
Welche Aktie passt gerade wirklich zum Markt? Hannes Hörtnagl und Benjamin Deutsch zeigen, warum Anleger zuerst Konjunktur, Zinsen und Liquidität verstehen sollten, bevor sie sich für ein Investment entscheiden.
Wer bei Geldfragen ständig nach der nächsten Einschätzung von außen sucht, kann viel wissen und trotzdem ohne eigenes Urteil dastehen. "Die Entscheidung können Sie delegieren. Das Risiko bleibt trotzdem bei Ihnen", sagt Benjamin Deutsch. Gemeinsam mit Hannes Hörtnagl hat er INVEST IN BEST AG aufgebaut, eine Bildungsplattform mit Schwerpunkt auf Finanzwissen, Marktzyklen und eigenständigem Entscheiden. Im Interview geht es deshalb weniger um die nächste Anlageidee als um eine grundlegendere Frage: Wie lernt man, Märkte selbst einzuordnen, Risiken besser zu verstehen und irgendwann nicht einmal mehr die Bestätigung der eigenen Experten zu brauchen?
1. Zu Beginn ein Selbstcheck: Woher weiß ich, ob ich bei Geldfragen stärker fremden Einschätzungen folge als meinem eigenen Urteil?
Deutsch: Ein guter Test ist: Wenn Sie vor einer Entscheidung erst fünf Expertenmeinungen brauchen, bei jeder neuen Schlagzeile wieder zweifeln oder eine Position nur deshalb halten, weil jemand anderes weiterhin davon überzeugt ist, dann entscheiden Sie nicht selbst. Besonders deutlich wird es, wenn Sie nicht sagen können, unter welchen Bedingungen Sie Ihre Meinung ändern würden. Dann haben Sie keine eigene Entscheidungsgrundlage, sondern eine übernommene Überzeugung.
2. Was sollte man davon als Erstes verlernen?
Hörtnagl: Ganz klar, dass jemand anderes einem die Entscheidung abnehmen kann. Natürlich kann und soll man sich Wissen holen, Experten zuhören und unterschiedliche Sichtweisen prüfen. Problematisch wird es, wenn daraus automatisch die eigene Entscheidung wird. Wer nur fragt "Was soll ich kaufen?" oder "Was würden Sie jetzt tun?", überspringt den wichtigsten Schritt: selbst zu verstehen, warum etwas sinnvoll sein könnte und welches Risiko dazugehört.
3. Was raten Sie stattdessen?
Hörtnagl: Nicht beim Produkt anfangen. Die meisten fragen zuerst: Welche Aktie, welcher Fonds, welches Investment? Wir drehen die Reihenfolge um. Zuerst muss ich verstehen, was wirtschaftlich gerade passiert. Erst danach stellt sich die Frage, welches Investment überhaupt dazu passt.
Deutsch: Genau. Wir gehen von außen nach innen. Zuerst bestimmen wir die wirtschaftliche "Jahreszeit": Haben wir Wachstum oder Abschwächung, Inflation oder Deflation, viel oder wenig Liquidität? Dann prüfen wir, ob die Makrodaten dieses Bild bestätigen. Erst danach schauen wir auf einzelne Märkte, Bewertungen und schließlich auf den richtigen Zeitpunkt für einen Einstieg. Das klingt zunächst aufwendiger, spart aber viele Fehlentscheidungen.
Denn eine gute Aktie kann im falschen Umfeld trotzdem ein schlechtes Investment sein. Wer die Reihenfolge versteht, jagt weniger Trends hinterher.
4. Was lernt jemand bei Invest in Best konkret, damit aus dieser Erkenntnis eigenes Handeln wird?
Hörtnagl: Wir versuchen nicht, den Leuten jede Woche neue Kaufideen hinzulegen. Sie sollen lernen, selbst ein Marktbild aufzubauen.
Dazu gehört: Konjunktur- und Marktzyklen einordnen, Makrodaten lesen, verstehen, wie Zinsen, Inflation oder Liquidität auf verschiedene Anlageklassen wirken, und daraus Konsequenzen für das eigene Portfolio ableiten. Und Sie merken ziemlich schnell, wie viel ruhiger man auf Märkte schaut, wenn man plötzlich versteht, warum etwas passiert.
In unseren regelmäßigen Marktupdates zeigen wir deshalb nicht nur, was wir gerade sehen, sondern vor allem, wie wir zu dieser Einschätzung kommen. Irgendwann soll jemand dieselben Fragen an einen Markt stellen können, auch wenn wir nicht danebenstehen.
Deutsch: Und Wissen allein reicht nicht. Man kann zwanzig Bücher gelesen haben und trotzdem beim ersten Kursrutsch alles über Bord werfen. Deshalb geht es bei uns auch darum, Erkenntnisse in Routinen zu übersetzen: Informationen filtern, Entscheidungen vorbereiten, Risiken bewusst begrenzen und nicht bei jeder Schlagzeile den Kurs ändern.
5. Welche Entscheidungen sollte ein Mitglied nach einem Jahr selbstständiger treffen können als vorher?
Deutsch: Zum Beispiel selbst einschätzen zu können, ob eine Anlage überhaupt zum aktuellen Marktumfeld passt und wann es sinnvoll ist, auch einmal nichts zu tun. Genau das ist für mich Fortschritt: nicht ständig nach einer neuen Empfehlung zu suchen, sondern Chancen und Risiken selbst besser einordnen zu können.
6. Warum endet dieser Weg für Sie nicht bei Geld und Investments?
Hörtnagl: Weil ein gut gefülltes Depot noch kein gutes Leben ergibt. Sie können finanziell hervorragend aufgestellt sein und gleichzeitig gesundheitlich ausbrennen oder sozial völlig isoliert sein. Deshalb verbinden wir Investments bewusst mit Gesundheit, Unternehmertum und Netzwerk.
7. Was sollte ein Mensch nach einigen Jahren mit Invest in Best nicht mehr von Ihnen brauchen?
Hannes Hörtnagl: Unsere Bestätigung. Wenn die Märkte plötzlich zehn Prozent fallen, sollte nicht der erste Impuls sein: "Was sagen Hannes und Benjamin jetzt?" Im besten Fall weiß jemand selbst, welche Fragen er prüfen muss und ob sich an seiner Ausgangslage überhaupt etwas verändert hat. Genau daran messen wir unseren Erfolg. Nicht daran, ob jemand möglichst lange von uns abhängig bleibt, sondern daran, ob er uns irgendwann deutlich weniger braucht.
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Über die Interviewten:
Hannes Hörtnagl ist Mitgründer von Invest in Best. Sein Weg führte ihn vom Polizeidienst über einen eigenen Olivenölbetrieb in der Toskana in die Selbstständigkeit. Später arbeitete er in Handel, Marketing und Kommunikation. Heute verbindet er bei Invest in Best vor allem Unternehmertum, Netzwerk und Eigenverantwortung. Als Portfoliomanager der Liechtensteiner ZEUS Anstalt verantworten beide die Strategie eines börsennotierten AMC.
Benjamin Deutsch ist Mitgründer von Invest in Best und seit rund 20 Jahren an den Finanzmärkten aktiv. Nach einem Verlust von rund 80 Prozent seines Vermögens suchte er nach einem systematischeren Ansatz. Über Poker und Wahrscheinlichkeitsdenken kam er schließlich zu Marktzyklen, Makroanalyse und Risikomanagement.
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