DJ MARKT-AUSBLICK/Einem schlechten September könnte ein schwieriger Oktober folgen
Von Manuel Priego Thimmel
DOW JONES--Der September war kein guter Börsenmonat. DAX-Anleger mussten Verluste von 4 Prozent verschmerzen. Mit dem Oktober beginnt nun das für die Börsen traditionell gute vierte Quartal. Ob es dieses Mal auch so kommt, bleibt abzuwarten. Das Umfeld ist, gelinde gesagt, schwierig. Die Renditen an den Anleihemärkten liegen auf Mehrdekadenhochs, Anleger fürchten zunehmend eine Schuldenkrise in Frankreich, Brent geht bei über 100 Dollar das Fass um und eine Lösung im Nahen Osten scheint in weiter Ferne zu sein. Hinzu kommen die Zwischenwahlen in den USA Anfang November. Eine Machtübernahme der Demokraten im Repräsentantenhaus gilt als sehr wahrscheinlich. Sollte die Demokraten beide Häuser im Kongress übernehmen, würde dies vermutlich an der Börse nicht gut ankommen.
Dass der Brent-Preis nicht unter 100 Dollar das Fass fällt, überrascht zunächst. Immerhin hat sich die Versorgungslage klar verbessert. Nach einigen Schätzungen nähern sich die Liefermengen wieder dem Niveau vor dem Konflikt zwischen den USA und dem Iran an. Kpler schätzt, dass die Lieferungen in der Woche zum 27. September 12,5 Millionen Barrel pro Tag erreichten - nur 1 Million Barrel pro Tag unter dem Wert vor dem Konflikt. Was die Anleger zögern lässt, dürften die hohen geopolitischen Unsicherheiten sein. Denn offenbar schmiedet US-Präsident Donald Trump neue Angriffspläne. Darauf deuten nicht nur Kommentare von Trump hin, denn angeblich wollen die USA einen zweiten Flugzeugträger in die Region verlegen.
Spreaddifferenz franzöische und deutsche Staatsanleihen auf Niveaus der Schuldenkrise
Aber selbst wenn der Ölpreis deutlicher fiele, würde dies das Renditeniveau an den Anleihemärkten vermutlich nicht stärker drücken. Denn die hohen Marktzinsen sind nicht nur Ausdruck des teuren Öls und der gestiegenen Inflation, sondern auch Ausdruck zuletzt besserer Wirtschaftsdaten sowie der wachsenden Sorge der Anleger vor einer zu hohen Staatsverschuldung. Die Schulden in den USA liegen in der Zwischenzeit bei über 100 Prozent des BIPs, Tendenz steigend. Im Euroraum gilt Frankreich immer mehr als Wackelkandidat. Der vielbeachtete Spread zwischen 10-jährigen französischen und deutschen Staatsanleihen liegt in der Zwischenzeit bei fast 150 Basispunkten - Niveaus, wie man sie zuletzt zu Zeiten der Schuldenkrise in der Eurokrise gesehen hat.
Eine Haushaltskonsolidierung ist nicht in Sicht, zu polarisiert ist die politische Landschaft, und das nicht nur in Frankreich. Würde die EZB als Retter eingreifen wie in der Schuldenkrise? Nach Einschätzung von Beobachtern sind die Hürden für die Wiederaufnahme von Anleihekäufen hoch. Wenn die Existenz der Währungsunion gefährdet wäre, würde die EZB aber nicht nur nach Einschätzung der Commerzbank wie im Jahr 2012 unter Mario Draghi alle Register ziehen. "Wann oder ob es überhaupt dazu kommt, lässt sich freilich nicht prognostizieren. Aber die steigenden Staatsschuldenquoten und die politischen Dysfunktionalitäten lassen das Risiko für ein solches Szenario steigen", heißt es.
Großer Wurf der Demokraten bei US-Zwischenwahlen könnte KI-Investitionen bedrohen
Kleines Trostpflaster für die Finanzmärkte. Mit dem gestiegenen Finanzstress werden Zinserhöhungen an den Märkten nun nicht mehr so aggressiv eingepreist wie noch zuletzt. Schließlich würden straffere Finanzierungsbedingungen den Zentralbanken einen Teil der Arbeit bei der Eindämmung der Inflation abnehmen, und der Ausverkauf wirft zudem Fragen auf, ob die Wirtschaft eine weitere Zinserhöhung verkraften könnte, so die Deutsche Bank. In der Zwischenzeit wird eine Zinserhöhung im Euroraum bis Jahresende nicht mehr vollständig eingepreist. Jüngste Kommentare von Fed-Offiziellen deuten darauf hin, dass es auch die US-Notenbank mit Zinserhöungen nicht eilig hat. Beide Notenbanken hatten im September die Leitzinsen angehoben.
Politische Risiken machen Analysten auch mit Blick auf die anstehenden Zwischenwahlen in den USA im November aus. Eine Übernahme der Demokraten des Repräsentantenhauses gilt als ausgemacht. Anders sieht es aus, sollten die Demokraten in beiden Häusern die Mehrheit stellen. Manche Investoren befürchten deutliche Kursrückgänge am US-Aktienmarkt in diesem Fall. So dürfte laut der Commerzbank bei diesem Wahlausgang die aktuelle Protestbewegung von US-Bürgerinitiativen, den dynamischen Ausbau von KI-Rechenzentren aufgrund der Gefahr steigender Stromkosten, eines großen Wasserbedarfs und starken Lärms zu bremsen oder zu verhindern, dank der Unterstützung durch die Demokraten deutlich an Kraft gewinnen. Hier gilt es zu beachten, dass der KI-Investitionsboom zum einem wichtigen Wachstumstreiber der US-Wirtschaft geworden ist.
Branchen reagieren unterschiedlich auf hohe Marktzinsen
Dass der DAX trotz der oben beschriebenen Gemengelage bei über 25.000 Punkten notiert, hängt mit der robusten Lage der Weltwirtschaft zusammen. Diese hat den durch den Iran-Krieg ausgelösten Energieschock wesentlich besser verkraftet als erwartet. Dies sollten auch die in der kommenden Woche anstehenden Konjunkturdaten zeigen. Im August dürften die Produktion und die Kerngröße der Auftragseingänge der Industrie gestiegen sein und damit die in den vergangenen Monaten besseren Stimmungsindikatoren bestätigen, glaubt die Commerzbank. Dann würden die Chancen steigen, dass die deutsche Wirtschaft auch im dritten Quartal zugelegt hat.
Die DZ Bank weist darauf hin, dass während die verbesserten Gewinnaussichten aufgrund überraschend starker Konjunkturindikatoren und der zinsseitige Bewertungsgegenwind weiterhin in gegensätzlicher Richtung auf die Aktienmärkte wirken, die Zinssensitivität der unterschiedlichen Sektoren der Leitindizes nun sichtbarer wird. Dabei waren Finanzwerte, Industrie und Immobilien auf beiden Seiten des Atlantiks am stärksten betroffen, während sich der Informationstechnologie- und Energiesektor vergleichsweise gut behaupteten. Die DZ Bank bleibt indes übergeordnet weiter optimistisch für die Börsen: Der DAX wird Ende des Jahres bei 27.500 Punkten gesehen, der Euro-Stoxx-50 bei 6.700 Punkten.
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