Mannheim (ots) -
- Staatliches Angebot zum 1. Januar 2027 nicht mehr realistisch
- Freiwilligkeit des Altersvorsorgemodells bleibt ein Manko
- Abschlagsfreie Rente nach 45 Jahren verfehlt ihr Ziel
Der Start des staatlich organisierten Standardangebots im Altersvorsorgedepot (https://alters-vorsorge-depot-vergleich.de/) (AVD) zum 1. Januar 2027 ist aus Sicht von Prof. Dr. Martin Werding, Mitglied des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung und der Alterssicherungskommission, nicht realistisch. "Dass zum 1. Januar da noch was zustande kommt, kann man ausschließen", sagte er im Gespräch mit Juri Galkin, Gründer und Geschäftsführer des unabhängigen Versicherungsmaklers Finanzklar. Die privaten Anbieter hingegen stünden schon bereit.
Werding verweist auf die fehlende Infrastruktur und den nicht erkennbaren Aufbau eines staatlichen Angebots. Im sogenannten "Podcast zum Altersvorsorgedepot" debattiert Gründer Galkin mit Experten über die aktuellen Herausforderungen. Die Verzögerung hat für Werding auch eine politische Dimension. Wenn der Staat ein eigenes Standardprodukt ankündige, es aber nicht rechtzeitig schaffe, könnte das die Politikverdrossenheit der Bevölkerung noch befeuern.
Auch die Platzierung des staatlichen Standardprodukts in der dritten Säule bleibt nach Werdings Einschätzung unpassend. Als Vorbild werde zwar häufig Schweden herangezogen. Dort ist das Standardprodukt jedoch in ein verpflichtendes Vorsorgesystem, also in die erste Säule, eingebettet. Wer keine eigene Anlageentscheidung trifft, wird dort einem staatlichen Default-Angebot zugeordnet. Das deutsche Altersvorsorgedepot dagegen beruht auf Freiwilligkeit.
"Gerade wenn die bildungsfernen Haushalte erreicht werden sollen, reicht ein freiwilliges Angebot nicht aus", so Werding. Aus seiner Sicht hätte die Reform deshalb ein verpflichtendes Element benötigt. "Das ist ohne Zwang tatsächlich nicht machbar", sagt Werding mit Blick auf das Ziel der Regierung, die ergänzende Altersvorsorge in der Breite zu verankern.
Abschaffung der abschlagsfreien Rente
Kritisch bewertet Werding zudem die abschlagsfreie Rente nach 45 Versicherungsjahren. Die Regelung wurde ursprünglich als Schutz für Menschen in körperlich besonders belastenden Berufen eingeführt. Die Daten zeichnen Werding zufolge jedoch ein anderes Bild: Rund 30 Prozent der Rentenzugänge nutzen diese Möglichkeit, darunter überwiegend Menschen, die nicht in körperlich belastenden Berufen gearbeitet haben, überdurchschnittlich gesund sind und vergleichsweise hohe Renten beziehen.
"Das ist eine Regelung, die im Grunde unter falschen Vorzeichen verkauft worden ist, nämlich als Schutz für diejenigen, die nicht mehr können", so Werding. Die Alterssicherungskommission empfiehlt deshalb, die abschlagsfreie Rente in ihrer heutigen Form abzuschaffen und durch eine echte Härtefallregelung zu ersetzen. Entscheidend sollte demnach eine individuelle gesundheitliche Beeinträchtigung sein, die durch eine Gesundheitsprüfung nachgewiesen wird. Eine solche Härtefallregelung dürfe nicht automatisch allein aufgrund der langen Versicherungszeit gewährt werden.
Mit dem Altersvorsorgedepot sieht Werding zugleich die Chance, zentrale Fehler der Riester-Rente zu vermeiden. Die Grundidee einer zusätzlichen kapitalgedeckten Vorsorge hält er weiterhin für richtig. Die Pflicht bei Riester, eingezahlte Beiträge zu garantieren, habe jedoch die Anlagestrategien in eine Richtung gedrängt, die langfristig zu geringe Renditechancen im Vergleich zu den Kosten eröffnet habe. Dass die Beitragsgarantie im neuen Modell entfällt, bewertet er daher grundsätzlich positiv.
