
© Foto: Symbolbild mit KI erstellt
Von 108,80 Euro runter auf rund 80 Euro. Das ist mal heftig. Klar, die TKMS-Aktie hat nach ihrem Allzeithoch wieder kräftig eingebüßt. Dabei läuft das Geschäft doch gut. Sowohl Kanada, Großbritannien, Brasilien und auch der Auftragsbestand ist toll Mittlerweile mehr als 25 Milliarden Euro. Aber warum fällt der Kurs dann und was passiert, wenn Indien Ende Oktober ernst macht? Hier geht es um das indische U-Boot-Programm Project 75(I). TKMS verhandelt dabei zusammen mit dem indischen Staatsunternehmen Mazagon Dock Shipbuilders (MDL) über den Bau von sechs konventionellen U-Booten. Der Gesamtwert des Projekts wird auf ungefähr 8 Milliarden Euro geschätzt. Wichtig ist aber, dass die 8 Mrd. Euro nicht automatisch 8 Mrd. Euro Umsatz für TKMS sind, denn ein Teil des Projekts entfällt auf die indische Seite bzw. die lokale Produktion. Eine aktuelle Analyse von mwb Research schätzt beispielsweise, dass ungefähr 3,5 Mrd. Euro davon dann auf TKMS entfallen könnten. Aber immerhin. Wenig ist das nicht! Beim Blick auf den Chart fällt auf, dass es eine Zone gibt, die schon mehrfach Käufer angelockt hat. Wer genau hinschaut, findet Chancen und klare Risikomarken. Ist der jetzige Rücksetzer nur eine Pause? Wir zeigen, wo es spannend wird und wie ein gestaffelter Einstieg aussehen könnte. Lesen Sie weiter!
Rekordhoch, Rücksetzer, volle Auftragsbücher
Im Sommer lief es für TKMS fast wie im Bilderbuch. Kanada kürte den Kieler Konzern zum bevorzugten Bieter für sein U-Boot-Programm. Dazu kamen die Halbjahreszahlen. Im August sprang der Kurs auf ein Rekordhoch bei 108,80 Euro. Der Auftragsbestand liegt inzwischen bei mehr als 25 Milliarden Euro, das ist richtig viel und bietet erstmal ein dickes Polster. Auch wenn Kritiker bemängeln würden, dass Aufträge noch keine Umsätze sind und schon lange nicht Gewinne. Doch die Börse feiert ebenfalls selten lange, so auch bei TKMS. Seit dem Hoch geht es abwärts. Zuletzt stand die Aktie bei noch etwa 80 Euro. Dabei gab es durchaus Neues. Die Tochter TKMS ATLAS UK erhielt einen britischen Auftrag für ein Torpedoabwehrsystem. In Brasilien startet ein Wartungsgeschäft. Mit EDGE und Fincantieri laufen Gespräche. Das sind bisher aber nur Absichtserklärungen. In Wismar will TKMS zudem rund 200 Millionen Euro investieren.
Charttechnik
Vom Hoch ist die Aktie gut 25 - 30 Prozent entfernt. Sie notiert unter dem 200er bei 84,64 Euro und unter dem 50er SMA bei 87,06 Euro. Auch andere Indikatoren haben ein Verkaufssignal geliefert. Kurzfristig sieht das weiter schwach aus, mittel- bis längerfristig derzeit eher auch. Die Indikatoren sind allerdings überverkauft, bzw. es fehlt nicht mehr viel dazu. Das lässt dann auch Raum für eine Gegenbewegung. Als nächste Auffangmarke gilt der Bereich um 78 bis 79 Euro. Fällt der Kurs aber darunter, dürfte es nochmals tiefer gehen. Wichtiger ist sowieso die Zone darunter. Der Bereich oberhalb von 70 Euro war bisher immer eine gute Unterstützung. Hält dieser Bereich erneut, ist ein neuer Anlauf nach oben wieder möglich. Erste Hürden liegen bei 88 und um die 90 Euro. Das grobe Ziel danach wären 100 Euro, wo zuvor aber zwischen 97 und 102,50 Euro stärkere Widerstände warten. Das hat schon mehrfach funktioniert. Bricht die 70 Euro aber nach unten, könnten 57 bis 60 Euro folgen.

Was tun?
Für TKMS spricht auch fundamental einiges. Der Auftragsbestand ist hoch, die Pipeline gut gefüllt. Aus Indien wird ein Auftrag über rund 8 Milliarden Euro erwartet, wovon wie oben geschätzt ca. 3,5 Milliarden Euro für TKMS wären. Analysten sehen im Schnitt etwa 113 Euro als Kursziel. Aber: Es stehen viele unverbindliche Absichtserklärungen demgegenüber und ein Kurs, der immer wieder nach Gewinnen abgetaucht ist. Ein volles Auftragsbuch ist eben noch kein Gewinn. Unterm Strich ist die Lage daher zur Zeit eher unausgegoren. Wer investieren will, könnte gestaffelt einsteigen. Ein Teil nahe 80 Euro, der Rest in Richtung 70 Euro. Als Stopp bietet sich ein Kurs um 65 Euro an. Das Ziel liegt bei 100 Euro und mehr. Vorsichtige warten die Indien-Entscheidung oder den Jahresbericht am 7. Dezember ab. Das Risiko sollte man dabei immer im Blick behalten.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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