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ACATIS Investment
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Seit 2008 warte ich auf diesen Moment: CTS Eventim so günstig wie lange nicht

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Als Softwareaktien wegen KI-Agenten um bis zu 50% einbrachen, wurde CTS Eventim gleich mitverkauft. Doch zwischen Künstler und Publikum liegt ein Nadelöhr, das kein Algorithmus ersetzt. Und der Chef kauft selbst nach.

Ein Veranstaltungsticket von CTS Eventim hatten vermutlich schon die meisten Menschen in der Hand. Doch mit der Firma dahinter verbindet mich seit fast 20 Jahren eine ganz eigene Geschichte als Value Investor.

Am 27. Juni 2008 stand ich gut gelaunt vor der Berliner Waldbühne. Ich war anfang 20 und hielt meine Karten für ein Linkin-Park-Konzert bereit. An den Aktienmärkten braute sich bereits leise die Finanzkrise zusammen, doch an diesem Abend zählte für mich nur meine Lieblingsband. So sehr im Gedächtnis geblieben ist mir der Abend aber noch aus einem zweiten Grund, nämlich wegen des Namens, der auf der Karte stand: Eventim.

Die Firma sagte mir damals nichts. Also recherchierte ich in den Tagen danach und stieß auf einen deutschen Pionier des Online-Ticketverkaufs, der europaweit bereits rund 60 Millionen Karten im Jahr vermarktete und mein Konzert obendrein selbst veranstaltet hatte. Wenige Wochen nach dem Konzert erhielt genau dieses Unternehmen vom Berliner Senat den Zuschlag für die Waldbühne, seine erste eigene Spielstätte und bei Weitem nicht die letzte.

Quelle: CTS Eventim (Medienarchiv) - Berliner Waldbühne

Seit diesem Abend verfolge ich CTS Eventim auch mit den Augen eines Investors, und habe lang auf den richtigen Moment für einen Einstieg gewartet, bis ich dann im Frühjahr diesen Jahres erste Aktien für den ACATIS Small Diamonds gekauft habe.

Heute laufen jedes Jahr mehr als 300 Millionen Tickets über die Systeme des Konzerns. Im europäischen Ticketing ist CTS Eventim die Nummer eins, weltweit die Nummer zwei hinter Ticketmaster. Auch als Konzertveranstalter rangiert das Unternehmen weltweit auf Platz zwei, hinter Live Nation, dem Mutterkonzern von Ticketmaster. 2025 übersprang der Umsatz erstmals die Marke von 3 Mrd. Euro, erwirtschaftet in über 25 Ländern.

Welche Macht in dieser Doppelrolle aus Ticketverkauf und Veranstaltung steckt, hat im April ein Geschworenengericht in Manhattan festgestellt. Die Jury kam zu dem Ergebnis, dass Ticketmaster in den USA eine Monopolstellung im Erstverkauf von Konzertkarten erlangt und gehalten hat. Über die Konsequenzen, die bis zu einer Aufspaltung reichen könnten, entscheidet nun ein Richter. Man muss diese Marktmacht nicht sympathisch finden, um zu verstehen, was sie ökonomisch bedeutet. Zwischen Künstler und Publikum liegt ein Nadelöhr, und wer es kontrolliert, verdient an jedem Abend mit, an dem irgendwo die Lichter angehen.

In Europa kontrolliert dieses Nadelöhr niemand so wie CTS Eventim, vom Vorverkauf über die Tournee bis zur Halle. Dahinter steht ein klassischer Netzwerkeffekt. Wer viele Veranstalter bindet, zieht viele Käufer an, und wer viele Käufer hat, wird für Veranstalter unverzichtbar. Für diese Position braucht es Beziehungen und Reichweite, aber kaum Kapital. Entsprechend erzielt der Konzern seit vielen Jahren eine Kapitalrendite von über 30%, ohne nennenswertes Anlagevermögen und mit 1,4 Mrd. Euro Nettoliquidität in der Bilanz.

Qualität hat ihren Preis, und bei CTS Eventim war lange Zeit auch diese Perfektion eingepreist. Doch das hat sich gründlich geändert.

Noch im Mai 2025 erreichte die Aktie ihr Rekordhoch von 114,10 Euro, Ende September 2026 kostete sie nur noch rund 52 Euro. Zum Teil sind die momentanen Belastungsfaktoren hausgemacht. Ende März verunsicherte eine vage Jahresprognose die Anleger. Dazu kamen eine von 1,66 auf 1,44 Euro gekürzte Dividende und knapp 400 Mio. Euro Baukosten für die neue Arena in Mailand, in der im Februar das olympische Eishockeyturnier stattfand. Soweit so normal für ein Unternehmen, wenn man nicht gerade zu Spitzenpreisen bewertet wird.

Doch den größten Druck erzeugte aber ein ganzer Sektor. Anfang 2026 brachen Softwareaktien weltweit um 30 bis 50% ein, weil Investoren fürchteten, KI-Agenten könnten etablierte Plattformen überflüssig machen. Selbst Schwergewichte wie Salesforce, Adobe oder ServiceNow verloren binnen weniger Monate einen erheblichen Teil ihres Börsenwerts. Das Ticketing von CTS Eventim ist im Kern Software, also wurde die Aktie kurzerhand mitverkauft.

