Warum viele Selbstständige bei der Geschäftskreditkarte bares Geld liegen lassen - und wie sich das ändern lässt
reisetopia-Gründer Moritz Lindner im Gespräch über ungenutzte Vorteile der Geschäftskreditkarte für Selbstständige und Gründer
MORITZ LINDNER, GRÜNDER & GESCHÄFTSFÜHRER VON REISETOPIA |
Die Rechnung fürs Kundenessen, der Flug zur Messe, das neue Software-Abo fürs Team: Im Alltag von Selbstständigen und Gründern laufen unzählige geschäftliche Ausgaben über eine Kreditkarte - meistens, ohne dass jemals genauer hingeschaut wurde, ob es überhaupt die richtige ist. Moritz Lindner, Gründer und Geschäftsführer der Reise- und Finanzplattform reisetopia, beobachtet das immer wieder: Wer sich selbstständig macht, kümmert sich zuerst um Produkt, Kunden und Buchhaltung - die Geschäftskreditkarte bleibt dabei oft einfach die Karte, die beim Start am wenigsten Aufmerksamkeit bekommen hat. Im Interview erklärt er, welche Vorteile dabei regelmäßig auf der Strecke bleiben, worauf Selbstständige bei der Wahl der richtigen Karte wirklich achten sollten, und warum sich der Wechsel oft schon nach wenigen Monaten auszahlt.
Moritz, der Titel spricht von einer teuren Standardentscheidung. Was ist damit gemeint?
Moritz: Damit meine ich die Kreditkarte, die beim Start in die Selbstständigkeit einfach mitläuft, ohne dass sie aktiv ausgewählt wurde - meistens die private Karte oder die Standardkarte der Hausbank, bei der das Geschäftskonto eröffnet wurde. Die läuft dann oft jahrelang einfach mit, obwohl sich das Ausgabenverhalten mit der Selbstständigkeit komplett verändert hat. Genau in dieser Lücke zwischen "irgendeine Karte haben" und "die richtige Karte für das eigene Geschäft haben" bleibt regelmäßig Geld liegen, das eigentlich für wenig Aufwand zurückzuholen wäre.
Warum fällt das im Gründeralltag so wenig auf?
Moritz: Weil am Anfang schlicht andere Dinge wichtiger erscheinen. Wer gerade ein Unternehmen aufbaut, beschäftigt sich mit dem Produkt, den ersten Kunden und der Steuererklärung - die Frage, welche Kreditkarte eigentlich zum eigenen Ausgabenprofil passt, wird da gerne aufgeschoben oder nie wieder angefasst. Das ist total nachvollziehbar, aber genau diese Karte begleitet dann oft jahrelang jede einzelne Geschäftsreise, jedes Kundenessen und jede Softwarerechnung, ohne dass ihr Nutzen je hinterfragt wird.
Viele nutzen für geschäftliche Ausgaben einfach weiter ihre private Karte - wo genau liegt da das Problem?
Moritz: Das ist tatsächlich der klassische Fall, und da stapeln sich gleich mehrere Nachteile übereinander. Buchhalterisch wird es unnötig aufwendig, weil private und geschäftliche Buchungen mühsam getrennt werden müssen, was jeden Monat Zeit kostet, die man auch anders verbringen könnte. Viele private Karten sind zudem gar nicht auf höhere geschäftliche Umsätze ausgelegt, sodass das Limit ausgerechnet dann eng wird, wenn eine größere Anschaffung oder Messereise ansteht. Und Zusatzleistungen wie Reiseversicherung oder Kaufschutz, die eigentlich enthalten wären, sind bei rein privat gedachten Karten oft nicht auf die geschäftliche Nutzung ausgelegt.
Wie findet ein Selbstständiger heraus, ob die eigene Karte überhaupt noch zum eigenen Geschäft passt?
