München (ots) -
- Private Markets werden immer größer. Bafin beobachtet Liquidität, Bewertungen, Kosten und Transparenz
- Bei ELTIFs und anderen Private-Market-Produkten für Privatanleger sieht die Aufsicht Risiken durch Illiquidität, komplexe Gebührenstrukturen und potenziell irreführende Risikokennzeichnungen
- Bafin mahnt konsequente Eignungsprüfung und gezielte regulatorische Nachjustierungen an
Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) warnt bei Private Equity, Private Debt und anderen Private-Market-Anlagen vor Risiken für Privatanleger und nimmt den wachsenden Vertrieb an Privatanleger kritisch in den Blick. Im Fokus der Finanzaufsicht stehen mangelnde Liquidität, schwer überprüfbare modellbasierte Bewertungen, komplexe Kostenstrukturen und eine Risikokennzeichnung, die das tatsächliche Verlustrisiko nicht immer vollständig widerspiegelt.
Was für professionelle Investoren geeignet sei, sei nicht automatisch auch für Privatanleger geeignet. Mit dem wachsenden Angebot von ELTIFs und anderen Private-Market-Produkten verlagern sich Risiken zunehmend in den Privatkundenmarkt. Dort will die Finanzaufsicht genauer hinsehen, sage die Bafin-Abteilungsleiterin Felicitas Linden in einem exklusiven Interview mit dem Finanzmedium INSIDE Private Equity. "Die Aufsicht kann Risiken begrenzen, sie aber nicht ausschließen", sagte sie zur Rolle der Börsenaufsicht.
Nach Einschätzung der Bafin stellt Private Equity aktuell keine unmittelbare Gefahr für die Stabilität des Finanzsystems dar. Die Aufsicht beobachtet jedoch, dass Private Markets insgesamt wachsen und zunehmend mit dem klassischen Finanzsektor verflochten sind. Banken finanzieren Fondsstrukturen, Versicherer investieren in alternative Kreditprodukte und Bewertungen basieren vielfach nicht auf aktuellen Marktpreisen, sondern sind modellbasiert.
"Wir achten weniger auf Private Equity isoliert als auf die Verbindungen zu etablierten Marktsegmenten", so Linden. Über solche Verflechtungen könnten Risiken auf Banken, Versicherungen und andere Teile des Finanzsystems übertragen werden. "Systemisch relevant ist das heute in einem akuten Sinne noch nicht - aber es ist ein Bereich, dessen Vernetzung und Intransparenz wir genau im Blick behalten."
Im Fokus der Bafin stehen vor allem Liquidität, Bewertung, Kosten und Transparenz. Das veränderte Zinsumfeld setzt Private Equity spürbar unter Druck. Refinanzierungen sind teurer, Bewertungen schwieriger und Exits dauern länger. Linden sieht keine systemische Krise, sondern vielmehr eine "ausgeprägte zyklische Anpassung" mit längeren Halteperioden, geringeren Ausschüttungen und einer stärkeren Trennung zwischen leistungsfähigen und schwächeren Managern.
Kritisch betrachtet die Finanzaufsicht die zunehmende Vermarktung illiquider Private-Market-Produkte an Privatanleger. Mit der Reform des europäischen ELTIF-Regimes wurde der Zugang zu langfristigen alternativen Anlagen für Privatkunden deutlich erleichtert. Die Bafin lehnt diese Öffnung nach Aussage Lindens nicht grundsätzlich ab. Entscheidend sei jedoch, dass Produkte nur an Anleger vertrieben würden, deren finanzielle Situation, Anlageziele und Risikobereitschaft tatsächlich dazu passen.
"Was für professionelle Investoren geeignet ist, passt nicht automatisch für Privatkundinnen und -kunden", betont Linden. Die Finanzexpertin sieht die Gefahr, dass Anleger die tatsächliche Illiquidität solcher Investments unterschätzen. Ein ELTIF könne in einer Depotansicht zwar wie ein gewöhnlicher Fonds erscheinen, wirtschaftlich handle es sich jedoch häufig um ein langfristiges und nur eingeschränkt verkäufliches Investment.
