Köln (ots) -
Peter Hegemann hat dem WDR heute Abend ein Live-Interview gegeben:
WDR Erzählen Sie uns von dem Moment, wie ist das, wenn man plötzlich Stockholm am Telefon hat als Wissenschaftler?
Peter Hegemann Na ja, man kriegt ja hunderte von Mails und ich bekam eine Mail heute Morgen, wo jemand sagt, ich soll ihn mal zurückrufen, er hätte was Wichtiges zu sagen. Da dachte ich erst, das ist ein Werbefritze und dann ist mir die schwedische Nummer aber aufgefallen und dann war das der Kommissionsvorsitzende, der Nobelkommission und dann sind wir ins Gespräch gekommen. Es war sehr nett, ich war natürlich überwältigt und etwas ungläubig am Anfang, aber dann war es sehr, sehr nett und es hat mich besonders gefreut, dass mein deutscher Kollege oder Würzburger Kollege Georg Nagel und mein amerikanischer Kollege Karl Deiseroth dabei sind.
WDR Wen haben Sie als nächstes angerufen, den Kollegen, der mit Ihnen den Nobelpreis bekommen hat?
Peter Hegemann Den habe ich bis jetzt noch nicht erreicht, weil sich da ein Anrufbeantworter von Stanford sich gemeldet hat und wir werden das noch dementsprechend nachholen.
WDR Jetzt haben Sie ja vorher auch schon viele wissenschaftliche Auszeichnungen bekommen. Ist man trotzdem noch überrascht? Sie haben gesagt, überwältigt, aber ist man überrascht oder weiß man als Wissenschaft irgendwann, jetzt bin ich nobelpreiswürdig?
Peter Hegemann Nein, das weiß man nie, weil es kommen ja immer neue Wissenschaftler und immer neue Themen. Und in den letzten Jahren waren natürlich auch spektakuläre Ereignisse wie die RNA, Technologie und der Hype von Optogenetik war ja schon wieder abgeklungen, da rechnet man nicht mehr damit.
WDR Aber jetzt haben Sie eben schon gesagt, man darf da auch gar nicht so dran denken, es muss Spaß machen. Was macht denn Spaß an Algenforschung
Peter Hegemann Na ja, Forschung ist selten glamourös und das stellt sich im Nachhinein anders dar. Aber Algen sind interessante Objekte, weil sie leicht zu bearbeiten sind. Sie können die transformieren, modifizieren, schnell züchten, so ähnlich wie Bakterien und insofern sind das Pflanzen, die also angenehm im Labor sind und sie haben 'ne einheitliche Zellpopulation.
WDR Das also da kann man was mit machen. Jetzt frag ich mich natürlich trotzdem als Laie, wenn man so Grundlagenforschung betreibt und das über Jahrzehnte hinweg auch, gibt es da so eine Idee? Also ist zuerst die Idee da, Lichtschalter für Nervenzellen, sag ich jetzt mal laienhaft, oder ist da zuerst die Idee, ach schauen wir mal, was die hübsche kleine Grünalge so birgt an Geheimnissen?
Peter Hegemann Na ja, so läuft das normalerweise nicht. Also wir haben uns ja mit den Bewegungsreaktionen von Grünalgen beschäftigt, da gab es die erste große Publikation 1866, das ist ja schon ein bisschen her, Und das war lange Jahre ein Problem der Pflanzenphysiologie und es gab sicher 10 große Forschungsgruppen oder Lehrstühle in Deutschland, die sich mit dieser Frage beschäftigt haben.
WDR Sie sind sehr bescheiden jetzt auch in Ihrem Auftreten, aber was haben Sie denn, was andere Wissenschaftler, Menschen nicht haben? Ist das Glück das richtige Thema, eine besondere Beharrlichkeit oder auch einfach besonders viel Wissen und Fähigkeit?
Peter Hegemann Nein, also wenn ich auf meine schulischen oder universitären Leistungen zurückblicke, dann war das absolut durchschnittlich. Und vielleicht was, was unsere Arbeitsgruppe auszeichnet, ist die Beharrlichkeit und dass man Mut entwickelt, auch neue Forschungsthemen anzugehen. Fragestellungen, die noch die nicht allgemein bearbeitet werden und und wenn Sie Forschungsgelder beantragen, dann müssen Sie Niederlagen hinnehmen und da müssen Sie ein e Widerstandsfähigkeit entwickeln. Ja, und normalerweise klopfen einem dann die älteren Kollegen auf der Schulter und sagen, ja, probier das mal, das haben schon viele vorhin gemacht. Ja, und es gibt wenige Kollegen, die einen unterstützen.
Die Zitate sind frei zur Verwendung. Die Fragen stellte Anne Gesthuysen in der Aktuellen Stunde.
