Hamburg (ots) -
Journalismus erlebt weltweit eine Phase von Umbruch und Aufruhr. Ende und Ergebnis sind nicht abzusehen. Neu ist, dass gleich in zwei deutschen Bundesländern eine Partei in Reichweite der Macht ist, die die Kündigung des Medienstaatsvertrags zu einem zentralen Wahlversprechen gemacht hat. Was bisher offensichtlich und selbstverständlich war - dass unabhängige, professionell gemachte Information eine unverzichtbare Säule der Demokratie ist - wird nicht mehr von einer gesicherten Mehrheit geteilt. Immer mehr Menschen glauben, dass Wahrheit nur in den Weiten des Netzes zu finden ist. Auf Fakten basierender Journalismus steht unter nie dagewesenem Druck.
Daher hat die Jury des Hanns-Joachim-Friedrichs-Preises für Fernsehjournalismus unter dem Vorsitz von Sandra Maischberger ihren Fokus auf besondere Leistungen gerichtet, die der Meinungs- und Pressefreiheit unter diesen Bedingungen dienen. Für ihre Beiträge aus sehr unterschiedlicher Perspektive werden in diesem Jahr zwei Journalistinnen ausgezeichnet:
Der Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis 2026 geht zu gleichen Teilen an
Sarah Tacke,
die Leiterin der ZDF-Redaktion Recht und Justiz,
und an
Dunja Hayali,
ZDF-Moderatorin von "heute journal" und "Morgenmagazin".
Mit dem Hanns-Joachim-Friedrichs-Förderpreis 2026 wird der Journalist Manuel Biallas (NDR) ausgezeichnet.
Ein Sonderpreis geht an die Redaktion der Sendung "ZAPP" (NDR), die differenzierte, verständliche Einordnung zu kontroversen Medienthemen liefert und die Arbeit von Journalistinnen und Journalisten erklärt und hinterfragt.
Zu den Preisträger:innen und der Begründung der Jury:
HAUPTPREIS
Dunja Hayali
Seit vielen Jahren wächst in der Öffentlichkeit Misstrauen gegen "Mainstream"-Medien, während sich giftiger Einfluss der US-Plattformen in unsere Kultur professionell "kuratierter" Information frisst.
Social Media wurden eine mächtige Alternative zu unserem klassischen Konzept. Wer in dieser Zeit seinen Berufsweg begann, konnte ohne sie nicht mehr reüssieren. Seitdem verschwimmen Grenzen zwischen Privatem und Professionellem. Dunja Hayalis Hund schafft es ins "heute-journal", Tätowierungen werden auf Instagram nicht verborgen. Wer es braucht, kann sich ein Bild davon machen "was das für eine ist" und schiebt sie in die Schublade, die in seiner Welt für "solche Typen" vorgesehen ist. Das passiert noch mehr, wenn Dunja Hayali auf Rechtsaußen-Demonstranten, "Querdenker" oder Salafisten zugeht, Fragen stellt und die Aggressionen, denen sie dabei ausgesetzt ist, öffentlich macht - so roh sie auch sein mögen. Ihre Fragen werden nicht beantwortet, stattdessen wird die Fragende angegriffen. Bei Drehs für Reportagen entstehen Bilder nicht von Dialog, sondern von Konfrontation, und es kann der Eindruck entstehen, dass es nicht mehr um die Kundgebung geht, sondern um die Reporterin. Damit muss sie zurechtkommen - wie auch mit der Kritik, die damit einhergeht. Seit mehr als einem Jahrzehnt steht sie aufrecht in der nie endenden Serie von "Shitstorms", die über sie hereinbrechen -voller Hass und Gewaltfantasien.
Und dann ist sie, im Studio von "heute-journal" und "ZDF-Morgenmagazin", wieder die professionelle Moderatorin, die bestens vorbereitet in alle Richtungen kritisch fragt, bei der Sache bleibt, und gerne auch mal lacht - selten, dass sie ausrutscht. Bei ihren Doku Reportagen, beispielsweise zuletzt über Missstände bei der Deutschen Bahn, erlebt man, wie sie auf Menschen zugeht, Vertrauen weckt und Dinge erfährt, die bei den Interviewten nicht auf dem Sprechzettel standen.
In einer Zeit, in der Journalistinnen und Journalisten zeitgemäße Wege suchen, die Ergebnisse ihrer Arbeit an die Öffentlichkeit zu bringen, liefert Dunja Hayali ein mutiges, erfolgreiches Modell.