Beim Kostendeckel von einem Prozent warnt Werding davor, allein auf den Wettbewerb zu vertrauen. Die deutlich niedrigeren Kosten in den USA seien nicht ohne Weiteres auf den deutschen Markt übertragbar, weil dort der Wettbewerb besser funktioniere und die praktische Finanzbildung stärker ausgeprägt sei. Als zusätzliches Korrektiv könne ein Anbieter ohne Gewinnerzielungsabsicht wie der Staat sinnvoll sein, allerdings passe dieser eher in die erste Säule, wie in Schweden, und nicht zum freiwilligen Charakter der dritten Säule, also des privaten Altersvorsorgemarkts.
Werding plädiert insgesamt dafür, die Reform der Alterssicherung als zusammenhängendes Paket zu behandeln. Nur wenn die umlagefinanzierte Rente strukturell angepasst werde, entstehe der notwendige Spielraum für eine ergänzende Kapitaldeckung. Werding rät der Politik, unbedingt Kurs zu halten und sich die einzelnen Elemente der Reform nicht gegeneinander ausspielen zu lassen.
Das vollständige Gespräch mit Prof. Dr. Martin Werding zum Altersvorsorgedepot (AVD) ist im Finanzklar-Podcast "Der Podcast zum Altersvorsorgedepot" erschienen. Hier geht es zum Podcast: https://alters-vorsorge-depot-vergleich.de/
Über die Finanzklar GmbH
Finanzklar ist ein digitaler, unabhängiger Versicherungsmakler mit Sitz in Mannheim und Maklerzulassung nach § 34d GewO. Das Unternehmen hat sich auf die private Altersvorsorge spezialisiert und mit einer eigenen Vergleichsplattform und eigenen Rechnern eine zentrale Anlaufstelle für den Umstieg von der Riester-Rente auf das neue Altersvorsorgedepot geschaffen.
Gegründet wurde Finanzklar von Juri Galkin. Galkin ist Mitgründer des Zukunftstags, eines Crashkurstags für Schulen, mit dem er und sein Team bereits an Tausenden Schulen in Deutschland Projekttage zur finanziellen Bildung durchgeführt haben. Bundes- und Landesminister sind Schirmherren des Formats. Er ist SPIEGEL-Bestsellerautor und war Gast in mehreren Formaten des öffentlich-rechtlichen Rundfunks.
Pressekontakt:
Gigi Nghiem
Pressesprecherin
presse@finanzklar.com
+49 1512 9851324
Original-Content von: Finanzklar GmbH, übermittelt durch news aktuell
Originalmeldung: https://www.presseportal.de/pm/181647/6360846
- Staatliches Angebot zum 1. Januar 2027 nicht mehr realistisch
- Freiwilligkeit des Altersvorsorgemodells bleibt ein Manko
- Abschlagsfreie Rente nach 45 Jahren verfehlt ihr Ziel
Der Start des staatlich organisierten Standardangebots im Altersvorsorgedepot (https://alters-vorsorge-depot-vergleich.de/) (AVD) zum 1. Januar 2027 ist aus Sicht von Prof. Dr. Martin Werding, Mitglied des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung und der Alterssicherungskommission, nicht realistisch. "Dass zum 1. Januar da noch was zustande kommt, kann man ausschließen", sagte er im Gespräch mit Juri Galkin, Gründer und Geschäftsführer des unabhängigen Versicherungsmaklers Finanzklar. Die privaten Anbieter hingegen stünden schon bereit.
Werding verweist auf die fehlende Infrastruktur und den nicht erkennbaren Aufbau eines staatlichen Angebots. Im sogenannten "Podcast zum Altersvorsorgedepot" debattiert Gründer Galkin mit Experten über die aktuellen Herausforderungen. Die Verzögerung hat für Werding auch eine politische Dimension. Wenn der Staat ein eigenes Standardprodukt ankündige, es aber nicht rechtzeitig schaffe, könnte das die Politikverdrossenheit der Bevölkerung noch befeuern.
Auch die Platzierung des staatlichen Standardprodukts in der dritten Säule bleibt nach Werdings Einschätzung unpassend. Als Vorbild werde zwar häufig Schweden herangezogen. Dort ist das Standardprodukt jedoch in ein verpflichtendes Vorsorgesystem, also in die erste Säule, eingebettet. Wer keine eigene Anlageentscheidung trifft, wird dort einem staatlichen Default-Angebot zugeordnet. Das deutsche Altersvorsorgedepot dagegen beruht auf Freiwilligkeit.
