Bad Neustadt a. d. Saale (ots) -
Von Vorhofflimmern bis Kammertachykardie: Am RHÖN-KLINIKUM Campus Bad Neustadt kommen unterschiedliche Ablationsverfahren zum Einsatz - Pulsed-Field-Ablation seit August in allen drei elektrophysiologischen Laboren
Zum Weltherztag am 29. September ruft die World Heart Federation unter dem diesjährigen Motto "Don't Miss a Beat" dazu auf, Warnzeichen des Herzens wahrzunehmen und Beschwerden frühzeitig abklären zu lassen. Der RHÖN-KLINIKUM Campus Bad Neustadt nimmt den Aktionstag zum Anlass, auf Herzrhythmusstörungen wie Vorhofflimmern und moderne Möglichkeiten ihrer Behandlung aufmerksam zu machen.
Vorhofflimmern: Wenn das Herz aus dem Takt gerät
Vorhofflimmern ist die häufigste anhaltende Herzrhythmusstörung. Das Herz schlägt dabei unregelmäßig und häufig zu schnell. Typische Beschwerden sind Herzstolpern, Herzrasen, Luftnot, Schwindel oder eine ungewohnte Leistungsminderung. Bei manchen Menschen treten jedoch kaum oder gar keine Beschwerden auf. Ein neu auftretender oder wiederkehrender unregelmäßiger Herzschlag sollte deshalb ärztlich abgeklärt werden.
Bei geeignetem Befund kann eine Katheterablation infrage kommen. Dabei wird ein dünner Katheter über ein Blutgefäß bis zum Herzen vorgeschoben. Bestimmte Bereiche des Herzmuskels, die an der Entstehung oder Aufrechterhaltung der Rhythmusstörung beteiligt sind, werden gezielt behandelt.
Am RHÖN-KLINIKUM Campus Bad Neustadt stehen fünf Herzkatheterlabore zur Verfügung, in drei davon werden elektrophysiologische Untersuchungen (EPU) durchgeführt. Seit August 2026 wird die Pulsed-Field-Ablation (PFA) in allen drei EPU-Laboren eingesetzt.
Bei der Pulsed-Field-Ablation werden sehr kurze elektrische Impulse eingesetzt, um bestimmte Herzmuskelzellen gezielt zu behandeln. Bei anfallsartigem Vorhofflimmern können sogenannte Single-Shot-Katheter eine Pulmonalvenenisolation mit wenigen Energieabgaben ermöglichen. Dabei werden die Lungenvenen elektrisch isoliert. Ziel ist es, die Weiterleitung von Signalen aus diesem Bereich in die Herzvorhöfe zu unterbinden.
"Bei geeigneten Patienten kann ein Eingriff zur Vorhofflimmerablation mit der schonenderen Pulsed-Field-Ablation in etwa 45 Minuten durchgeführt werden. Bei entsprechendem Verlauf ist häufig auch eine Entlassung am selben Tag möglich", sagt Priv.-Doz. Dr. med. Anja Schade, Chefärztin der Klinik für Kardiologie II. "Mit neuen Kathetern, die sowohl Radiofrequenz als auch Pulsed-Field-Ablation punktuell nutzen können, haben wir eine weitere moderne Technologie zur Verfügung, die wir gezielt auf die individuelle Situation des Patienten abstimmen können", so Dr. Schade weiter.
Anders als bei der Radiofrequenz- und der Kryoablation arbeitet die Pulsed-Field-Ablation nicht mit Wärme oder Kälte. Stattdessen werden sehr kurze elektrische Impulse eingesetzt. Durch die spezifische Wirkweise der elektrischen Impulse können bestimmte Strukturen in der Umgebung des behandelten Herzgewebes bei der Behandlung gezielt berücksichtigt werden.
Zwei Energieformen gezielt kombinieren
Nicht jedes Vorhofflimmern ist gleich. Bei länger anhaltendem Vorhofflimmern oder wenn nach einer früheren Ablation erneut eine Rhythmusstörung auftritt, kann eine Kombination verschiedener Ablationstechniken infrage kommen. Am Campus Bad Neustadt stehen hierfür spezielle Katheter zur Verfügung, mit denen sowohl Pulsed Field als auch Radiofrequenz eingesetzt werden können. Bei der Radiofrequenzablation wird gezielt Wärmeenergie verwendet.