Sarah Tacke
Die Leiterin der ZDF-Redaktion "Recht und Justiz" ist eine promovierte Juristin und wurde dann zur Vollblut-Journalistin. Sie hat Jura studiert, um Journalistin zu werden. Das erweist sich als segensreiche Kombination. Jurist:innen lernen, noch aus den komplexesten Vorgängen die (meist wenigen) Elemente herauszugreifen, auf die es ankommt, und hinter lautstark vorgetragenen Argumenten die eigentlichen Interessen zu erkennen - Kernaufgaben auch des Journalismus. Das gilt auch für die Erfahrung, dass Menschen Dinge grundverschieden sehen und darüber streiten können. Wer als Anwältin nicht weiß, wie die Gegenseite tickt, wird auf Dauer nicht erfolgreich sein. Da begegnen sich Justitia und Journalismus.
Zuschauer spüren Kompetenz und Objektivität, wenn Sarah Tacke im Studio der ZDF Magazinsendungen und des "heute-journals" die Rechtslage erklärt - bei so komplizierten Sachverhalten wie Abschiebung, Parteiverbot, künstliche Befruchtung und Leihmutterschaft oder die oft unbefriedigenden Strafverfahren wegen sexueller Gewalt. Der demokratische Rechtsstaat erfüllt seine Aufgaben mit den Mitteln des Rechts. So ist die Arbeit der Juristin Sarah Tacke politischer, aber nicht politisierender Journalismus. Als sie für eine ZDF-Dokumentation über Sozialleistungen auf glaubwürdige Hinweise stößt, dass das System erheblichen Missbrauch erlaubt, geht sie der Sache nach und macht es öffentlich.
Die Quittung im Netz ist ein Shitstorm, in dem ihr vorgeworfen wird, sie führe Krieg gegen alle, die auf Hilfe des Sozialstaats angewiesen sind. Dass Missbrauch solcher Leistungen auch auf Kosten der tatsächlich Berechtigten geht, ist für diese Bühne zu komplex. Das ZDF hat den Sachverhalt ein weiteres Mal untersucht und steht zu dem Film und seiner Autorin.
Die Jury würdigt Sarah Tackes Beitrag zu Wahrheit und Klarheit im demokratischen Diskurs.
FÖRDERPREIS
Manuel Biallas
Der Förderpreis soll nach dem Willen der Jury Kolleginnen und Kollegen fördern, deren bereits vorliegende Arbeiten ihre herausragenden Qualitäten unter Beweis gestellt haben. Neben finanzieller Anerkennung soll er Aufmerksamkeit für junge Talente schaffen. 2026 geht er an Manuel Biallas, einen freien Journalisten beim NDR und Autor herausragender Dokumentationen und Reportagen. Er beschäftigt sich mit Themen wie Migration, sozialer Ungleichheit, Extremismus und Menschenrechten. Seine Filme und Texte, Ergebnisse gründlicher Recherchen, bleiben nah an Protagonisten, sind gut verständlich und auf Augenhöhe erzählt. Seine 43-minütige NDR-Story "Die Lüge vom sozialen Aufstieg?" (Frühjahr 2026) ist ein besonderer Höhepunkt seiner Arbeit.
DER SONDERPREIS
ZAPP-Redaktion
Seit 2002, beinahe einem Vierteljahrhundert, ist die NDR-Redaktion ZAPP ein zuverlässiger Beobachter und Kritiker des journalistischen Gewerbes.
Journalisten üben lieber Kritik, als dass sie sie einstecken. ZAPP lenkt Linse und Mikrophon auf die Wunden. Wenn Medienhäuser in der ganzen Republik die Vorwürfe des "Plagiatejägers" Weber wiederkäuen, statt sie kritisch zu überprüfen und damit möglicherweise einer existenzvernichtenden Rufschädigung Vorschub leisten, wenn Umfragen zeigen, dass das deutsche Publikum der Berichterstattung über den Krieg in Gaza nicht mehr vertraut, wenn sich Klischees in Formulierungen und Bildauswahl schleichen, macht ZAPP das öffentlich. Von ZAPP kam frühe Kritik an einer - wie man es dort sah - teilweise unkritischen Berichterstattung über die Flüchtlingspolitik 2015/16 - und dann wieder andersherum, als Flüchtende nur noch als Masse und nicht mehr als Individuen, Einzelschicksale gezeigt wurden.