"Gerade wenn die bildungsfernen Haushalte erreicht werden sollen, reicht ein freiwilliges Angebot nicht aus", so Werding. Aus seiner Sicht hätte die Reform deshalb ein verpflichtendes Element benötigt. "Das ist ohne Zwang tatsächlich nicht machbar", sagt Werding mit Blick auf das Ziel der Regierung, die ergänzende Altersvorsorge in der Breite zu verankern.
Abschaffung der abschlagsfreien Rente
Kritisch bewertet Werding zudem die abschlagsfreie Rente nach 45 Versicherungsjahren. Die Regelung wurde ursprünglich als Schutz für Menschen in körperlich besonders belastenden Berufen eingeführt. Die Daten zeichnen Werding zufolge jedoch ein anderes Bild: Rund 30 Prozent der Rentenzugänge nutzen diese Möglichkeit, darunter überwiegend Menschen, die nicht in körperlich belastenden Berufen gearbeitet haben, überdurchschnittlich gesund sind und vergleichsweise hohe Renten beziehen.
"Das ist eine Regelung, die im Grunde unter falschen Vorzeichen verkauft worden ist, nämlich als Schutz für diejenigen, die nicht mehr können", so Werding. Die Alterssicherungskommission empfiehlt deshalb, die abschlagsfreie Rente in ihrer heutigen Form abzuschaffen und durch eine echte Härtefallregelung zu ersetzen. Entscheidend sollte demnach eine individuelle gesundheitliche Beeinträchtigung sein, die durch eine Gesundheitsprüfung nachgewiesen wird. Eine solche Härtefallregelung dürfe nicht automatisch allein aufgrund der langen Versicherungszeit gewährt werden.
Mit dem Altersvorsorgedepot sieht Werding zugleich die Chance, zentrale Fehler der Riester-Rente zu vermeiden. Die Grundidee einer zusätzlichen kapitalgedeckten Vorsorge hält er weiterhin für richtig. Die Pflicht bei Riester, eingezahlte Beiträge zu garantieren, habe jedoch die Anlagestrategien in eine Richtung gedrängt, die langfristig zu geringe Renditechancen im Vergleich zu den Kosten eröffnet habe. Dass die Beitragsgarantie im neuen Modell entfällt, bewertet er daher grundsätzlich positiv.
Beim Kostendeckel von einem Prozent warnt Werding davor, allein auf den Wettbewerb zu vertrauen. Die deutlich niedrigeren Kosten in den USA seien nicht ohne Weiteres auf den deutschen Markt übertragbar, weil dort der Wettbewerb besser funktioniere und die praktische Finanzbildung stärker ausgeprägt sei. Als zusätzliches Korrektiv könne ein Anbieter ohne Gewinnerzielungsabsicht wie der Staat sinnvoll sein, allerdings passe dieser eher in die erste Säule, wie in Schweden, und nicht zum freiwilligen Charakter der dritten Säule, also des privaten Altersvorsorgemarkts.
Werding plädiert insgesamt dafür, die Reform der Alterssicherung als zusammenhängendes Paket zu behandeln. Nur wenn die umlagefinanzierte Rente strukturell angepasst werde, entstehe der notwendige Spielraum für eine ergänzende Kapitaldeckung. Werding rät der Politik, unbedingt Kurs zu halten und sich die einzelnen Elemente der Reform nicht gegeneinander ausspielen zu lassen.
Das vollständige Gespräch mit Prof. Dr. Martin Werding zum Altersvorsorgedepot (AVD) ist im Finanzklar-Podcast "Der Podcast zum Altersvorsorgedepot" erschienen. Hier geht es zum Podcast: https://alters-vorsorge-depot-vergleich.de/
Über die Finanzklar GmbH
Finanzklar ist ein digitaler, unabhängiger Versicherungsmakler mit Sitz in Mannheim und Maklerzulassung nach § 34d GewO. Das Unternehmen hat sich auf die private Altersvorsorge spezialisiert und mit einer eigenen Vergleichsplattform und eigenen Rechnern eine zentrale Anlaufstelle für den Umstieg von der Riester-Rente auf das neue Altersvorsorgedepot geschaffen.
Gegründet wurde Finanzklar von Juri Galkin. Galkin ist Mitgründer des Zukunftstags, eines Crashkurstags für Schulen, mit dem er und sein Team bereits an Tausenden Schulen in Deutschland Projekttage zur finanziellen Bildung durchgeführt haben. Bundes- und Landesminister sind Schirmherren des Formats. Er ist SPIEGEL-Bestsellerautor und war Gast in mehreren Formaten des öffentlich-rechtlichen Rundfunks.
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