"Damit können wir die jeweilige Energieform gezielt einsetzen: Pulsed Field beispielsweise dort, wo benachbarte Strukturen wie die Speiseröhre besonders berücksichtigt werden müssen, und Radiofrequenz dort, wo eine Behandlung tiefer liegender Bereiche des Herzmuskels erforderlich ist", erklärt Priv.-Doz. Dr. med. Anja Schade.
Die verschiedenen Ablationstechniken kommen auch bei ausgewählten Kammertachykardien zum Einsatz. Dabei handelt es sich um sehr schnelle Herzrhythmusstörungen, die in den Herzkammern entstehen. Bei ausgewählten Patienten kann die Kombination von Pulsed Field und Radiofrequenz an derselben Stelle dazu beitragen, auch tiefer liegende Bereiche des Herzmuskels zu erreichen, die mit Radiofrequenz allein schwer behandelbar sind. Die Klinik für Kardiologie II ist seit Jahren ein überregionales Zuweisungszentrum für Patienten mit besonders schwer zu behandelnden Kammertachykardien.
Ausblick: Patientenseminar "Vorhofflimmern"
Am 4. November 2026 informiert die Klinik für Kardiologie am RHÖN-KLINIKUM Campus Bad Neustadt in einem Patientenseminar über Vorhofflimmern. Im Mittelpunkt stehen Ursachen und Symptome sowie aktuelle Möglichkeiten der Diagnose und Behandlung. Weitere Informationen und Anmeldung: www.campus-nes.de
Über die Klinik für Kardiologie am RHÖN-KLINIKUM Campus Bad Neustadt
Die Klinik für Kardiologie am RHÖN-KLINIKUM Campus Bad Neustadt (https://www.campus-nes.de/medizin-pflege/unsere-kliniken/kardiologie/willkommen-in-der-klinik-fuer-kardiologie.html)umfasst die Kardiologie I - Interventionelle Kardiologie und nicht-invasive Bildgebung unter der Leitung von Prof. Dr. med. Sebastian Kerber, Chefarzt der Klinik für Kardiologie I und Ärztlicher Direktor am RHÖN-KLINIKUM Campus Bad Neustadt, sowie die Kardiologie II - Rhythmologie und interventionelle Elektrophysiologie unter der Leitung von Priv.-Doz. Dr. med. Anja Schade, Chefärztin der Klinik für Kardiologie II.
Das Behandlungsspektrum umfasst unter anderem die Koronare Herzkrankheit, Herzklappenerkrankungen, Herzinsuffizienz und Herzrhythmusstörungen. Seit 1984 wurden am Standort Bad Neustadt mehr als 250.000 Kathetereingriffe durchgeführt. Die herzmedizinischen Kliniken sind seit mehr als 40 Jahren überregional in der kardiovaskulären Medizin verankert.
Der RHÖN-KLINIKUM Campus Bad Neustadt, einer von fünf Standorten der RHÖN-KLINIKUM AG, steht für eine sektorenübergreifende medizinische Versorgung im ländlichen Raum. Auf einem Klinikgelände verzahnt der Campus ambulante und stationäre Angebote mit einer Vielzahl medizinischer Service- und Vorsorgeleistungen, die bisher räumlich getrennt waren: niedergelassene Fachärzte, Kliniken unterschiedlicher Fachdisziplinen wie Herzmedizin, orthopädischer Chirurgie oder auch Neurologie arbeiten Hand in Hand mit der Pflege und der Rehabilitation zusammen. Die digitale Vernetzung aller am Behandlungsprozess beteiligten Akteure - mit innovativen IT-Lösungen und Kommunikationssystemen - ist dabei unverzichtbar. www.campus-nes.de
Pressekontakt:
RHÖN-KLINIKUM Campus Bad Neustadt
Katrin Schmitt | Unternehmenskommunikation
T. +49 9771 66-26100 | katrinmaria.schmitt@campus-nes.de
Original-Content von: RHÖN-KLINIKUM AG, übermittelt durch news aktuell
Originalmeldung: https://www.presseportal.de/pm/109212/6361272
Von Vorhofflimmern bis Kammertachykardie: Am RHÖN-KLINIKUM Campus Bad Neustadt kommen unterschiedliche Ablationsverfahren zum Einsatz - Pulsed-Field-Ablation seit August in allen drei elektrophysiologischen Laboren
Zum Weltherztag am 29. September ruft die World Heart Federation unter dem diesjährigen Motto "Don't Miss a Beat" dazu auf, Warnzeichen des Herzens wahrzunehmen und Beschwerden frühzeitig abklären zu lassen. Der RHÖN-KLINIKUM Campus Bad Neustadt nimmt den Aktionstag zum Anlass, auf Herzrhythmusstörungen wie Vorhofflimmern und moderne Möglichkeiten ihrer Behandlung aufmerksam zu machen.
