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Edelmetalle sind ganz schwach in die Handelswoche gestartet. Gold, Silber und Co. leiden unter anhaltend hohen Ölpreisen sowie gestiegenen Anleiherenditen.
Gold fällt weiter - Ölpreis und hohe Anleiherenditen belasten
Die anhaltend hohen Energiepreise, Öl legte am Montag erneut zu, nachdem am Wochenende US-Präsident Donald Trump einen iranischen Vorschlag zur Lösung der Krise abgelehnt hatte, setzen nicht nur den Anleihen- und Aktienmarkt, sondern zunehmend auch Edelmetalle unter Druck. Die stark gestiegenen Anleiherenditen - für US-Staatsanleihen mit einer Laufzeit von 10 Jahren erhalten Anlegerinnen und Anleger erstmals seit 2007 wieder einen Kupon von mehr als 5 Prozent - machen zinslose Assets wie Gold und Silber zunehmend unattraktiv.
Dementsprechend schwach sind Edelmetalle in die neue Handelswoche gestartet. Gold handelte am frühen Nachmittag mit einem Minus von mehr als 3 Prozent und einem Spotmarkt-Preis von rund 4.150 US-Dollar. Für Silber, das für gewöhnlich schwankungsfreudiger als Gold ist, ging es sogar um 5 Prozent bergab. Das ließ auch Platin (-2,5 Prozent) und Palladium (-3,7 Prozent) nicht kalt, die ebenfalls Einbußen verzeichneten. Insgesamt gab der Dow Jones Commodity Precious Metals Index um 3,5 Prozent nach und verzeichnete damit einen der schwächsten Handelstage seit Wochen.
Doch das könnte noch nicht alles, sondern erst der Auftakt zu einer umfangreicheren Korrektur gewesen sein. Denn die beschleunigten Kursverluste hinterlassen vor allem im Chart von Gold ihre Spuren. Beim Edelmetall liegen jetzt gleich zwei frische Verkaufssignale auf einmal vor.

Langfristiger Aufwärtstrend in Gefahr? Zinslose Assets landen auf der Abschussliste
Übergeordnet befindet sich Gold in einem langfristigen Aufwärtstrend. Zwar war zwischen 2020 und Ende 2023 an der Marke von 2.000 US-Dollar pro Feinunze kein Vorbeikommen, doch als diese Hürde zum Jahreswechsel 2023/24 nachhaltig überwunden werden konnte, setzte eine in der Geschichte des Edelmetalls bislang beispiellose Rallye ein, die im Januar dieses Jahres in einen Blow-Off-Top bei knapp 5.600 US-Dollar mündete. Seither geht es für Gold bergab.
An der grundsätzlichen Dynamik, dass Notenbanken in großem Umfang Gold kaufen, hat sich zwar nichts geändert, doch einerseits haben private Anlegerinnen und Anleger nach dem vorläufigen Ende des Höhenfluges das Interesse verloren und andererseits sind auch institutionelle Investoren weniger interessiert, jetzt wo Anleihen wieder die höchsten Renditen seit Jahren oder gar Jahrzehnten abwerfen.
Gold mit zwei frischen Verkaufssignalen, doch es gibt auch Hoffnung
Nach einer zwischenzeitlichen Erholung im August und dem Überwinden der 200-Tage-Linie sowie des Widerstandsbereichs zwischen 4.450 und 4.500 US-Dollar befindet sich Gold daher wieder im Rückwärtsgang. Angesichts überkaufter Niveaus im Relative-Stärke-Index (RSI) hatte die Käuferinnen und Käufer Ende August der Mut verlassen. Die Verkaufsdynamik verfügte zuletzt war nur über wenig Tempo, sie droht sich am Montag aber erheblich zu beschleunigen, nachdem Gold unter die 50-Tage-Linie gefallen ist. Damit liegt ein weiteres Verkaufssignal vor.
Ein zweites hat sich frisch im Trendstärkeindikator MACD ergeben, der nach den Verlusten zum Wochenauftakt unter die Signallinie gefallen ist und damit einen neuen (kurzfristigen) Abwärtstrend des Edelmetalls anzeigt. In Ermangelung weiter Unterstützungen zwischen 50-Tage-Linie und der Marke von 4.000 US-Dollar ist daher mit einem Anhalten der Verluste bis zu den im Juli erzielten Tiefs zu rechnen. Hier allerdings besteht die Chance auf eine weitere Bodenbildung und einen neuen Erholungsimpuls.
Dass Gold hier tatsächlich auf Kaufinteresse stoßen könnte, ergibt sich mit Blick auf den RSI. Der signalisiert zwar einerseits ausgeprägte technische Schwäche, andererseits liegt er auf Tageskursbasis bereits im überverkauften Bereich. Damit könnte den Verkäuferinnen und Verkäufern schon bald die Puste ausgehen. Erst nachhaltig unter 4.000 US-Dollar würde sich das Chartbild auch übergeordnet weiter eintrüben. Hält diese Unterstützung, könnten allerdings die Bullen wieder das Ruder übernehmen - insbesondere, wenn es am Anleihenmarkt zu Entspannung kommen sollte.
Fazit: Vorerst abwarten - sowohl für einen Verkauf als auch für einen Neueinstieg
Angesichts anhaltend hoher Ölpreise und den höchsten Anleiherenditen seit vielen Jahren steht Gold zum Wochenauftakt erneut unter Verkaufsdruck, dieses Mal allerdings mit handfesten, charttechnischen Folgen, denn das Edelmetall hat gleich zwei frische Verkaufssignale generiert. Das ist noch kein Grund zu allzu großer Sorge, da im Bereich von 4.000 US-Dollar die Chance auf eine Bodenbildung besteht.
Nachlässig sollten die Bullen jedoch nicht werden, da ein Kurs nachhaltig unter dieser Marke für eine übergeordnete Verschlechterung des Chartbilds und sehr viel höhere Verluste als die jüngsten sorgen könnte. Wer Long ist, sollte sich mit einem Stopp unterhalb von 4.000 US-Dollar absichern. Wer bei Gold einsteigen möchte, sollte entweder einen prozyklischen Anstieg über 4.500 US-Dollar, wo auch die 200-Tage-Linie verläuft, abwarten oder sich bis nach einem erfolgreichen Test der Marke von 4.000 US-Dollar gedulden.
Gastautor: Max Gross
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