Bonn (ots) -
Der Verband der Beamten und Beschäftigten der Bundeswehr e.V. (VBB) hat sein 70-jähriges Bestehen gefeiert. In ihrer Ansprache würdigte die Bundesvorsitzende, Imke v. Bornstaedt-Küpper, die Menschen, die den Verband seit seiner Gründung aufgebaut, geprägt und über sieben Jahrzehnte getragen haben. Zugleich verband sie den Rückblick mit einem klaren Auftrag für die Zukunft: Die Einsatzbereitschaft der Bundeswehr könne nur nachhaltig gestärkt werden, wenn militärische und zivile Kompetenzen konsequent, wirtschaftlich und aufgabengerecht eingesetzt würden.
Von Beginn an habe festgestanden, dass eine demokratische und leistungsfähige Bundeswehr eine eigenständige zivile Verwaltung benötigt. Dieser Grundgedanke sei heute aktueller denn je. Die Bundesvorsitzende betonte, dass die Arbeit der Wehrverwaltung in der öffentlichen Wahrnehmung häufig hinter den sichtbaren militärischen Fähigkeiten zurücktrete. Panzer, Flugzeuge, Schiffe sowie Soldatinnen und Soldaten seien präsent. Weniger sichtbar seien dagegen die mehr als 80.000 zivilen Kolleginnen und Kollegen, die Beschaffung und Organisation sicherstellten, Bauvorhaben planten, Personal gewännen und ausbildeten, berieten, finanzierten und rechtssichere Verfahren gewährleisteten.
Der Aufgabenzuwachs und der Zeitdruck seien erheblich. Verpflichtende Musterungen und neue Musterungszentren müssten organisiert, Strukturen für Heranziehungen zur Reserve aufgebaut sowie Kasernen und Unterkünfte geplant und errichtet werden. Allein Ende August habe die Bundeswehrverwaltung ein Vertragsvolumen von 4,8 Milliarden Euro für Baumaßnahmen beauftragt.
Diese Aufgaben verlangten Rechtskenntnisse, Erfahrung, Organisationstalent, wirtschaftliches Denken, Prozessverständnis und die Fähigkeit, komplexe Entscheidungen rechtssicher umzusetzen. Genau diese Kompetenzen brächten die Beamtinnen, Beamten und Tarifbeschäftigten der Wehrverwaltung mit.
Jahrzehntelang wurde die Bundeswehr massiv verkleinert. Dies führte dazu, dass die Fähigkeit unserer Streitkräfte zur Landes- und Bündnisverteidigung auf ein gefährliches, kritisch niedriges Niveau reduziert wurde. Die Fähigkeiten zur Landes- und Bündnisverteidigung müssten zügig wieder gestärkt werden. In der Debatte dürfe es deshalb nicht nur um zusätzliches Personal, Musterungen und Reserve gehen. Ebenso wichtig sei die Frage, wie Soldatinnen und Soldaten aus Stäben und Ämtern wieder verstärkt in militärischen Kernaufgaben eingesetzt werden könnten.
Soldatinnen und Soldaten würden mit erheblichem Aufwand für Führung, Ausbildung, Einsatz sowie Landes- und Bündnisverteidigung qualifiziert. Wenn sie dauerhaft klassische Verwaltungsaufgaben übernähmen, fehle ihre militärische Kompetenz dort, wo sie angesichts der Sicherheitslage am dringendsten benötigt werde. Gleichzeitig drohe eine Verdrängung qualifizierter ziviler Beschäftigter aus Aufgaben, für die diese aufgrund ihrer Ausbildung und Erfahrung besonders geeignet seien.
Der VBB sieht in einer konsequenten, kompetenzgerechten Aufgabenverteilung nicht nur eine organisatorische, sondern auch eine wirtschaftliche Notwendigkeit. Militärische und zivile Beschäftigte unterliegen unterschiedlichen Ausbildungsgängen, Laufbahnen und Versorgungssystemen. Wo keine spezifische militärische Expertise erforderlich sei, sollten Verwaltungsaufgaben daher grundsätzlich von dafür ausgebildetem zivilem Personal wahrgenommen werden.
Die Bundesvorsitzende verwies in diesem Zusammenhang auf Feststellungen des Bundesrechnungshofes, wonach militärische Dienstposten dort konsequent durch zivile ersetzt werden sollten, wo keine besondere militärische Expertise notwendig ist. "Das ist keine Neiddebatte. Es ist eine Frage der Einsatzbereitschaft, der Wirtschaftlichkeit und des verantwortungsvollen Umgangs mit Steuergeldern", stellte sie klar.