Vorhofflimmern: Wenn das Herz aus dem Takt gerät
Vorhofflimmern ist die häufigste anhaltende Herzrhythmusstörung. Das Herz schlägt dabei unregelmäßig und häufig zu schnell. Typische Beschwerden sind Herzstolpern, Herzrasen, Luftnot, Schwindel oder eine ungewohnte Leistungsminderung. Bei manchen Menschen treten jedoch kaum oder gar keine Beschwerden auf. Ein neu auftretender oder wiederkehrender unregelmäßiger Herzschlag sollte deshalb ärztlich abgeklärt werden.
Bei geeignetem Befund kann eine Katheterablation infrage kommen. Dabei wird ein dünner Katheter über ein Blutgefäß bis zum Herzen vorgeschoben. Bestimmte Bereiche des Herzmuskels, die an der Entstehung oder Aufrechterhaltung der Rhythmusstörung beteiligt sind, werden gezielt behandelt.
Am RHÖN-KLINIKUM Campus Bad Neustadt stehen fünf Herzkatheterlabore zur Verfügung, in drei davon werden elektrophysiologische Untersuchungen (EPU) durchgeführt. Seit August 2026 wird die Pulsed-Field-Ablation (PFA) in allen drei EPU-Laboren eingesetzt.
Bei der Pulsed-Field-Ablation werden sehr kurze elektrische Impulse eingesetzt, um bestimmte Herzmuskelzellen gezielt zu behandeln. Bei anfallsartigem Vorhofflimmern können sogenannte Single-Shot-Katheter eine Pulmonalvenenisolation mit wenigen Energieabgaben ermöglichen. Dabei werden die Lungenvenen elektrisch isoliert. Ziel ist es, die Weiterleitung von Signalen aus diesem Bereich in die Herzvorhöfe zu unterbinden.
"Bei geeigneten Patienten kann ein Eingriff zur Vorhofflimmerablation mit der schonenderen Pulsed-Field-Ablation in etwa 45 Minuten durchgeführt werden. Bei entsprechendem Verlauf ist häufig auch eine Entlassung am selben Tag möglich", sagt Priv.-Doz. Dr. med. Anja Schade, Chefärztin der Klinik für Kardiologie II. "Mit neuen Kathetern, die sowohl Radiofrequenz als auch Pulsed-Field-Ablation punktuell nutzen können, haben wir eine weitere moderne Technologie zur Verfügung, die wir gezielt auf die individuelle Situation des Patienten abstimmen können", so Dr. Schade weiter.
Anders als bei der Radiofrequenz- und der Kryoablation arbeitet die Pulsed-Field-Ablation nicht mit Wärme oder Kälte. Stattdessen werden sehr kurze elektrische Impulse eingesetzt. Durch die spezifische Wirkweise der elektrischen Impulse können bestimmte Strukturen in der Umgebung des behandelten Herzgewebes bei der Behandlung gezielt berücksichtigt werden.