Pressekontakt:
WDR Newsroom, 0221 220 8787
Original-Content von: WDR Newsroom, übermittelt durch news aktuell
Originalmeldung: https://www.presseportal.de/pm/179961/6365381
Peter Hegemann hat dem WDR heute Abend ein Live-Interview gegeben:
WDR Erzählen Sie uns von dem Moment, wie ist das, wenn man plötzlich Stockholm am Telefon hat als Wissenschaftler?
Peter Hegemann Na ja, man kriegt ja hunderte von Mails und ich bekam eine Mail heute Morgen, wo jemand sagt, ich soll ihn mal zurückrufen, er hätte was Wichtiges zu sagen. Da dachte ich erst, das ist ein Werbefritze und dann ist mir die schwedische Nummer aber aufgefallen und dann war das der Kommissionsvorsitzende, der Nobelkommission und dann sind wir ins Gespräch gekommen. Es war sehr nett, ich war natürlich überwältigt und etwas ungläubig am Anfang, aber dann war es sehr, sehr nett und es hat mich besonders gefreut, dass mein deutscher Kollege oder Würzburger Kollege Georg Nagel und mein amerikanischer Kollege Karl Deiseroth dabei sind.
WDR Wen haben Sie als nächstes angerufen, den Kollegen, der mit Ihnen den Nobelpreis bekommen hat?
Peter Hegemann Den habe ich bis jetzt noch nicht erreicht, weil sich da ein Anrufbeantworter von Stanford sich gemeldet hat und wir werden das noch dementsprechend nachholen.
WDR Jetzt haben Sie ja vorher auch schon viele wissenschaftliche Auszeichnungen bekommen. Ist man trotzdem noch überrascht? Sie haben gesagt, überwältigt, aber ist man überrascht oder weiß man als Wissenschaft irgendwann, jetzt bin ich nobelpreiswürdig?
Peter Hegemann Nein, das weiß man nie, weil es kommen ja immer neue Wissenschaftler und immer neue Themen. Und in den letzten Jahren waren natürlich auch spektakuläre Ereignisse wie die RNA, Technologie und der Hype von Optogenetik war ja schon wieder abgeklungen, da rechnet man nicht mehr damit.
WDR Aber jetzt haben Sie eben schon gesagt, man darf da auch gar nicht so dran denken, es muss Spaß machen. Was macht denn Spaß an Algenforschung
Peter Hegemann Na ja, Forschung ist selten glamourös und das stellt sich im Nachhinein anders dar. Aber Algen sind interessante Objekte, weil sie leicht zu bearbeiten sind. Sie können die transformieren, modifizieren, schnell züchten, so ähnlich wie Bakterien und insofern sind das Pflanzen, die also angenehm im Labor sind und sie haben 'ne einheitliche Zellpopulation.
WDR Das also da kann man was mit machen. Jetzt frag ich mich natürlich trotzdem als Laie, wenn man so Grundlagenforschung betreibt und das über Jahrzehnte hinweg auch, gibt es da so eine Idee? Also ist zuerst die Idee da, Lichtschalter für Nervenzellen, sag ich jetzt mal laienhaft, oder ist da zuerst die Idee, ach schauen wir mal, was die hübsche kleine Grünalge so birgt an Geheimnissen?
Peter Hegemann Na ja, so läuft das normalerweise nicht. Also wir haben uns ja mit den Bewegungsreaktionen von Grünalgen beschäftigt, da gab es die erste große Publikation 1866, das ist ja schon ein bisschen her, Und das war lange Jahre ein Problem der Pflanzenphysiologie und es gab sicher 10 große Forschungsgruppen oder Lehrstühle in Deutschland, die sich mit dieser Frage beschäftigt haben.
WDR Sie sind sehr bescheiden jetzt auch in Ihrem Auftreten, aber was haben Sie denn, was andere Wissenschaftler, Menschen nicht haben? Ist das Glück das richtige Thema, eine besondere Beharrlichkeit oder auch einfach besonders viel Wissen und Fähigkeit?
Peter Hegemann Nein, also wenn ich auf meine schulischen oder universitären Leistungen zurückblicke, dann war das absolut durchschnittlich. Und vielleicht was, was unsere Arbeitsgruppe auszeichnet, ist die Beharrlichkeit und dass man Mut entwickelt, auch neue Forschungsthemen anzugehen. Fragestellungen, die noch die nicht allgemein bearbeitet werden und und wenn Sie Forschungsgelder beantragen, dann müssen Sie Niederlagen hinnehmen und da müssen Sie ein e Widerstandsfähigkeit entwickeln. Ja, und normalerweise klopfen einem dann die älteren Kollegen auf der Schulter und sagen, ja, probier das mal, das haben schon viele vorhin gemacht. Ja, und es gibt wenige Kollegen, die einen unterstützen.
Die Zitate sind frei zur Verwendung. Die Fragen stellte Anne Gesthuysen in der Aktuellen Stunde.
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