Interne Handelsplattformen oder andere Sekundärmarktmechanismen änderten daran grundsätzlich nichts. "Sie funktionieren nur, solange sich Käufer finden. In Stressphasen kann aus vermeintlicher Handelbarkeit eine Warteschlange werden", warnt Linden.
Von besonderer Bedeutung seien vielmehr die Rückgabebedingungen eines Produkts. Dazu zählen Rücknahmefenster, Lock-up-Fristen, mögliche Gates, Liquiditätsquoten und die Frage, unter welchen Bedingungen Anleger tatsächlich über ihr Kapital verfügen können. Hinzu kommen komplexe und mehrstufige Gebührenmodelle.
Eine grundsätzlich neue regulatorische Architektur fordert die Bafin derzeit nicht. Nach Einschätzung Lindens ist der Markt auf Produkt-, Manager- und Vertriebsebene bereits umfassend reguliert.
Entscheidend sei vielmehr, bestehende Regeln konsequent anzuwenden und ihre tatsächliche Wirksamkeit zu überprüfen. Das betrifft insbesondere die Eignungsprüfung von Anlegern, die Kostentransparenz sowie die Risikokennzeichnung grenzüberschreitend vertriebener Produkte.
"Mehr Regulierung allein wird die Fragen nicht lösen", sagt Linden. Neben der Aufsicht seien auch Anbieter und Vertriebe in der Verantwortung. Erforderlich seien eine ehrliche Beratung und ein Vertrieb, der die wirtschaftlichen Eigenschaften der Produkte nicht hinter vereinfachten Verkaufsbotschaften verschwinden lasse.
Bei einzelnen regulatorischen Fragen sieht die Bafin dennoch Nachbesserungsbedarf und plädiert dafür, "gezielt an den erkennbaren Schwachstellen zu arbeiten, anstatt reflexhaft nach immer neuen Vorgaben zu rufen".
Das vollständige Interview mit Felicitas Linden erscheint in zwei Teilen bei INSIDE Private Equity.
Über INSIDE Private Equity
INSIDE Private Equity ist ein Online-Magazin mit Fokus auf die Private-Equity- und Private-Markets-Branche. Das Medium analysiert Akteure, Geschäftsmodelle und Markttrends und hinterfragt die Auswirkungen alternativer Kapitalstrukturen auf Unternehmen, Anleger und Finanzmärkte.
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- Private Markets werden immer größer. Bafin beobachtet Liquidität, Bewertungen, Kosten und Transparenz
- Bei ELTIFs und anderen Private-Market-Produkten für Privatanleger sieht die Aufsicht Risiken durch Illiquidität, komplexe Gebührenstrukturen und potenziell irreführende Risikokennzeichnungen
- Bafin mahnt konsequente Eignungsprüfung und gezielte regulatorische Nachjustierungen an
Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) warnt bei Private Equity, Private Debt und anderen Private-Market-Anlagen vor Risiken für Privatanleger und nimmt den wachsenden Vertrieb an Privatanleger kritisch in den Blick. Im Fokus der Finanzaufsicht stehen mangelnde Liquidität, schwer überprüfbare modellbasierte Bewertungen, komplexe Kostenstrukturen und eine Risikokennzeichnung, die das tatsächliche Verlustrisiko nicht immer vollständig widerspiegelt.
Was für professionelle Investoren geeignet sei, sei nicht automatisch auch für Privatanleger geeignet. Mit dem wachsenden Angebot von ELTIFs und anderen Private-Market-Produkten verlagern sich Risiken zunehmend in den Privatkundenmarkt. Dort will die Finanzaufsicht genauer hinsehen, sage die Bafin-Abteilungsleiterin Felicitas Linden in einem exklusiven Interview mit dem Finanzmedium INSIDE Private Equity. "Die Aufsicht kann Risiken begrenzen, sie aber nicht ausschließen", sagte sie zur Rolle der Börsenaufsicht.
Nach Einschätzung der Bafin stellt Private Equity aktuell keine unmittelbare Gefahr für die Stabilität des Finanzsystems dar. Die Aufsicht beobachtet jedoch, dass Private Markets insgesamt wachsen und zunehmend mit dem klassischen Finanzsektor verflochten sind. Banken finanzieren Fondsstrukturen, Versicherer investieren in alternative Kreditprodukte und Bewertungen basieren vielfach nicht auf aktuellen Marktpreisen, sondern sind modellbasiert.