Moritz: Am einfachsten mit einem Blick auf die letzten drei bis vier Monatsabrechnungen und der Frage, wofür das Geld wirklich ausgegeben wurde. Bei den meisten Selbstständigen kristallisieren sich schnell ein paar große Kategorien heraus, etwa Reisen zu Kunden oder Messen, laufende Software-Abos oder eben Geschäftsessen. Und dann lohnt sich der Vergleich: Bringt die aktuelle Karte für genau diese Kategorien etwas zurück, sei es in Cashback, Meilen oder enthaltenen Versicherungen, oder liegt da einfach eine 08/15-Karte, die für keine dieser Ausgaben besonders gut geeignet ist?
Was sind die häufigsten Fehler, die du bei Gründern und Selbstständigen in diesem Zusammenhang beobachtest?
Moritz: Der häufigste Fehler ist, bei der kostenlosen Karte zu bleiben, ohne zu prüfen, was man dafür eigentlich aufgibt - oft sind das enthaltene Versicherungen oder eine deutlich bessere Rückvergütung, die die Jahresgebühr einer besseren Karte locker wieder reinholen würde. Der zweite Fehler ist, Mitarbeitenden keine eigenen Zusatzkarten zu geben, sondern Auslagen manuell erstatten zu lassen, was am Monatsende für alle Seiten unnötig Zeit kostet. Und der dritte, eher subtile Fehler ist, private und geschäftliche Ausgaben weiter zu vermischen, obwohl das Unternehmen längst groß genug für eine klare Trennung wäre.
Gilt das nur für die klassische Ausgabenseite oder gibt es noch andere Hebel?
Moritz: Es gibt noch einige, die gerne übersehen werden. Zusatzkarten für Mitarbeitende sind bei vielen Geschäftskarten kostenlos enthalten, sparen aber enorm viel manuelle Erstattungsarbeit, wenn man sie tatsächlich nutzt. Bei Geschäftsreisen zählt außerdem genau das, was auch für private Reisen gilt: eine gute Karte deckt Reiseversicherung und oft auch die Mietwagenversicherung automatisch mit ab, wodurch sich doppelte Absicherungen am Counter erübrigen. Und viele Karten lassen sich inzwischen direkt an Buchhaltungstools anbinden, was gerade am Jahresende einiges an manueller Sortierarbeit erspart.
Gibt es denn Geschäftskarten, die das alles gezielt mitdenken?
Moritz: Ja, und das Angebot ist mittlerweile deutlich breiter, als viele Selbstständige vermuten. Es gibt sowohl kostenlose als auch gebührenpflichtige Geschäftskarten, die explizit auf typische Selbstständigen-Ausgaben zugeschnitten sind, mit Cashback oder Meilen auf Software und Werbebudget, enthaltener Reiseversicherung für Geschäftsreisen und kostenlosen Zusatzkarten fürs Team. Welche davon am meisten bringt, hängt stark vom eigenen Ausgabenprofil ab, deshalb lohnt sich der Vergleich anhand der eigenen Zahlen mehr als die Entscheidung nach Bauchgefühl oder schlicht der Hausbank-Empfehlung.
Zum Abschluss: Was wäre dein ganz konkreter Rat an Selbstständige und Gründer?
Moritz: Einmal die letzten Monatsabrechnungen durchgehen und ehrlich hinschauen, wofür das Geld tatsächlich draufgeht - das dauert keine halbe Stunde und zeigt meistens sofort, ob die aktuelle Karte überhaupt noch passt. Auf dieser Basis lohnt sich dann ein gezielter Vergleich statt der Standardkarte der Hausbank, und wer im Team arbeitet, sollte direkt Zusatzkarten mit einplanen, statt Belege zu sammeln. Der Wechsel selbst dauert meistens nur wenig Zeit, zahlt sich aber ab der ersten Geschäftsreise oder dem ersten größeren Software-Invest spürbar aus.
Über Moritz Lindner: Moritz Lindner ist Gründer und Geschäftsführer von reisetopia, einer der reichweitenstärksten deutschsprachigen Plattformen rund um smarte Reise- und Finanzentscheidungen. Seit 2016 zeigt reisetopia, wie sich hochwertiges Reisen durch kluge Finanzentscheidungen realisieren lässt - unter dem Leitgedanken "Luxus smart finanziert".
Mehr dazu unter: reisetopia.de
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