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Zweimal im selben Jahr die Prognose anheben. Sowas gelingt nicht vielen Unternehmen. Redcare Pharmacy hat es gerade geschafft. Die Aktie sprang zuletzt sogar an die SDAX-Spitze. Die Online-Apotheke wirkt wie ausgewechselt, denn noch vor kurzem sah das alles, bezogen auf den Kursverlauf, anders aus. Der Motor heißt E-Rezept. Er läuft besser als gedacht. Das Rezeptgeschäft in Deutschland wächst deutlich. Doch reicht der Schwung für den Sprung über die 70-Euro-Marke? Der Chart sieht vielversprechend aus, Analysten trauen der Aktie noch mehr zu. Mindestens aber ein Indikator mahnt zur Vorsicht. Was dahintersteckt und wie ein kluger Einstieg aussehen könnte, lesen Sie hier.
Das E-Rezept "gibt Gas"!
Redcare legt nach. Zum zweiten Mal in diesem Jahr hebt der Online-Händler seine Umsatzziele an. Für 2026 sind jetzt 16 bis 18 Prozent Wachstum drin, zuvor waren es 15 bis 17 Prozent. Den Schub liefern die rezeptpflichtigen Medikamente. Allein in Deutschland erwartet das Unternehmen dort 730 bis 760 Millionen Euro Umsatz. Das wäre ein Plus von bis zu 51 Prozent. Im dritten Quartal legte das Rx-Geschäft vorläufig um 56 Prozent zu, im September um 51 Prozent. Und das trotz hoher Vorjahresbasis. Die Kunden mögen offensichtlich das E-Rezept immer mehr. Auch die rezeptfreien Produkte berappeln sich nach einem schwachen Juli. Hier bleibt das Ziel bei 10 bis 12 Prozent. Die bereinigte EBITDA-Marge soll 2,5 bis 3,0 Prozent erreichen. Im zweiten Quartal lag sie bei 3,5 Prozent, im dritten etwa gleich. Die Börse dankte es der Aktie: Diese sprang zeitweise um mehr als 12 Prozent nach oben.

Charttechnik
Der Chart macht derzeit Spaß für die Investoren und bringt Freude, viel mehr als es noch vor einigen Monaten im Abwärtstrend düsterer aussah. Zuletzt ging es vom September-Tief bei 52 Euro ging es kräftig nach oben bis auf fast 74 Euro. Der 50er SMA bei 61,66 Euro ist damit deutlich geknackt, aktuell steht die Aktie bei etwa 73,20 Euro. Jetzt wartet die Hürde bei 75 Euro. Schon im Juli war hier in etwa auf dem gleichen Niveau Schluss. Diesmal steht das operative Geschäft dahinter. Gelingt der nachhaltige Ausbruch, ist der Weg Richtung 80 bis 90 Euro offen. Ein kleiner Dämpfer ist allerdings der RSI. Dieser liegt schon bei 67 Punkten. Überhitzt ist das noch nicht, aber nah dran. Eine kurze Verschnaufpause wäre völlig normal. Wer nicht hinterherlaufen will, legt Kauflimits aus in Richtung 70 Euro und knapp darunter und steigt bei Rücksetzern gestaffelt ein.
Was tun?
Die Zahlen sprechen für Redcare. Ein boomendes Rezeptgeschäft, zweimal höhere Prognose, stabile Marge. Sieben von zehn Analysten raten zum Kauf, keiner zum Verkauf. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei über 87 Euro, Jefferies nennt 97 Euro. Aber es gibt auch Risiken. Die Marge ist noch relativ dünn und mehr Umsatz wird nicht automatisch mehr Gewinn. Die Bewertung ist durch den Anstieg schon recht anspruchsvoll geworden. Dazu kommt der Wechsel an der Konzernspitze. Am 29. Oktober folgen die Q3-Zahlen, das wird ein wichtiger Test. Wer schon dabei ist, bleibt an Bord. Neueinsteiger können eventuell mit einer kleinen Position anfangen und kaufen bei Rücksetzern nach. Wichtig ist bei alledem einen passenden Stoppkurs zu setzen und das Risiko damit zu begrenzen.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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