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Durchblick: Zinsen machen Druck?

Der September hat seinem Ruf als schwieriger Börsenmonat alle Ehre gemacht. Steigende Renditen an den Anleihemärkten setzten Aktien unter Druck. Allerdings nicht überall gleichermaßen.

Der DAX (Performance) Index verlor im September rund 4,0 %. Seit Jahresbeginn bleibt damit nur noch ein Plus von knapp 3 % übrig. Auch andere europäische Aktienmärkte gaben nach: Der STOXX Europe 50 (Price) Index (EUR) verlor rund 2,4 %, der deutlich breiter gefasste STOXX Europe 600 (Price) Index (EUR) gab um 2,5 % nach.

Ganz anders sah es in Teilen Asiens aus. Der japanische Nikkei 225 legte - in Euro gerechnet - um knapp 5 % zu (in lokaler Währung lag das Plus bei 0,7 %). Taiwan und Südkorea gehörten zu den stärksten Märkten des Monats.

Und die USA?

Der S&P 500 verlor in US-Dollar zwar leicht. Aus Sicht eines Euro-Anlegers stand aufgrund des stärkeren Dollars jedoch ein Plus von gut 2 % zu Buche. Noch deutlicher fiel die Entwicklung beim technologielastigen Nasdaq-100 Index aus: +3,2 % in US-Dollar gerechnet.

Dabei lohnt sich ein Blick unter die Motorhaube.

Im S&P 500 waren Information Technology und Communication Services die einzigen Sektoren, die im September in der kapitalgewichteten Betrachtung zulegen konnten. Der Unterschied zwischen S&P 500 und seinem gleichgewichteten Pendant ist bemerkenswert: Während der klassische Index nur leicht verlor, gab der Equal Weight Index rund 5 % nach.

Mit anderen Worten: Big Tech hielt den Index oben. Das deckt sich mit Marktdaten, wonach im September rund 78 % der S&P-500-Aktien verloren und neun der elf Sektoren im Minus lagen.

Der Zins ist zurück

Der eigentliche Star - oder Spielverderber - des Monats war allerdings der Anleihemarkt.

Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen stieg im September um rund 48 Basispunkte auf 5,27 %. Bei zweijährigen US-Treasuries waren es sogar 52 Basispunkte.

Auch Europa konnte sich dieser Entwicklung nicht entziehen. Zehnjährige Bundesanleihen rentierten zum Monatsende mit rund 3,58 %, rund 24 Basispunkte höher als Ende August.

Besonders auffällig war Frankreich: Die Rendite zehnjähriger französischer Staatsanleihen stieg innerhalb eines Monats um rund 64 Basispunkte auf 4,86 %. Damit weitete sich der Renditeabstand gegenüber Deutschland auf etwa 127 Basispunkte aus.

Reuters bezeichnete den September entsprechend als einen der schwächsten Monate für globale Anleihemärkte seit Jahren. Neben Inflationssorgen spielten dabei insbesondere gestiegene Energiepreise und die Erwartung länger hoher Zinsen eine Rolle.

Die Folge lässt sich auch bei deutschen Staatsanleihen ablesen: Langlaufende Bundesanleihen verloren im September rund 2,3 % und liegen seit Jahresbeginn etwa 5,2 % im Minus.

Und Tech?

Eigentlich lautet eine der klassischen Kapitalmarktregeln: Steigende Zinsen sind Gift für hoch bewertete Wachstumsaktien.

Im September galt das nur bedingt.

Der MSCI World Information Technology legte in Euro gerechnet rund 7 % zu, Communication Services rund 6 %. Auch der MSCI World Momentum Index gewann gut 6 %.

Das ist bemerkenswert: Während die Renditen kräftig stiegen und große Teile des Aktienmarktes unter Druck gerieten, hielten sich ausgerechnet die großen Technologieunternehmen besonders gut. Auch andere Marktberichte beschreiben diese ungewöhnliche Zweiteilung: steigende Renditen und schwache Marktbreite auf der einen, robuste Mega-Cap-Tech-Werte auf der anderen Seite.

Die Musik spielt also weiter. Aber immer weniger Aktien spielen mit.

Rohstoffe hui, Gold pfui

Auch bei den anderen Anlageklassen zeigte sich ein gemischtes Bild.

Der breite Rohstoffindex legte im September zu. Der Ölpreis stieg deutlich; Brent verteuerte sich laut Reuters im Monatsverlauf um rund 11 %.

Gold konnte von der Unsicherheit dagegen nicht profitieren und verlor in US-Dollar pro Feinunze gerechnet knapp 4 %.

Und der Bitcoin?

Nach den kräftigen Schwankungen der vergangenen Monate ging es im September wieder deutlich aufwärts. In Euro gerechnet legte er rund 9 % zu. Seit Jahresbeginn liegt er allerdings weiterhin im Minus.

Was bleibt?

Der September liefert aus meiner Sicht vor allem drei interessante Beobachtungen:

Erstens: Die Zinsen sind wieder da. Und zwar mit Wucht.

Zweitens: Der Blick auf den Index allein erzählt derzeit nur die halbe Geschichte. Vor allem in den USA verdecken wenige hoch gewichtete Technologiewerte, wie schwach sich der breite Markt entwickelt hat.

Drittens: Die alte Gleichung "steigende Zinsen = fallende Tech-Aktien" funktioniert zumindest momentan nicht besonders gut.

Der Oktober startet damit mit einer spannenden Gemengelage: hohe Renditen, ambitionierte Bewertungen, geopolitische Risiken - aber gleichzeitig eine bemerkenswerte Widerstandsfähigkeit bei einigen der größten Unternehmen der Welt.

Oder anders formuliert:

Die Zinsen machen Druck. Aber Big Tech hält dagegen.

Mal sehen, wer länger durchhält?

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