"Wir achten weniger auf Private Equity isoliert als auf die Verbindungen zu etablierten Marktsegmenten", so Linden. Über solche Verflechtungen könnten Risiken auf Banken, Versicherungen und andere Teile des Finanzsystems übertragen werden. "Systemisch relevant ist das heute in einem akuten Sinne noch nicht - aber es ist ein Bereich, dessen Vernetzung und Intransparenz wir genau im Blick behalten."
Im Fokus der Bafin stehen vor allem Liquidität, Bewertung, Kosten und Transparenz. Das veränderte Zinsumfeld setzt Private Equity spürbar unter Druck. Refinanzierungen sind teurer, Bewertungen schwieriger und Exits dauern länger. Linden sieht keine systemische Krise, sondern vielmehr eine "ausgeprägte zyklische Anpassung" mit längeren Halteperioden, geringeren Ausschüttungen und einer stärkeren Trennung zwischen leistungsfähigen und schwächeren Managern.
Kritisch betrachtet die Finanzaufsicht die zunehmende Vermarktung illiquider Private-Market-Produkte an Privatanleger. Mit der Reform des europäischen ELTIF-Regimes wurde der Zugang zu langfristigen alternativen Anlagen für Privatkunden deutlich erleichtert. Die Bafin lehnt diese Öffnung nach Aussage Lindens nicht grundsätzlich ab. Entscheidend sei jedoch, dass Produkte nur an Anleger vertrieben würden, deren finanzielle Situation, Anlageziele und Risikobereitschaft tatsächlich dazu passen.
"Was für professionelle Investoren geeignet ist, passt nicht automatisch für Privatkundinnen und -kunden", betont Linden. Die Finanzexpertin sieht die Gefahr, dass Anleger die tatsächliche Illiquidität solcher Investments unterschätzen. Ein ELTIF könne in einer Depotansicht zwar wie ein gewöhnlicher Fonds erscheinen, wirtschaftlich handle es sich jedoch häufig um ein langfristiges und nur eingeschränkt verkäufliches Investment.
Interne Handelsplattformen oder andere Sekundärmarktmechanismen änderten daran grundsätzlich nichts. "Sie funktionieren nur, solange sich Käufer finden. In Stressphasen kann aus vermeintlicher Handelbarkeit eine Warteschlange werden", warnt Linden.
Von besonderer Bedeutung seien vielmehr die Rückgabebedingungen eines Produkts. Dazu zählen Rücknahmefenster, Lock-up-Fristen, mögliche Gates, Liquiditätsquoten und die Frage, unter welchen Bedingungen Anleger tatsächlich über ihr Kapital verfügen können. Hinzu kommen komplexe und mehrstufige Gebührenmodelle.
Eine grundsätzlich neue regulatorische Architektur fordert die Bafin derzeit nicht. Nach Einschätzung Lindens ist der Markt auf Produkt-, Manager- und Vertriebsebene bereits umfassend reguliert.
Entscheidend sei vielmehr, bestehende Regeln konsequent anzuwenden und ihre tatsächliche Wirksamkeit zu überprüfen. Das betrifft insbesondere die Eignungsprüfung von Anlegern, die Kostentransparenz sowie die Risikokennzeichnung grenzüberschreitend vertriebener Produkte.
"Mehr Regulierung allein wird die Fragen nicht lösen", sagt Linden. Neben der Aufsicht seien auch Anbieter und Vertriebe in der Verantwortung. Erforderlich seien eine ehrliche Beratung und ein Vertrieb, der die wirtschaftlichen Eigenschaften der Produkte nicht hinter vereinfachten Verkaufsbotschaften verschwinden lasse.
Bei einzelnen regulatorischen Fragen sieht die Bafin dennoch Nachbesserungsbedarf und plädiert dafür, "gezielt an den erkennbaren Schwachstellen zu arbeiten, anstatt reflexhaft nach immer neuen Vorgaben zu rufen".
Das vollständige Interview mit Felicitas Linden erscheint in zwei Teilen bei INSIDE Private Equity.
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