Kritisch äußerte sie sich zudem zum Stand der Arbeiten an der künftigen militärischen Personalstruktur. Ein vom Bundesminister der Verteidigung angekündigter Aufwuchsplan für die aktive Truppe liege nach Kenntnis des Verbandes bislang nicht vor. Die eingerichtete Arbeitsgruppe "Personalstruktur 2027+" könne ein sinnvolles Instrument sein; durch weitere Analysen und Abstimmungen dürfe aber keine wertvolle Zeit verloren gehen. Der VBB fordert klare Ziele, verbindliche Zeitpläne und eine Personalstruktur, die sich konsequent am tatsächlichen Auftrag der Bundeswehr orientiert.
Das 70-jährige Jubiläum ist für den VBB deshalb nicht nur Anlass zum Rückblick, sondern auch Ausgangspunkt für die weitere Arbeit. Der Verband wird die Zukunft der Bundeswehr nicht lediglich kommentieren, sondern aktiv mitgestalten. Der VBB tritt ein für eine stärkere Konzentration von Soldatinnen und Soldaten auf militärische Aufgaben, für das Vertrauen in die Kompetenz der zivilen Wehrverwaltung und moderne, schnellere und handlungsfähigere Strukturen innerhalb der Bundeswehr.
"Eine starke Bundeswehr braucht eine starke Wehrverwaltung. Für diese Überzeugung stehen wir seit siebzig Jahren - und für sie werden wir auch in Zukunft mit Klarheit, Kompetenz und Leidenschaft eintreten", erklärte die Bundesvorsitzende abschließend.
Die zentralen Forderungen des VBB:
- Soldatinnen und Soldaten konsequent dort einsetzen, wo militärische Kompetenz erforderlich ist.
- Verwaltungsaufgaben vorrangig qualifizierten Beamtinnen, Beamten und Tarifbeschäftigten übertragen.
- Die zivile Wehrverwaltung personell und strukturell für ihre wachsenden Aufgaben stärken.
- Berufliche Qualifikationen, praktische Erfahrung und transparente Laufbahnzugänge weiter fördern.
- Für die künftige Personalstruktur der Bundeswehr verbindliche Ziele und Zeitpläne festlegen.
- Die Friedensorganisation möglichst eng an den Anforderungen der Landes- und Bündnisverteidigung ausrichten.
Pressekontakt:
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Verband der Beamten und Beschäftigten der Bundeswehr e.V. (VBB)
Baumschulallee 18 a
53115 Bonn
Telefon: 0228/38 92 70
E-Mail: mail@vbb-bund.de
Internet: www.vbb-bund.de
Original-Content von: VBB Verband der Beamten und Beschäftigten der Bundeswehr e.V., übermittelt durch news aktuell
Originalmeldung: https://www.presseportal.de/pm/42295/6360083
Der Verband der Beamten und Beschäftigten der Bundeswehr e.V. (VBB) hat sein 70-jähriges Bestehen gefeiert. In ihrer Ansprache würdigte die Bundesvorsitzende, Imke v. Bornstaedt-Küpper, die Menschen, die den Verband seit seiner Gründung aufgebaut, geprägt und über sieben Jahrzehnte getragen haben. Zugleich verband sie den Rückblick mit einem klaren Auftrag für die Zukunft: Die Einsatzbereitschaft der Bundeswehr könne nur nachhaltig gestärkt werden, wenn militärische und zivile Kompetenzen konsequent, wirtschaftlich und aufgabengerecht eingesetzt würden.
Von Beginn an habe festgestanden, dass eine demokratische und leistungsfähige Bundeswehr eine eigenständige zivile Verwaltung benötigt. Dieser Grundgedanke sei heute aktueller denn je. Die Bundesvorsitzende betonte, dass die Arbeit der Wehrverwaltung in der öffentlichen Wahrnehmung häufig hinter den sichtbaren militärischen Fähigkeiten zurücktrete. Panzer, Flugzeuge, Schiffe sowie Soldatinnen und Soldaten seien präsent. Weniger sichtbar seien dagegen die mehr als 80.000 zivilen Kolleginnen und Kollegen, die Beschaffung und Organisation sicherstellten, Bauvorhaben planten, Personal gewännen und ausbildeten, berieten, finanzierten und rechtssichere Verfahren gewährleisteten.
Der Aufgabenzuwachs und der Zeitdruck seien erheblich. Verpflichtende Musterungen und neue Musterungszentren müssten organisiert, Strukturen für Heranziehungen zur Reserve aufgebaut sowie Kasernen und Unterkünfte geplant und errichtet werden. Allein Ende August habe die Bundeswehrverwaltung ein Vertragsvolumen von 4,8 Milliarden Euro für Baumaßnahmen beauftragt.
Diese Aufgaben verlangten Rechtskenntnisse, Erfahrung, Organisationstalent, wirtschaftliches Denken, Prozessverständnis und die Fähigkeit, komplexe Entscheidungen rechtssicher umzusetzen. Genau diese Kompetenzen brächten die Beamtinnen, Beamten und Tarifbeschäftigten der Wehrverwaltung mit.
