
© Foto: Mikhail Mamaev auf Unsplash.
Die Anteile der Deutschen Bank geraten immer stärker unter Druck, auch am Donnerstag verliert das Papier deutlich. Dadurch gerät der Aufwärtstrend in Gefahr.
Europäische Banken: Der Rücken- wird jetzt zum Gegenwind!
Finanzwerte gehörten in den vergangenen Jahren zu den Outperformern am deutschen und europäischen Aktienmarkt. Warfen die Institute während der Null- und Niedrigzinsjahre nur wenig Rendite ab, hat sich das nach der globalen Zinswende und ersten Erhöhungen durch die EZB geändert. Plötzlich erwirtschaften Commerzbank, Deutsche Bank und Co. wieder Milliardengewinne. Auch in diesem Jahr konnte die Branche bei Anlegerinnen und Anlegern punkten. Hierzulande war vor allem die Commerzbank aufgrund des Übernahmeinteresses durch die Unicredit gefragt.
Der steile Anstieg der Anleiherenditen und damit auch der Marktzinsen wird für die Branche inzwischen aber vom Rücken- zum Gegenwind. Zwar sorgen höhere Zinsen für stärkere Erträge auf die Kundeneinlagen, allerdings sinkt gleichzeitig der Wert des bestehenden Anleiheportfolios. Da sich der Abverkauf sowohl am europäischen als auch am US-amerikanischen Anleihemarkt aber immer weiter verschärft, sinken auch die Portfoliowerte immer schneller. In den vergangenen Tagen wurde das mit heftigen Kursverlusten vor allem bei der Deutschen Bank quittiert, wodurch die Aktie in Schwierigkeiten gerät.

Deutsche-Bank-Aktie: Der Aufwärtstrend gerät in Gefahr!
Übergeordnet befindet sich die Deutsche-Bank-Aktie in einem mehrjährigen Aufwärtstrend, der ausgerechnet auf dem Höhepunkt der Corona-Krise gestartet wurde. Der Bärenmarkt 2022 sorgte zwar zeitweise für empfindliche Kursverluste, dafür gewann die Aufwärtsdynamik nach 2023 zügig an Fahrt. Dazu trugen nicht nur die steigenden Zinsen, sondern auch die allmähliche Erholung der deutschen und europäischen Konjunktur bei.
Anfang September kletterten die Anteile schließlich auf 35,85 Euro und damit auf den höchsten Stand seit mehr als 15 Jahren. Seither geht es jedoch steil bergab. Zeitlich fällt der Beginn der Abwärtsbewegung mit einem verschärften Abverkauf am europäischen Anleihemarkt zusammen - der Euro-Bund-Future hat in den vergangenen 4 Wochen 2,5 Prozent an Wert verloren, seit dem Jahresanfang sind es sogar 6,3 Prozent, da Investoren verstärkt auf weitere Zinserhöhungen der EZB wetten. Aus technischer Perspektive sind bearishe Divergenzen für die Trendwende verantwortlich.
Nach -14 Prozent in vier Wochen: Erste Verkaufssignale liegen bereits vor ...
Zwar kletterte die Aktie auf neue Mehrjahreshochs, die technischen Indikatoren RSI und MACD konnten den Anteilen jedoch nicht folgen, sie verpassten es, neue Hochs zu markieren. Dadurch blieben die jüngsten Höchststände technisch ohne Bestätigung und auch der Versuch einer Aufwärtstrendverschärfung mit einem Ausbruch aus dem Trendkanal scheiterte. Das wurde mit Gewinnmitnahmen quittiert, die sich unter dem Eindruck verschlechternder technischer Indikatoren rasch beschleunigten. Inzwischen ist die Aktie sowohl unter die 50-Tage-Linie als auch die Horizontalunterstützung bei 32 Euro gefallen.
Am Donnerstag verliert die Deutsche Bank weitere 3 Prozent an Wert. Dadurch wird das Unterschreiten von 32 Euro bestätigt, während gleichzeitig die Aufwärtstrendunterkante in Gefahr gerät. Wird diese Unterschritten, dürfte die Aktie bis in den Bereich der zwischen 29,50 und 30,00 Euro verlaufenden Unterstützung durchgereicht werden, wo zunehmend auch der langfristige Aufwärtstrend in Gefahr geraten würde, da hier auch die 200-Tage-Linie verläuft.