Wir brauchen eine solche Begleitung, besonders im "Fernsehen" (auf welchen Kanälen und Plattformen auch immer), weil Fernsehleute sich oft unverstanden fühlen von den Kolleg:innen der schreibenden Zunft, die die Zwänge Beschränkungen unseres Handwerks nicht kennen - wie etwa den Druck im Studio, in Bruchteilen von Sekunden eine schlagfertige nächste Frage parat zu haben. Oder eine Geschichte zu erzählen, zu der bewegte Bilder fehlen. ZAPP kennt unsere Schwächen und Stärken von innen. Die Sendung wird ernst genommen, hält uns wach und selbstkritisch. Sie verdient die auch öffentliche Unterstützung des Hanns-Joachim Friedrichs Preises.
INFORMATIONEN ZUR PREISVERLEIHUNG UND ZUM VEREIN
Gastgeber der Preisverleihung, die am 5. November 2026 in Hamburg stattfindet, ist der Norddeutsche Rundfunk. Die Preisverleihung und die darin integrierte Diskussion mit dem Thema "Journalismus und der Angriff auf die Demokratie - Zeit sich mit einer Sache gemein zu machen?", wird in diesem Jahr von Caren Miosga moderiert. Die Aufzeichnung wird noch am selben Abend ausgestrahlt.
Die jährliche Preisverleihung findet abwechselnd beim Norddeutschen Rundfunk (NDR) in Hamburg und beim Westdeutschen Rundfunk (WDR) in Köln statt.\u2028
Der Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis würdigt seit 1995 herausragende Leistungen des kritischen Fernsehjournalismus. Die Jury umfasst die Gründer und die bisherigen Preisträgerinnen und Preisträger. Die Intendanten von WDR, Dr. Katrin Vernau, und NDR, Hendrik Lünenborg, sind Schirmherren des Preises. Ihre Sender unterstützen die Förderung außerordentlicher journalistischer Leistungen.
Pressekontakt:
Norddeutscher Rundfunk
Unternehmenskommunikation
Presse und Kommunikation
Mail: presse@ndr.de
Original-Content von: NDR Norddeutscher Rundfunk, übermittelt durch news aktuell
Originalmeldung: https://www.presseportal.de/pm/6561/6362463
Journalismus erlebt weltweit eine Phase von Umbruch und Aufruhr. Ende und Ergebnis sind nicht abzusehen. Neu ist, dass gleich in zwei deutschen Bundesländern eine Partei in Reichweite der Macht ist, die die Kündigung des Medienstaatsvertrags zu einem zentralen Wahlversprechen gemacht hat. Was bisher offensichtlich und selbstverständlich war - dass unabhängige, professionell gemachte Information eine unverzichtbare Säule der Demokratie ist - wird nicht mehr von einer gesicherten Mehrheit geteilt. Immer mehr Menschen glauben, dass Wahrheit nur in den Weiten des Netzes zu finden ist. Auf Fakten basierender Journalismus steht unter nie dagewesenem Druck.
Daher hat die Jury des Hanns-Joachim-Friedrichs-Preises für Fernsehjournalismus unter dem Vorsitz von Sandra Maischberger ihren Fokus auf besondere Leistungen gerichtet, die der Meinungs- und Pressefreiheit unter diesen Bedingungen dienen. Für ihre Beiträge aus sehr unterschiedlicher Perspektive werden in diesem Jahr zwei Journalistinnen ausgezeichnet:
Der Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis 2026 geht zu gleichen Teilen an
Sarah Tacke,
die Leiterin der ZDF-Redaktion Recht und Justiz,
und an
Dunja Hayali,
ZDF-Moderatorin von "heute journal" und "Morgenmagazin".
Mit dem Hanns-Joachim-Friedrichs-Förderpreis 2026 wird der Journalist Manuel Biallas (NDR) ausgezeichnet.
Ein Sonderpreis geht an die Redaktion der Sendung "ZAPP" (NDR), die differenzierte, verständliche Einordnung zu kontroversen Medienthemen liefert und die Arbeit von Journalistinnen und Journalisten erklärt und hinterfragt.
