Itzehoe (ots) -
Künstliche Intelligenz. Wohin der Weg führt, ist unklar. Aber sicher ist: Kaum jemand wird in Zukunft an ihr vorbeikommen - erst recht nicht als Anleger an der Börse. Das Börsenseminar des Itzehoer Aktien Club greift das Thema auf: "Wie lange können Anleger die KI-Welle noch reiten?" lautet die Überschrift für die diesjährige Vortragsreihe. Martin Paulsen, Fondsmanager im IAC, gibt einen Ausblick.
Herr Paulsen, Trump, Putin oder doch Merz - über wen müssen sich Anleger die meisten Gedanken machen?
Die Geopolitik ist aktuell natürlich das bestimmende Thema. Daher haben wir es im vergangenen Jahr schon im Börsenseminar thematisiert. Der Westen ist auseinander dividiert, die transatlantische Achse gibt es in der Form nicht mehr. Viele in Europa hoffen nur noch, dass irgendwann Trumps zweite Amtszeit zu Ende geht und er nicht noch einen Kniff findet für eine dritte Amtszeit, die aber von der Verfassung nicht zugelassen ist. Auf der anderen Seite des Globus sehen wir eine Welt, die sich teilweise mit Putin solidarisiert wie China oder sich sehr opportunistisch verhält wie Indien. Das sind die Blöcke, die versuchen, wirtschaftlich in die Führungsrolle zu kommen, während Europa und Merz versuchen, das Fähnchen noch irgendwie hochzuhalten. Aber Europa hat es schwer in einer Welt, die immer digitaler und immer mehr von Technik geprägt wird. In den USA sitzen die Platzhirsche der Tech-Branche, China ist quasi auf Augenhöhe mit den US-Pendants und Europa hat ein wenig den Anschluss verloren.
Warum ist die Entscheidung gefallen, sich für das Börsenseminar das Thema Künstliche Intelligenz herauszugreifen?
Zum einen ist KI ein Thema, das immer mehr in das Bewusstsein der Bevölkerung rückt, sie kommt auch immer mehr damit in Berührung. Zum anderen waren die Unternehmen, die mit KI in Verbindung gebracht werden, die Triebfedern schlechthin für den Börsenaufschwung. Da stellt sich unweigerlich die Frage: Geht der KI-Aufschwung an der Börse noch weiter und wenn ja, wie kann ich als Anleger davon am besten profitieren.
Ist KI aus Ihrer Sicht eher Verheißung oder Fluch?
Puh, schwere Frage. Man kann jeden Tag die Zeitung aufschlagen und sowohl sehr positive als auch sehr pessimistische Nachrichten lesen - in diesem Spannungsumfeld leben wir. Auf der einen Seite erleben wir die skurrilsten Dinge mit der KI, die aus ihrer geschützten Sicherheitsumgebung ausbricht und selbst andere Unternehmen und Staaten wie zum Beispiel Australien hackt und bedroht. Auf der anderen Seite sehen wir, wie hilfreich KI im Alltag sein kann beispielsweise bei medizinischen Themen. Auch die beiden großen KI-Unternehmen OpenAI und Anthropic mahnen zur Vorsicht und wollen die KI-Entwicklung etwas eindämmen. Dabei kann es natürlich auch um Marketingeffekte gehen, das muss man abwarten. Oder die Kontrolle ist denen tatsächlich entglitten.
Im Titel des Börsenseminars taucht der Begriff KI-Welle auf - warum dieses Bild?
Als Surfer kann man eine Welle reiten, aber nicht dauerhaft, weil sie irgendwann brechen wird. An der Börse haben wir mit der KI-Welle auch schon eine gewisse Wegstrecke hinter uns. Die Frage ist nun: Wie weit geht es noch? Wenn man die Entwicklung der KI ansieht, vermutlich noch sehr weit, denn wir gehen in das nächste Zeitalter. Von den lustigen Sprachmodellen, die aus fünf Zutaten ein Rezept machen, sind wir bei Agenten angelangt, die Abläufe in Unternehmen steuern. In Zukunft kommt - ob man es schön findet oder nicht - der große Bereich AI Robotics, also der Roboter, die von KI gesteuert werden. Die Entwicklung ist weiterhin da, aber es kann auch passieren, dass man auf die falsche KI-Welle setzt, die dann bricht. Und da will man als Anleger wie auch als Surfer nicht dabei sein.
Was ist bei der Investition in KI zu beachten?
Man sollte schauen, welche Unternehmen wo in der Wertschöpfungskette profitieren. Beispielsweise die Modellanbieter wie OpenAI und Anthropic. Der Markt dieser Large Language Models ist prädestiniert dafür, dass es nur ein Unternehmen gibt, das die größten Trainingsdaten hat. Mittlerweile gibt es aber rund 15 große Anbieter in den USA und 15 große Anbieter in China, die auf Augenhöhe operieren. Es läuft ein riesiger Verdrängungswettbewerb, der es schwierig macht, auf die richtige Karte zu setzen.
