FRANKFURT (dpa-AFX) - Wohl und Wehe des Dax dürften auch in der neuen Woche maßgeblich von den Ölpreisen und Anleiherenditen abhängen. Zuletzt konnte sich der deutsche Leitindex dank Entspannungssignalen im Nahost-Krieg und zumindest nicht mehr weiter steigenden Ölnotierungen etwas erholen. Und auch bei den kräftig gestiegenen Renditen für US-Staatsanleihen hat sich die Lage ein wenig beruhigt.
Börsenbeobachter bleiben indes vorsichtig. "Dass Friedenshoffnungen aus dem Nahen Osten trotz zahlreicher Enttäuschungen weiterhin Reflexe auslösen, sollte nicht über schwelende Risiken hinwegtäuschen", warnt etwa Timo Emden, Chef-Marktanalyst beim Onlinebroker CapTrader. "Anleger dies- und jenseits des Atlantiks wollen Taten statt Worte und damit belastbare Fakten."
Der Iran hat laut Medienberichten einen neuen Vorschlag zur Wiederaufnahme der Verhandlungen über ein mögliches Ende des Krieges präsentiert. Über Vermittler sei der US-Regierung ein Plan vorgelegt worden, wonach die Straße von Hormus binnen sieben Tagen wieder geöffnet werden könne, wenn bestimmte Bedingungen erfüllt seien, sagte der iranische Außenminister Abbas Araghtschi laut der "New York Times" und der "Financial Times" am Rande der UN-Woche in New York.
Auf Nachfrage zu dem angeblichen Verhandlungsangebot der Iraner hieß es aus dem Weißen Haus: "Wir führen über die Vermittler positive und konstruktive Gespräche." Beide Konfliktparteien hätten "grundsätzlich ein Interesse an einer Entspannung", betonten die Experten des Börsenanalyse- und Finanzportals Index Radar. Für US-Präsident Donald Trump steige mit Blick auf die Anfang November anstehenden Parlaments-Zwischenwahlen der Druck, falls die Energiepreise dauerhaft hoch blieben.
Der Iran wiederum könne diese Ausgangslage für eigene, recht ambitionierte Forderungen nutzen, die aber von den USA wohl kaum erfüllt werden. Entsprechend bleibe offen, ob und wann es zu einer Einigung kommt oder der Konflikt sich möglicherweise erneut verschärft.
Am Tropf der Ölpreise hängt die Inflationsentwicklung, die wiederum einen maßgeblichen Einfluss auf die Geldpolitik der US-Notenbank Fed hat. Nachdem die Währungshüter Mitte September erstmals seit über drei Jahren den Leitzins wieder angehoben hatten, um der hohen Teuerung Herr zu werden, erwartet an den Finanzmärkten eine Mehrheit Ende Oktober eine weitere Erhöhung. Neben der Inflation spielt aber auch die Beschäftigungslage eine wichtige Rolle für den geldpolitischen Fed-Kompass.
Da der Konsum trotz erster Erholungssignale bei den Frühindikatoren schwach bleibe, "schwebt zunehmend das Risiko einer Stagflation über den Märkten", befürchtet Andreas Lipkow, Chef-Marktanalyst beim Handelshaus CMC Markets. "Für Aktien ist die Mischung aus hartnäckiger Inflation und schwachem Wachstum besonders unangenehm, weil sie den Notenbanken kaum Spielraum für eine unterstützende Geldpolitik lässt."
Den zuletzt konsolidierenden Aktienmärkten könnte zwar die bald beginnende Berichtssaison neuen Schwung geben. Aber "dann müssen die Unternehmen zeigen, wie gut sie mit hohen Finanzierungskosten, Energiepreisen und einem zurückhaltenden Konsum tatsächlich zurechtkommen", mahnte der Experte.
Viele Unternehmensnachrichten dürfte die neue Woche allerdings noch nicht bieten. Am Dienstag will die Baumarkt-Holding Hornbach ihren vollständigen Bericht für das vergangene Quartal vorlegen - Eckdaten hatte sie bereits vor zweieinhalb Wochen veröffentlicht. Ebenfalls am Dienstag steht beim Autobauer BMW der Beginn einer zweitägigen Kapitalmarktveranstaltung an.
Zur Wochenmitte und am Donnerstag legen aus den USA der Halbleiterkonzern Micron beziehungsweise der Sportwarenriese Nike ihre Quartalszahlen vor - allerdings erst abends nach dem Börsenschluss in New York. Und am Freitag endet eine Frist für die genaue Prüfung der Übernahme von MediaMarktSaturn-Mutter Ceconomy durch den chinesischen Online-Handelsriesen JD.com .
Seitens der Konjunktur sollten wegen ihrer Bedeutung für die Geldpolitik vor allem der US-Arbeitsmarktbericht und die Verbraucherpreise aus der Europäischen Union - jeweils am Freitag - bei den Anlegern Aufmerksamkeit finden. Am Mittwoch und Donnerstag steht zudem eine Flut von Einkaufsmanagerdaten aus Asien, den USA und Europa im Fokus, die als wichtige wirtschaftliche Stimmungsindikatoren gelten./gl/la/zb
--- Von Gerold Löhle, dpa-AFX ---