Zu den Preisträger:innen und der Begründung der Jury:
HAUPTPREIS
Dunja Hayali
Seit vielen Jahren wächst in der Öffentlichkeit Misstrauen gegen "Mainstream"-Medien, während sich giftiger Einfluss der US-Plattformen in unsere Kultur professionell "kuratierter" Information frisst.
Social Media wurden eine mächtige Alternative zu unserem klassischen Konzept. Wer in dieser Zeit seinen Berufsweg begann, konnte ohne sie nicht mehr reüssieren. Seitdem verschwimmen Grenzen zwischen Privatem und Professionellem. Dunja Hayalis Hund schafft es ins "heute-journal", Tätowierungen werden auf Instagram nicht verborgen. Wer es braucht, kann sich ein Bild davon machen "was das für eine ist" und schiebt sie in die Schublade, die in seiner Welt für "solche Typen" vorgesehen ist. Das passiert noch mehr, wenn Dunja Hayali auf Rechtsaußen-Demonstranten, "Querdenker" oder Salafisten zugeht, Fragen stellt und die Aggressionen, denen sie dabei ausgesetzt ist, öffentlich macht - so roh sie auch sein mögen. Ihre Fragen werden nicht beantwortet, stattdessen wird die Fragende angegriffen. Bei Drehs für Reportagen entstehen Bilder nicht von Dialog, sondern von Konfrontation, und es kann der Eindruck entstehen, dass es nicht mehr um die Kundgebung geht, sondern um die Reporterin. Damit muss sie zurechtkommen - wie auch mit der Kritik, die damit einhergeht. Seit mehr als einem Jahrzehnt steht sie aufrecht in der nie endenden Serie von "Shitstorms", die über sie hereinbrechen -voller Hass und Gewaltfantasien.
Und dann ist sie, im Studio von "heute-journal" und "ZDF-Morgenmagazin", wieder die professionelle Moderatorin, die bestens vorbereitet in alle Richtungen kritisch fragt, bei der Sache bleibt, und gerne auch mal lacht - selten, dass sie ausrutscht. Bei ihren Doku Reportagen, beispielsweise zuletzt über Missstände bei der Deutschen Bahn, erlebt man, wie sie auf Menschen zugeht, Vertrauen weckt und Dinge erfährt, die bei den Interviewten nicht auf dem Sprechzettel standen.
In einer Zeit, in der Journalistinnen und Journalisten zeitgemäße Wege suchen, die Ergebnisse ihrer Arbeit an die Öffentlichkeit zu bringen, liefert Dunja Hayali ein mutiges, erfolgreiches Modell.
Sarah Tacke
Die Leiterin der ZDF-Redaktion "Recht und Justiz" ist eine promovierte Juristin und wurde dann zur Vollblut-Journalistin. Sie hat Jura studiert, um Journalistin zu werden. Das erweist sich als segensreiche Kombination. Jurist:innen lernen, noch aus den komplexesten Vorgängen die (meist wenigen) Elemente herauszugreifen, auf die es ankommt, und hinter lautstark vorgetragenen Argumenten die eigentlichen Interessen zu erkennen - Kernaufgaben auch des Journalismus. Das gilt auch für die Erfahrung, dass Menschen Dinge grundverschieden sehen und darüber streiten können. Wer als Anwältin nicht weiß, wie die Gegenseite tickt, wird auf Dauer nicht erfolgreich sein. Da begegnen sich Justitia und Journalismus.
Zuschauer spüren Kompetenz und Objektivität, wenn Sarah Tacke im Studio der ZDF Magazinsendungen und des "heute-journals" die Rechtslage erklärt - bei so komplizierten Sachverhalten wie Abschiebung, Parteiverbot, künstliche Befruchtung und Leihmutterschaft oder die oft unbefriedigenden Strafverfahren wegen sexueller Gewalt. Der demokratische Rechtsstaat erfüllt seine Aufgaben mit den Mitteln des Rechts. So ist die Arbeit der Juristin Sarah Tacke politischer, aber nicht politisierender Journalismus. Als sie für eine ZDF-Dokumentation über Sozialleistungen auf glaubwürdige Hinweise stößt, dass das System erheblichen Missbrauch erlaubt, geht sie der Sache nach und macht es öffentlich.
Die Quittung im Netz ist ein Shitstorm, in dem ihr vorgeworfen wird, sie führe Krieg gegen alle, die auf Hilfe des Sozialstaats angewiesen sind. Dass Missbrauch solcher Leistungen auch auf Kosten der tatsächlich Berechtigten geht, ist für diese Bühne zu komplex. Das ZDF hat den Sachverhalt ein weiteres Mal untersucht und steht zu dem Film und seiner Autorin.