Aber welches Modell sich auch durchsetzt, rechnen müssen sie alle. Deshalb konzentrieren wir uns mit unseren Investments auf die sogenannten Hyperscaler, die mit ihren Rechenzentren Speicher und Rechenpower zur Verfügung stellen. Sie schaffen die notwendige Infrastruktur für eine digitale Zukunft.
Aber dieses Geld müssen die Unternehmen erst einmal wieder verdienen.
Genau. Auch das wird im Seminar thematisiert: Werden sich die Unsummen, die investiert werden, überhaupt einmal monetarisieren lassen? Marc Zuckerberg von Meta sagt: lieber 200 oder 300 Milliarden zu viel investieren als zu wenig. Und man fragt sich: Hat er jetzt Milliarden oder Millionen gesagt? Für die großen Player geht es darum, den Zug nicht zu verpassen - denn wer den Anschluss verpasst, ist raus aus dem Spiel.
Hinzu kommt: Ein Rechenzentrum wird nach einer gewissen Zeit bilanziell wertlos und dementsprechend abgeschrieben, da die Technik nach einigen Jahren obsolet ist. Auch da muss man genau hinschauen und möglichst in die Unternehmen investieren, die auch bei einem Wechsel der Modelle im Geschäft bleiben und deren Börsen-Bewertungen noch gerechtfertigt sind.
Also lautet das Fazit?
So ähnlich, wie wir es seit 20 Jahren machen: Streuung, Streuung, Streuung in herausragende IAC-Qualitätsunternehmen. Als Anleger sollte man die KI-Welle nicht an sich vorbeiziehen lassen, egal ob man der KI sehr kritisch oder sehr positiv gegenübersteht. In der IAC-Strategie haben wir gut 20 Prozent im Technologiebereich investiert, setzen aber nicht alles auf KI. Denn auch die Nutzer der KI werden letztendlich große Vorteile haben, beispielsweise in der Logistik oder im Medizinbereich. Streuung ist und bleibt das Wichtigste für den Anleger. Man sollte die aktuellen Chancen nutzen, aber alles bitte mit Augenmaß.
Pressekontakt:
Rene Petersdorf
Tel: +49 4821 6793-46
Fax: +49 4821 6793-19
E-Mail: petersdorf@iac.de
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Künstliche Intelligenz. Wohin der Weg führt, ist unklar. Aber sicher ist: Kaum jemand wird in Zukunft an ihr vorbeikommen - erst recht nicht als Anleger an der Börse. Das Börsenseminar des Itzehoer Aktien Club greift das Thema auf: "Wie lange können Anleger die KI-Welle noch reiten?" lautet die Überschrift für die diesjährige Vortragsreihe. Martin Paulsen, Fondsmanager im IAC, gibt einen Ausblick.
Herr Paulsen, Trump, Putin oder doch Merz - über wen müssen sich Anleger die meisten Gedanken machen?
Die Geopolitik ist aktuell natürlich das bestimmende Thema. Daher haben wir es im vergangenen Jahr schon im Börsenseminar thematisiert. Der Westen ist auseinander dividiert, die transatlantische Achse gibt es in der Form nicht mehr. Viele in Europa hoffen nur noch, dass irgendwann Trumps zweite Amtszeit zu Ende geht und er nicht noch einen Kniff findet für eine dritte Amtszeit, die aber von der Verfassung nicht zugelassen ist. Auf der anderen Seite des Globus sehen wir eine Welt, die sich teilweise mit Putin solidarisiert wie China oder sich sehr opportunistisch verhält wie Indien. Das sind die Blöcke, die versuchen, wirtschaftlich in die Führungsrolle zu kommen, während Europa und Merz versuchen, das Fähnchen noch irgendwie hochzuhalten. Aber Europa hat es schwer in einer Welt, die immer digitaler und immer mehr von Technik geprägt wird. In den USA sitzen die Platzhirsche der Tech-Branche, China ist quasi auf Augenhöhe mit den US-Pendants und Europa hat ein wenig den Anschluss verloren.
Warum ist die Entscheidung gefallen, sich für das Börsenseminar das Thema Künstliche Intelligenz herauszugreifen?
Zum einen ist KI ein Thema, das immer mehr in das Bewusstsein der Bevölkerung rückt, sie kommt auch immer mehr damit in Berührung. Zum anderen waren die Unternehmen, die mit KI in Verbindung gebracht werden, die Triebfedern schlechthin für den Börsenaufschwung. Da stellt sich unweigerlich die Frage: Geht der KI-Aufschwung an der Börse noch weiter und wenn ja, wie kann ich als Anleger davon am besten profitieren.