... doch das Schlimmste könnte erst noch bevorstehen
Die Gefahr einer solchen Korrekturfortsetzung ist gegenwärtig groß. Am Anleihenmarkt ist bislang keinerlei Entspannung zu erkennen, im Gegenteil stürzen am Donnerstag vor allem französische Staatsanleihen ab. Für Schuldpapiere mit einer Laufzeit von 10 Jahren werden inzwischen 4,95 Prozent fällig und damit mehr als für italienische (4,72 Prozent) oder spanische (4,21 Prozent) Anleihen. Der deutsche Bund muss seinen Gläubigern derweil 3,62 Prozent bieten und damit so viel wie seit 2009 nicht mehr. Das deutet zunehmend auf systemischen Stress hin, von dem Banken in aller Regel zuerst betroffen sind.
Technisch mahnt vor allem die ausgeprägte Schwäche der Aktie zur Vorsicht. Mit Blick auf den Relative-Stärke-Index (RSI) ist der Abwärtstrend zwar weit fortgeschritten, aber noch nicht überverkauft. Das deutet auf weiteres Abwärtspotenzial hin. Unterdessen ist der Trendstärkeindikator MACD weit unter seine Null- und auch seine Signallinie gerutscht, was einen an Fahrt gewinnenden Abwärtstrend anzeigt. Potenzielle Anzeichen für eine Trendwende, wie bullishe Divergenzen, liegen unterdessen keine vor. Auch für Gegenbewegungen typische Kursmuster zeichnen sich bislang keine ab.
Fazit: Kein Umfeld für einen sicheren Einstieg in die Aktie
Damit dürfte es für die Aktie der Deutschen Bank weiter bergab gehen, auch wenn das Papier in wenigen Wochen bereits 14 Prozent an Wert eingebüßt hat. Aus technischer Perspektive würde erst ein Anstieg zurück über die Marke von 32 Euro sowie die 50-Tage-Linie, welche bei rund 33,13 Euro verläuft, wieder für Entspannung sorgen. Mit Blick auf den Anleihenmarkt wären vor allem deutlich niedrigere Energiepreise nötig, um die Inflationserwartungen zu dämpfen und Rezessionsrisiken zu vermeiden. Dafür aber ist eine dauerhafte Friedenslösung im Nahen Osten erforderlich.
Als Anlegerin, als Anleger sollte man sich auf solche Unwägbarkeiten lieber nicht verlassen, daher ist es für einen Einstieg in die Aktie noch deutlich zu früh. Wer hingegen bereits investiert ist, sollte zumindest über Teilgewinnmitnahmen nachdenken. Ein vorerst vollständiger Ausstieg wäre dann vor allem für Kurse nachhaltig (also mindestens auf Wochenschlusskursbasis) unter 30 Euro ratsam.
Gastautor: Max Gross
Haftungsausschluss/Disclaimer
Die hier angebotenen Artikel dienen ausschließlich der Information und stellen keine Kauf- bzw. Verkaufsempfehlungen dar. Sie sind weder explizit noch implizit als Zusicherung einer bestimmten Kursentwicklung der genannten Finanzinstrumente oder als Handlungsaufforderung zu verstehen. Der Erwerb von Wertpapieren birgt Risiken, die zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals und - je nach Art des Investments - sogar zu darüber hinausgehenden Verpflichtungen, bspw. Nachschusspflichten, führen können. Die Informationen ersetzen keine auf die individuellen Bedürfnisse ausgerichtete fachkundige Anlageberatung. Eine Haftung oder Garantie für die Aktualität, Richtigkeit, Angemessenheit und Vollständigkeit der zur Verfügung gestellten Informationen sowie für Vermögensschäden wird weder ausdrücklich noch stillschweigend übernommen.
Finanznachrichten.de hat auf die veröffentlichten Inhalte keinerlei Einfluss. Finanznachrichten.de hat bis zur Veröffentlichung der Artikel keine Kenntnis über Inhalt und Gegenstand der Artikel. Die Veröffentlichungen erfolgen durch externe Autoren bzw. Datenlieferanten. Infolgedessen können die Inhalte der Artikel auch nicht von Anlageinteressen von Finanznachrichten.de und/oder seinen Mitarbeitern oder Organen bestimmt sein.




