraten sowohl die Mehrheit im US-Repräsentantenhaus als auch im Senat zurückerobern. Damit könnten sie die Trump-Regierung zu Mittelkürzungen im zuletzt stark angestiegenen Verteidigungshaushalt zwingen. An bereits vergebenen Aufträgen dürfte das jedoch nichts ändern, womit die Aussichten für die Branche angesichts voller Auftragsbücher stark bleiben.
Northrop Grumman erhält gleich drei neue Aufträge
Am Donnerstag durfte sich der Luft- und Raumfahrtkonzern Northrop Grumman, bekannt vor allem für den Langstreckenbomber B-2 und seinen Nachfolger B-21 sowie für die Aufklärungsdrohne RQ-4 Global Hawk, über gleich drei neue Aufträge der US-Streitkräfte freuen. Der mit 123,8 Millionen US-Dollar größte Auftrag erfolgte über die Lieferung von Radarkomponenten für das Kampfflugzeug F-35, das künftig auch bei der deutschen Luftwaffe zum Einsatz kommen wird. Weitere 97,0 Millionen US-Dollar entfallen auf einen bereits bestehenden, modifizierten Vertrag über Zündsysteme für Freifallbomben des Typs Mk-80 und BLU-100. Auf diesen Vertrag entfallen nach der Anpassung nun insgesamt 462,4 Millionen US-Dollar.
Bei dem dritten Vertrag handelt es sich ebenfalls um eine Anpassung einer bereits bestehenden Lieferverpflichtung. Für weitere 87,4 Millionen US-Dollar und damit insgesamt für 1,92 Milliarden US-Dollar wird Northrop Grumman Systeme zur elektronischen Kampfführung für das Mehrzweckkampflugzeug F16 (General Dynamics) liefern. Netto hat der Konzern am Donnerstag damit Aufträge und Anpassungen im Wert von 123,8 Millionen US-Dollar erhalten.
Auftragsbestand jetzt bei über 105 Milliarden US-Dollar
Damit steigt der ohnehin gewaltige Backlog des Unternehmens weiter an. Zum Ende des zuletzt abgelaufenen Quartals lag der Auftragsbestand bei 104,7 Milliarden US-Dollar. Da die Aufträge vom Donnerstag nicht die einzigen gewesen sind, die Northrop Grumman erhalten hat, dürfte sich das Orderbuch weiter gefüllt haben. In den vergangenen 12 Monaten erwirtschaftete das Unternehmen Erlöse in Höhe von 42,9 Milliarden US-Dollar. Wenn sich der Konzern nicht weiter steigern sollte, hat Northrop Grumman für die nächsten zweieinhalb Jahre ausgesorgt. Das sorgt für eine hohe finanzielle Visibilität.
Da bei der Aktie seit dem Jahreswechsel Verluste von knapp 11 Prozent zu Buche stehen, das Unternehmen aber weiter gewachsen ist, liegt inzwischen eine Bewertung unter der historischen Norm vor. Für 2026 steht ein KGVe von 17,7 zu Buche. Das liegt um knapp 10 Prozent unter dem 5-Jahres-Mittel von 19,7. Bei anderen gewinnbezogenen Kennziffern ist der Abschlag ähnlich hoch. Da sich Northrop Grumman zuletzt vor allem bei den Cashflows gesteigert hat, liegt der Schätzwert für 2026 mit 14,3 sogar um fast 35 Prozent unter dem Durchschnitt von rund 22, während die Dividendenrendite mit 1,86 Prozent um etwa 20 Prozent über dem Vergleichswert der vergangenen 5 Jahre liegt.

Aktie steht technisch auf der Kippe
Während die Unternehmensbewertung zunehmend attraktiv ist und jede Menge Platz zur Oberseite bietet, ist der Chart, wie bei vielen anderen Rüstungsaktien auch, angeschlagen. Nach einem Death Cross und damit einem Verkaufssignal notiert Northrop Grumman unter den gleitenden Durchschnitten. Auch horizontale Supports wie die Bereiche um 600 und 550 US-Dollar mussten aufgegeben werden.
Daher hängt die Fortsetzung des übergeordneten Aufwärtstrends gegenwärtig an der im Mai letzten Jahres gestarteten Aufwärtstrendlinie. Wird diese unterschritten, dürfte es nach einem Zwischenaufenthalt bei 500 US-Dollar in Richtung der Tiefs bei 450 US-Dollar gehen. Kann die Linie dagegen verteidigt werden, wartet ein Anstieg in Richtung 550 US-Dollar, wo mit dem Sprung über die 50-Tage-Linie ein erstes prozyklisches Kaufsignal aktiviert werden könnte.
Mit Blick auf die technischen Indikatoren sind die Bären aktuell im Vorteil. Der Relative-Stärke-Index (RSI) konnte sich zwar von überverkauften Niveaus erholen und einen Boden bilden, er zeigt aber weiterhin Schwäche an. Das gilt auch für den Trendstärkeindikator MACD, der zwar bullishe Divergenzen und damit Indizien für eine mögliche Trendwende liefert, aktuell aber noch einen intakten Abwärtstrend der Aktie anzeigt.
Fazit: Einsteigen? Noch nicht, aber bald!
Der US-Rüstungskonzern Northrop Grumman darf sich über drei neue Aufträge und einen weiter wachsenden Backlog freuen. Gleichzeitig ist die Unternehmensbewertung nach inzwischen seit Monaten anhaltenden Kursverlusten attraktiv. Bis sich die Käuferinnen und Käufer hier wieder durchsetzen können, dürfte es aber noch etwas dauern, da die Aktie technisch in einer schwierigen Ausgangslage steckt, in der eine Erholung zwar möglich, aber noch nicht zwingend ist und außerdem die Gefahr neuer Verluste besteht.
Anlegerinnen und Anleger können sich hier aber langsam für einen Einstieg auf die Lauer legen. Attraktiver als deutsche Verteidigungswerte, wie Hensoldt, Renk und Rheinmetall, ist das Papier angesichts der moderaten Bewertung allemal. Die niedrigen US-Munitionsbestände nach dem Iran-Krieg immunisieren die Branche außerdem weitestgehend gegen Mittelkürzungen, sollten die US-Demokraten am 03. November tatsächlich ihre Mehrheiten zurückerobern.
Gastautor: Max Gross
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