
© Foto: Symbolbild mit KI erstellt
Es ist ruhig geworden um Rheinmetall, fast schon zu ruhig. Der Kurs tendiert seit einigen Tagen rund um die 1.000-Euro-Marke. Doch dieser "Stillstand" könnte gewaltig trügen. Charttechniker sehen dies längst als die Ruhe vor dem Sturm an. Unten lauert eine gefährliche Zielzone und oben türmen sich mittlerweile massive Widerstände auf. Dazwischen ist fundamental ein Konzern, der operativ boomt, aber an der Börse im Chartbild gnadenlos abgestraft wird. Reicht der Rekord-Auftragsbestand für Rheinmetall, um die Wende zum Guten noch zu schaffen, oder ist der nächste Rutsch schon vorprogrammiert? Wir schauen auf die Charttechnik, die Zahlen und die News und nehmen sie genauer unter die Lupe.
Der zähe Kampf um die runde Marke
Rheinmetall hängt gefühlt irgendwie fest. Seit Tagen pendelt die Aktie um die 1.000-Euro-Schwelle, ohne wirklich nachhaltig eine echte Richtung. Es ist irgendwie kaum noch Bewegung zu spüren, die Luft scheint irgendwie raus zu sein. Das kann natürlich alles trügen, aber gefühlt liegt auch der Absturz vom Rekordhoch bei über 2.000 Euro noch nicht so lange zurück. Erfahrene Börsianer kennen solche Phasen, denn oft ist es genau die Ruhe vor einem kräftigen Ausbruch. Nur in welche Richtung, das weiß aktuell niemand so genau. Das könnte man dann nur erahnen oder mit ein wenig Logik und verknüpft mit der Realität, versuchen zu ergründen.

Charttechnik
Nach unten hin gibt es eine Zone zwischen 960 und 990 Euro, die entscheidend wird. Rutscht der Kurs nachhaltig darunter, könnte es schnell weiter runter gehen, bis auf 920 bis 940 Euro oder sogar in Richtung Jahrestief bei rund 900 Euro. Nach oben sieht es kaum besser aus. Erst über 1.050 und 1.075 Euro käme frischer Schwung rein. Wenn tatsächlich der Rutsch unter das Jahrestief kommt, könnte es weiter in Richtung 750 Euro tendieren. Etwas darüber liegt zudem eine offene Kurslücke, die geschlossen werden könnte. Nach oben hin warten dagegen weitere Hürden bei 1.210 bis 1.250 Euro sowie der fallende 200er SMA bei aktuell 1.367 Euro. Die Indikatoren sind gespalten, denn während die beiden SMAs 200er und 50er die Richtung eindeutig zur Zeit nach unten vorgeben, liegt der RSI schwach bei 34 Punkten. Das bedeutet aber auch, dass er bei Werten um oder unter 30 den Kurs stützen könnet für einen Rebound. Das ganze Chartbild sieht irgendwie danach aus, als ob größere Adressen rausgehen und das Kapital vom Tisch bei Rheinmetall nehmen. Generell ist dies auch im gesamten Rüstungsbereich zuletzt gehäuft zu sehen gewesen.
Was tun?
Operativ läuft es bei Rheinmetall eigentlich alles andere als schlecht. Im zweiten Quartal kletterte der Umsatz auf 3,29 Milliarden Euro, deutlich mehr als im Vorjahr mit 2,43 Milliarden Euro. Der Auftragsbestand liegt bei 80 Milliarden Euro, die Book-to-Bill-Ratio übersprang zuletzt sogar die Marke von 3. Das milliardenschwere Arminius-Programm für den Radpanzer Boxer könnte allein bis Ende 2026 rund 12,4 Milliarden Euro einbringen, mit allen Optionen sogar bis zu 77 Milliarden Euro. Das Analysehaus mwb research bleibt trotzdem vorsichtig und stuft die Aktie nur mit "Halten" ein, Kursziel 1.050 Euro. Andere Häuser wie Bernstein sind da deutlich optimistischer und sehen bis zu 1.900 Euro. Aktuell aber kaum vorstellbar beim Blick auf den Chart. Diese Spanne zeigt aber generell die Unsicherheit. Kurzfristig überwiegt an der Börse die Nervosität, auch mit Blick auf den Kapitalmarkttag im November. Die Aktie bleibt nur für die wohl interessant, die auf lange Sicht an die Rüstungsstory glauben, kurzfristig aber mit weiterer Schwankung auch klarkommen werden müssen. Wer neu einsteigen will, könnte schon jetzt "Abstauberlimits" unter 800 Euro in Erwägung ziehen.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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