Der DAX kämpft eine halbe Stunde vor Handelsschluss mit der Marke von 25 000 Punkten. Steigende Energiepreise und gleichzeitig weiter anziehende Anleiherenditen treiben die Anleger zunehmend aus dem Aktienmarkt. Brent steigt wieder auf über 105 Dollar und damit kehrt das Inflationsgespenst zurück.
Die hohen Ölpreise schüren die Sorge vor einem erneuten Preisschub und damit vor einer länger restriktiven Geldpolitik. Gleichzeitig fallen die Kurse vieler Staatsanleihen weiter und treiben deren Renditen nach oben. Hier kommt die hohe Staatsverschuldung vieler Länder ins Spiel. Steigende Renditen verteuern die Refinanzierung und engen damit zunehmend die finanziellen Spielräume ein.
Das eigentliche Problem ist dabei weniger, dass die aktuellen Renditen historisch außergewöhnlich hoch wären. Staaten, Unternehmen und Anleger haben sich vielmehr über viele Jahre an extrem niedrige Zinsen gewöhnt. Nicht die neue Zinsrealität ist ungewöhnlich, sondern die alte war es. Genau dieser Gewöhnungseffekt wird nun zunehmend ausgepreist.
Steigende Renditen wirken deshalb nicht mehr nur wie ein Deckel auf die Aktienmärkte, sondern beginnen aktiv, auf die Kurse zu drücken. Umso wichtiger wird die bevorstehende Berichtssaison für den weiteren Jahresverlauf. Aktienengagements bleiben in diesem Umfeld nur dann attraktiv, wenn die Gewinndynamik stimmt und die Unternehmen wieder stärker wachsen. Je höher die Renditen am Anleihemarkt steigen, desto mehr müssen Aktien ihre Risikoprämie mit steigenden Gewinnen rechtfertigen.
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