DJ KONJUNKTUR IM BLICK/Inflationsdaten aus aller Herren Länder
Von Hans Bentzien
DOW JONES--Die internationalen Finanzmärkte sind in jüngster Zeit von den "hawkishen" Botschaften großer Zentralbanken überrascht worden. Sowohl Europäische Zentralbank (EZB) als auch Federal Reserve hoben ihre Zinsen an und veröffentlichten Inflationsprognosen, die Schockwellen ins System schickten. Seither haben sich die Dinge nicht zum Besseren gewendet: Der Konflikt im Nahen Osten hat eher verschärft, der Ölpreis ist gestiegen, und die Staatsanleiherenditen erreichen immer neue Höchstwerte. In der kommenden Woche dürften Inflationsdaten aus Europa, den USA und Japan mit der Kommunikation der Zentralbanker abgeglichen werden, und auch die Zentralbanker selbst haben Gelegenheit, sich zu äußern. Den Anfang macht am Montag (16.00 Uhr) EZB-Präsidentin Christine Lagarde.
Lagarde-Anhörung im Europa-Parlament
Lagarde spricht vor den Abgeordneten des Wirtschafts- und Währungsausschusses des Europaparlaments. Diese Anhörungen beginnen mit einem vorformulierten Statement der Präsidentin, in dem im Regelfall die Schlüsselaussagen des jüngsten geldpolitischen Statements wiederholt werden. Danach stellt Lagarde sich den Fragen der Abgeordneten, die allerdings nur selten so inquisitorisch wie jene sind, die Journalisten nach der EZB-Ratssitzung zu stellen pflegen. ESTR-Futures preisen derzeit eine Zinsanhebung im Dezember voll ein, eine im Oktober aber nur zu weniger als 50 Prozent. Bis Juni 2027 sind dann noch zwei weitere Zinsschritte eingepreist. Lagarde hatte zuletzt versucht, diese Erwartungen mit Kommentaren nicht noch zu verstärken.
Reden werden in der Woche außerdem unter anderem Philip Lane (Dienstag, 20.00 Uhr) und Isabel Schnabel (Mittwoch, 17.45 Uhr). Neue Inflationsdaten kommen allerdings erst am Freitag (11.00 Uhr).
Euroraum-Inflationsdruck nimmt im September kräftig zu
Der Inflationsdruck im Euroraum dürfte im September wegen des gestiegenen Ölpreises deutlich zugenommen haben. Von Dow Jones Newswires befragte Volkswirte erwarten, dass die Verbraucherpreise gegenüber dem Vormonat um 0,5 Prozent gestiegen sind und um 3,6 (August: 3,2) Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats lagen. Für die Kernverbraucherpreise werden Raten von 0,4 und 2,5 (2,4) Prozent prognostiziert. Beeinflusst werden die Erwartungen für den Euroraum aber noch durch die Veröffentlichungen in Spanien (Dienstag, 9.00 Uhr), Frankreich (Mittwoch, 8.45 Uhr) und Deutschland (Mittwoch, 14.00 Uhr).
Deutsche HVPI-Teuerung steigt im September
Für Deutschland prognostizieren die von Dow Jones Newswires befragte Volkswirte, dass der Harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI) gegenüber dem Vormonat um 0,6 Prozent gestiegen ist und um 3,3 (August: 2,9) Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats lag. Für den nationalen Verbraucherpreisindex werden Raten von 0,6 und 3,2 (2,9) Prozent erwartet. Verbraucherpreisdaten aus sechs Bundesländern kommen bereits um 10.00 Uhr. Auch Preisdaten aus den USA kommen am gleichen Tag (14.30 Uhr).
US-PCE-Teuerung nimmt im August etwas zu
Auch in den USA hat der Inflationsdruck wahrscheinlich zugenommen, jedenfalls gemessen an der aus Sicht der Notenbank relevantesten Messgröße - etwas zugenommen haben. Analysten rechnen laut Factset-Konsens damit, dass der Preisindex der persönlichen Konsumausgaben ohne Energie und Nahrungsmittel (Kern-PCE-Deflator) im August gegenüber dem Vormonat um 0,3 Prozent gestiegen ist und um 3,4 (Juli: 3,3) Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats lag. Für den gesamten PCE-Deflator werden Raten von 0,4 und 3,8 (3,7) Prozent prognostiziert.
Weitere wichtige Veröffentlichungen betreffen die Verbraucherpreise im Großraum Tokio (Freitag, 1.30 Uhr), den ISM-Index für die Industrie (Donnerstag, 16.00 Uhr) und natürlich den US-Arbeitsmarkt (Freitag, 14.30 Uhr).
Stabiler US-Arbeitsmarkt trotz geopolitischer Turbulenzen
Nach einer Schwächephase im Sommer deuten jüngste Indikatoren darauf hin, dass der US-Arbeitsmarkt wieder an Stabilität gewinnt. Gleichzeitig bremsen der schwelende Nahost-Konflikt, neue Importzölle sowie strukturelle Personalengpässe die Neueinstellungen. Das Ergebnis ist eine Pattsituation: Firmen halten an ihren Belegschaften fest, zögern jedoch bei Neuverpflichtungen. Für September rechnen Ökonomen mit einem Zuwachs von 60.000 (Vormonat: 162.000 Stellen. Die Arbeitslosenquote dürfte unverändert bei 4,1 Prozent verharren.
Auch bei den Stundenlöhnen, die als Gradmesser für den Inflationsdruck gelten, wird mit stabilen Zuwächsen von 0,3 Prozent gegenüber dem Vormonat und 3,1 Prozent im Jahresvergleich gerechnet. Für die US-Notenbank verschärft sich damit das Dilemma: Zwar zeigt sich die Beschäftigung robust, doch der neue Anstieg der Energiepreise infolge des Iran-Krieges schürt die Inflationsängste. Dies stärkt die Position der Währungshüter, den Leitzins auf einem erhöhten Niveau zu belassen oder im Kampf gegen die Teuerung noch vor Jahresende an der Zinsschraube zu drehen.
Am Dienstag (6.30 Uhr) gibt die Reserve Bank of Australia ihre Zinsentscheidung bekannt.
(Mitarbeit: Andreas Plecko)
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September 25, 2026 09:34 ET (13:34 GMT)
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