Ist KI aus Ihrer Sicht eher Verheißung oder Fluch?
Puh, schwere Frage. Man kann jeden Tag die Zeitung aufschlagen und sowohl sehr positive als auch sehr pessimistische Nachrichten lesen - in diesem Spannungsumfeld leben wir. Auf der einen Seite erleben wir die skurrilsten Dinge mit der KI, die aus ihrer geschützten Sicherheitsumgebung ausbricht und selbst andere Unternehmen und Staaten wie zum Beispiel Australien hackt und bedroht. Auf der anderen Seite sehen wir, wie hilfreich KI im Alltag sein kann beispielsweise bei medizinischen Themen. Auch die beiden großen KI-Unternehmen OpenAI und Anthropic mahnen zur Vorsicht und wollen die KI-Entwicklung etwas eindämmen. Dabei kann es natürlich auch um Marketingeffekte gehen, das muss man abwarten. Oder die Kontrolle ist denen tatsächlich entglitten.
Im Titel des Börsenseminars taucht der Begriff KI-Welle auf - warum dieses Bild?
Als Surfer kann man eine Welle reiten, aber nicht dauerhaft, weil sie irgendwann brechen wird. An der Börse haben wir mit der KI-Welle auch schon eine gewisse Wegstrecke hinter uns. Die Frage ist nun: Wie weit geht es noch? Wenn man die Entwicklung der KI ansieht, vermutlich noch sehr weit, denn wir gehen in das nächste Zeitalter. Von den lustigen Sprachmodellen, die aus fünf Zutaten ein Rezept machen, sind wir bei Agenten angelangt, die Abläufe in Unternehmen steuern. In Zukunft kommt - ob man es schön findet oder nicht - der große Bereich AI Robotics, also der Roboter, die von KI gesteuert werden. Die Entwicklung ist weiterhin da, aber es kann auch passieren, dass man auf die falsche KI-Welle setzt, die dann bricht. Und da will man als Anleger wie auch als Surfer nicht dabei sein.
Was ist bei der Investition in KI zu beachten?
Man sollte schauen, welche Unternehmen wo in der Wertschöpfungskette profitieren. Beispielsweise die Modellanbieter wie OpenAI und Anthropic. Der Markt dieser Large Language Models ist prädestiniert dafür, dass es nur ein Unternehmen gibt, das die größten Trainingsdaten hat. Mittlerweile gibt es aber rund 15 große Anbieter in den USA und 15 große Anbieter in China, die auf Augenhöhe operieren. Es läuft ein riesiger Verdrängungswettbewerb, der es schwierig macht, auf die richtige Karte zu setzen.
Aber welches Modell sich auch durchsetzt, rechnen müssen sie alle. Deshalb konzentrieren wir uns mit unseren Investments auf die sogenannten Hyperscaler, die mit ihren Rechenzentren Speicher und Rechenpower zur Verfügung stellen. Sie schaffen die notwendige Infrastruktur für eine digitale Zukunft.
Aber dieses Geld müssen die Unternehmen erst einmal wieder verdienen.
Genau. Auch das wird im Seminar thematisiert: Werden sich die Unsummen, die investiert werden, überhaupt einmal monetarisieren lassen? Marc Zuckerberg von Meta sagt: lieber 200 oder 300 Milliarden zu viel investieren als zu wenig. Und man fragt sich: Hat er jetzt Milliarden oder Millionen gesagt? Für die großen Player geht es darum, den Zug nicht zu verpassen - denn wer den Anschluss verpasst, ist raus aus dem Spiel.
Hinzu kommt: Ein Rechenzentrum wird nach einer gewissen Zeit bilanziell wertlos und dementsprechend abgeschrieben, da die Technik nach einigen Jahren obsolet ist. Auch da muss man genau hinschauen und möglichst in die Unternehmen investieren, die auch bei einem Wechsel der Modelle im Geschäft bleiben und deren Börsen-Bewertungen noch gerechtfertigt sind.
Also lautet das Fazit?
So ähnlich, wie wir es seit 20 Jahren machen: Streuung, Streuung, Streuung in herausragende IAC-Qualitätsunternehmen. Als Anleger sollte man die KI-Welle nicht an sich vorbeiziehen lassen, egal ob man der KI sehr kritisch oder sehr positiv gegenübersteht. In der IAC-Strategie haben wir gut 20 Prozent im Technologiebereich investiert, setzen aber nicht alles auf KI. Denn auch die Nutzer der KI werden letztendlich große Vorteile haben, beispielsweise in der Logistik oder im Medizinbereich. Streuung ist und bleibt das Wichtigste für den Anleger. Man sollte die aktuellen Chancen nutzen, aber alles bitte mit Augenmaß.
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