Genau hier liegt aus meiner Sicht der Denkfehler. Der Wert von CTS Eventim steckt nicht im Programmcode einer Ticketplattform, den man mit KI schneller und billiger nachbauen könnte. Er steckt in den Kontingenten. Wer ein Konzert erleben will, braucht eine Eintrittskarte, und die gibt es dort, wo Veranstalter und Hallen sie in den Verkauf geben. Bei CTS Eventim kommt sie häufig sogar aus eigener Hand, weil der Konzern die Tournee selbst veranstaltet oder die Spielstätte selbst betreibt. Ein KI-Agent kann ein Ticket suchen und vielleicht sogar kaufen. Herstellen kann er es nicht. Im besten Fall wird er zu einem weiteren Vertriebskanal für denjenigen, der das Angebot kontrolliert. Und das Erlebnis, mit 22.000 Menschen in der Waldbühne zu stehen, ist heute so analog wie 2008.

Operativ ist von einer Krise jedenfalls wenig zu sehen. Im ersten Halbjahr 2026 stieg der Umsatz um 17% auf 1,51 Mrd. Euro, der Gewinn je Aktie sogar um 34% auf 1,25 Euro. Ganz ohne Kratzer blieb das Halbjahr allerdings nicht. Im margenstarken Ticketing wuchs das operative Ergebnis wegen eines veränderten Geschäftsmix und der Kosten für ein Effizienzprogramm nur um gut 3%. Und vor wenigen Tagen sorgte zudem der überraschende Abgang von Finanzvorstand William Willms für einen weiteren Kursrutsch von 8%. Beides beobachte ich genau. An der langfristigen Logik des Geschäftsmodells ändert es nach meiner Einschätzung nichts.

Aufschlussreicher finde ich, wie der Mann reagierte, der das Unternehmen besser kennt als jeder Analyst. Denn an der Spitze steht seit drei Jahrzehnten derselbe Mann. Klaus-Peter Schulenberg erwarb das Unternehmen 1996 und führt es bis heute, als Vorstandsvorsitzender und über seine Stiftung als größter Aktionär. Unmittelbar nach dem Kurssturz im März kaufte Schulenbergs Stiftung Aktien für rund zehn Millionen Euro. Wer seit 30 Jahren an der Spitze steht und ohnehin größter Aktionär ist, hat Symbolpolitik nicht nötig.

Historische Entwicklung des Unternehmenswerts (blaue Balken) und Bewertung der Aktie über die letzten 30 Jahre, Quelle: ACATIS Investment, eigene Berechnung

Damit zurück zu der Frage, warum ich 18 Jahre lang gewartet habe. Den Buchwert je Aktie hat CTS Eventim über zwei Jahrzehnte bemerkenswert stetig um rund 13,5% pro Jahr gesteigert (siehe Grafik). Für diese Konstanz zahlte der Markt im langjährigen Durchschnitt gut das Achtfache des Buchwerts, in Spitzenzeiten mehr als das Zwölffache. In diesem Frühjahr fiel das Kurs-Buchwert-Verhältnis zeitweise auf das niedrigste Niveau seit der Finanzkrise (siehe Grafik), also seit der Zeit, in der ich vor der Waldbühne stand und zum ersten Mal den Namen Eventim las.

Die Rechnung dahinter ist unspektakulär. Bleibt es auch in Zukunft beim leicht zweistelligen Wachstum des Buchwerts, kommen eine Dividendenrendite von aktuell rund 2,8% und die Chance hinzu, dass sich die Bewertung wieder ihrem langjährigen Mittel annähert. Für mich ergibt das eine attraktive Renditeerwartung und einen Einstiegsmoment, auf den ich lange gewartet habe.

"Geduld ist die oberste Tugend des Investors", so wird es Benjamin Graham zugeschrieben, dem Lehrmeister von Warren Buffett. Und genau nach dem Prinzip handeln wir auch im ACATIS Small Diamonds.

Über den Autor: David Houdek ist seit 20 Jahren Value-Investor aus Leidenschaft und bei ACATIS Investment der Fondsmanager des ACATIS Small Diamonds. Selbst mit einem Großteil seines Vermögens im Fonds investiert, sucht er in den Weiten des Aktienuniversums nach unbekannten Weiter-so-Aktien - unterbewerteten Qualitätsunternehmen abseits des Mainstreams die noch für viele Jahre ihre erfolgreiche Geschäftsentwicklung fortsetzen können. Folgen Sie David Houdek auf LinkedIn für weiteren Content rund um Aktien, Börse und Investieren.

Disclaimer: Dieser Beitrag dient ausschließlich der Veranschaulichung unseres Investmentprozesses und stellt keine Anlageberatung dar. ACATIS kann in dem besprochenen Unternehmen investiert sein - es kann daher ein Interessenkonflikt bestehen. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben wird trotz sorgfältiger Recherche keine Gewähr übernommen.

Enthaltene Werte: DE0005470306,US5380341090,DE000A40HXXX

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