Die Jury würdigt Sarah Tackes Beitrag zu Wahrheit und Klarheit im demokratischen Diskurs.
FÖRDERPREIS
Manuel Biallas
Der Förderpreis soll nach dem Willen der Jury Kolleginnen und Kollegen fördern, deren bereits vorliegende Arbeiten ihre herausragenden Qualitäten unter Beweis gestellt haben. Neben finanzieller Anerkennung soll er Aufmerksamkeit für junge Talente schaffen. 2026 geht er an Manuel Biallas, einen freien Journalisten beim NDR und Autor herausragender Dokumentationen und Reportagen. Er beschäftigt sich mit Themen wie Migration, sozialer Ungleichheit, Extremismus und Menschenrechten. Seine Filme und Texte, Ergebnisse gründlicher Recherchen, bleiben nah an Protagonisten, sind gut verständlich und auf Augenhöhe erzählt. Seine 43-minütige NDR-Story "Die Lüge vom sozialen Aufstieg?" (Frühjahr 2026) ist ein besonderer Höhepunkt seiner Arbeit.
DER SONDERPREIS
ZAPP-Redaktion
Seit 2002, beinahe einem Vierteljahrhundert, ist die NDR-Redaktion ZAPP ein zuverlässiger Beobachter und Kritiker des journalistischen Gewerbes.
Journalisten üben lieber Kritik, als dass sie sie einstecken. ZAPP lenkt Linse und Mikrophon auf die Wunden. Wenn Medienhäuser in der ganzen Republik die Vorwürfe des "Plagiatejägers" Weber wiederkäuen, statt sie kritisch zu überprüfen und damit möglicherweise einer existenzvernichtenden Rufschädigung Vorschub leisten, wenn Umfragen zeigen, dass das deutsche Publikum der Berichterstattung über den Krieg in Gaza nicht mehr vertraut, wenn sich Klischees in Formulierungen und Bildauswahl schleichen, macht ZAPP das öffentlich. Von ZAPP kam frühe Kritik an einer - wie man es dort sah - teilweise unkritischen Berichterstattung über die Flüchtlingspolitik 2015/16 - und dann wieder andersherum, als Flüchtende nur noch als Masse und nicht mehr als Individuen, Einzelschicksale gezeigt wurden.
Wir brauchen eine solche Begleitung, besonders im "Fernsehen" (auf welchen Kanälen und Plattformen auch immer), weil Fernsehleute sich oft unverstanden fühlen von den Kolleg:innen der schreibenden Zunft, die die Zwänge Beschränkungen unseres Handwerks nicht kennen - wie etwa den Druck im Studio, in Bruchteilen von Sekunden eine schlagfertige nächste Frage parat zu haben. Oder eine Geschichte zu erzählen, zu der bewegte Bilder fehlen. ZAPP kennt unsere Schwächen und Stärken von innen. Die Sendung wird ernst genommen, hält uns wach und selbstkritisch. Sie verdient die auch öffentliche Unterstützung des Hanns-Joachim Friedrichs Preises.
INFORMATIONEN ZUR PREISVERLEIHUNG UND ZUM VEREIN
Gastgeber der Preisverleihung, die am 5. November 2026 in Hamburg stattfindet, ist der Norddeutsche Rundfunk. Die Preisverleihung und die darin integrierte Diskussion mit dem Thema "Journalismus und der Angriff auf die Demokratie - Zeit sich mit einer Sache gemein zu machen?", wird in diesem Jahr von Caren Miosga moderiert. Die Aufzeichnung wird noch am selben Abend ausgestrahlt.
Die jährliche Preisverleihung findet abwechselnd beim Norddeutschen Rundfunk (NDR) in Hamburg und beim Westdeutschen Rundfunk (WDR) in Köln statt.\u2028
Der Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis würdigt seit 1995 herausragende Leistungen des kritischen Fernsehjournalismus. Die Jury umfasst die Gründer und die bisherigen Preisträgerinnen und Preisträger. Die Intendanten von WDR, Dr. Katrin Vernau, und NDR, Hendrik Lünenborg, sind Schirmherren des Preises. Ihre Sender unterstützen die Förderung außerordentlicher journalistischer Leistungen.
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