Zwei Energieformen gezielt kombinieren
Nicht jedes Vorhofflimmern ist gleich. Bei länger anhaltendem Vorhofflimmern oder wenn nach einer früheren Ablation erneut eine Rhythmusstörung auftritt, kann eine Kombination verschiedener Ablationstechniken infrage kommen. Am Campus Bad Neustadt stehen hierfür spezielle Katheter zur Verfügung, mit denen sowohl Pulsed Field als auch Radiofrequenz eingesetzt werden können. Bei der Radiofrequenzablation wird gezielt Wärmeenergie verwendet.
"Damit können wir die jeweilige Energieform gezielt einsetzen: Pulsed Field beispielsweise dort, wo benachbarte Strukturen wie die Speiseröhre besonders berücksichtigt werden müssen, und Radiofrequenz dort, wo eine Behandlung tiefer liegender Bereiche des Herzmuskels erforderlich ist", erklärt Priv.-Doz. Dr. med. Anja Schade.
Die verschiedenen Ablationstechniken kommen auch bei ausgewählten Kammertachykardien zum Einsatz. Dabei handelt es sich um sehr schnelle Herzrhythmusstörungen, die in den Herzkammern entstehen. Bei ausgewählten Patienten kann die Kombination von Pulsed Field und Radiofrequenz an derselben Stelle dazu beitragen, auch tiefer liegende Bereiche des Herzmuskels zu erreichen, die mit Radiofrequenz allein schwer behandelbar sind. Die Klinik für Kardiologie II ist seit Jahren ein überregionales Zuweisungszentrum für Patienten mit besonders schwer zu behandelnden Kammertachykardien.
Ausblick: Patientenseminar "Vorhofflimmern"
Am 4. November 2026 informiert die Klinik für Kardiologie am RHÖN-KLINIKUM Campus Bad Neustadt in einem Patientenseminar über Vorhofflimmern. Im Mittelpunkt stehen Ursachen und Symptome sowie aktuelle Möglichkeiten der Diagnose und Behandlung. Weitere Informationen und Anmeldung: www.campus-nes.de
Über die Klinik für Kardiologie am RHÖN-KLINIKUM Campus Bad Neustadt
Die Klinik für Kardiologie am RHÖN-KLINIKUM Campus Bad Neustadt (https://www.campus-nes.de/medizin-pflege/unsere-kliniken/kardiologie/willkommen-in-der-klinik-fuer-kardiologie.html)umfasst die Kardiologie I - Interventionelle Kardiologie und nicht-invasive Bildgebung unter der Leitung von Prof. Dr. med. Sebastian Kerber, Chefarzt der Klinik für Kardiologie I und Ärztlicher Direktor am RHÖN-KLINIKUM Campus Bad Neustadt, sowie die Kardiologie II - Rhythmologie und interventionelle Elektrophysiologie unter der Leitung von Priv.-Doz. Dr. med. Anja Schade, Chefärztin der Klinik für Kardiologie II.
Das Behandlungsspektrum umfasst unter anderem die Koronare Herzkrankheit, Herzklappenerkrankungen, Herzinsuffizienz und Herzrhythmusstörungen. Seit 1984 wurden am Standort Bad Neustadt mehr als 250.000 Kathetereingriffe durchgeführt. Die herzmedizinischen Kliniken sind seit mehr als 40 Jahren überregional in der kardiovaskulären Medizin verankert.
Der RHÖN-KLINIKUM Campus Bad Neustadt, einer von fünf Standorten der RHÖN-KLINIKUM AG, steht für eine sektorenübergreifende medizinische Versorgung im ländlichen Raum. Auf einem Klinikgelände verzahnt der Campus ambulante und stationäre Angebote mit einer Vielzahl medizinischer Service- und Vorsorgeleistungen, die bisher räumlich getrennt waren: niedergelassene Fachärzte, Kliniken unterschiedlicher Fachdisziplinen wie Herzmedizin, orthopädischer Chirurgie oder auch Neurologie arbeiten Hand in Hand mit der Pflege und der Rehabilitation zusammen. Die digitale Vernetzung aller am Behandlungsprozess beteiligten Akteure - mit innovativen IT-Lösungen und Kommunikationssystemen - ist dabei unverzichtbar. www.campus-nes.de
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