Jahrzehntelang wurde die Bundeswehr massiv verkleinert. Dies führte dazu, dass die Fähigkeit unserer Streitkräfte zur Landes- und Bündnisverteidigung auf ein gefährliches, kritisch niedriges Niveau reduziert wurde. Die Fähigkeiten zur Landes- und Bündnisverteidigung müssten zügig wieder gestärkt werden. In der Debatte dürfe es deshalb nicht nur um zusätzliches Personal, Musterungen und Reserve gehen. Ebenso wichtig sei die Frage, wie Soldatinnen und Soldaten aus Stäben und Ämtern wieder verstärkt in militärischen Kernaufgaben eingesetzt werden könnten.
Soldatinnen und Soldaten würden mit erheblichem Aufwand für Führung, Ausbildung, Einsatz sowie Landes- und Bündnisverteidigung qualifiziert. Wenn sie dauerhaft klassische Verwaltungsaufgaben übernähmen, fehle ihre militärische Kompetenz dort, wo sie angesichts der Sicherheitslage am dringendsten benötigt werde. Gleichzeitig drohe eine Verdrängung qualifizierter ziviler Beschäftigter aus Aufgaben, für die diese aufgrund ihrer Ausbildung und Erfahrung besonders geeignet seien.
Der VBB sieht in einer konsequenten, kompetenzgerechten Aufgabenverteilung nicht nur eine organisatorische, sondern auch eine wirtschaftliche Notwendigkeit. Militärische und zivile Beschäftigte unterliegen unterschiedlichen Ausbildungsgängen, Laufbahnen und Versorgungssystemen. Wo keine spezifische militärische Expertise erforderlich sei, sollten Verwaltungsaufgaben daher grundsätzlich von dafür ausgebildetem zivilem Personal wahrgenommen werden.
Die Bundesvorsitzende verwies in diesem Zusammenhang auf Feststellungen des Bundesrechnungshofes, wonach militärische Dienstposten dort konsequent durch zivile ersetzt werden sollten, wo keine besondere militärische Expertise notwendig ist. "Das ist keine Neiddebatte. Es ist eine Frage der Einsatzbereitschaft, der Wirtschaftlichkeit und des verantwortungsvollen Umgangs mit Steuergeldern", stellte sie klar.
Kritisch äußerte sie sich zudem zum Stand der Arbeiten an der künftigen militärischen Personalstruktur. Ein vom Bundesminister der Verteidigung angekündigter Aufwuchsplan für die aktive Truppe liege nach Kenntnis des Verbandes bislang nicht vor. Die eingerichtete Arbeitsgruppe "Personalstruktur 2027+" könne ein sinnvolles Instrument sein; durch weitere Analysen und Abstimmungen dürfe aber keine wertvolle Zeit verloren gehen. Der VBB fordert klare Ziele, verbindliche Zeitpläne und eine Personalstruktur, die sich konsequent am tatsächlichen Auftrag der Bundeswehr orientiert.
Das 70-jährige Jubiläum ist für den VBB deshalb nicht nur Anlass zum Rückblick, sondern auch Ausgangspunkt für die weitere Arbeit. Der Verband wird die Zukunft der Bundeswehr nicht lediglich kommentieren, sondern aktiv mitgestalten. Der VBB tritt ein für eine stärkere Konzentration von Soldatinnen und Soldaten auf militärische Aufgaben, für das Vertrauen in die Kompetenz der zivilen Wehrverwaltung und moderne, schnellere und handlungsfähigere Strukturen innerhalb der Bundeswehr.
"Eine starke Bundeswehr braucht eine starke Wehrverwaltung. Für diese Überzeugung stehen wir seit siebzig Jahren - und für sie werden wir auch in Zukunft mit Klarheit, Kompetenz und Leidenschaft eintreten", erklärte die Bundesvorsitzende abschließend.
Die zentralen Forderungen des VBB:
- Soldatinnen und Soldaten konsequent dort einsetzen, wo militärische Kompetenz erforderlich ist.
- Verwaltungsaufgaben vorrangig qualifizierten Beamtinnen, Beamten und Tarifbeschäftigten übertragen.
- Die zivile Wehrverwaltung personell und strukturell für ihre wachsenden Aufgaben stärken.
- Berufliche Qualifikationen, praktische Erfahrung und transparente Laufbahnzugänge weiter fördern.
- Für die künftige Personalstruktur der Bundeswehr verbindliche Ziele und Zeitpläne festlegen.
- Die Friedensorganisation möglichst eng an den Anforderungen der Landes- und Bündnisverteidigung ausrichten.
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