
© Foto: von Leonhard Niederwimmer auf Pixabay
Die Commerzbank-Aktie lief monatelang wie an der Schnur gezogen nach oben. Dann kam der Dämpfer. Zwei Analystenhäuser nehmen ihre Kaufempfehlung zurück. Die UniCredit greift immer fester zu, und der Kurs rutscht unter eine wichtige, bedeutende Marke. Ist der Aufwärtstrend damit gelaufen oder ist der Rücksetzer genau die Chance, auf die viele gewartet haben? Hinter dem Minus steckt ein Machtkampf um Aufsichtsrat und Chefsessel. Dazu kommen Zahlen, die überzeugen, und ein Termin im November, der vieles klären dürfte. Wir schauen uns das jetzt kurz an, auf das es jetzt wirklich ankommt!
Übernahme-Poker aber Analysten-Bremse
Am Freitag ging es für die Commerzbank-Aktie bergab. Zeitweise fiel sie um knapp drei Prozent auf rund 38 Euro, aktuell aber wieder über 39 Euro. Die RBC stufte sie von "Outperform" auf "Sector Perform" herunter und senkte das Ziel von 43 auf 40 Euro. Schon einen Tag zuvor hatte die Deutsche Bank von "Buy" auf "Hold" gewechselt, das Ziel blieb bei 42 Euro. Der Tenor dabei ist, dass Vieles längst im Kurs fair eingepreist ist. Dazu kommt der Dauerstreit mit der UniCredit. Die Italiener halten nach ihrem Angebot knapp 48 Prozent und könnten bald fast 50 Prozent der Stimmrechte erreichen. Laut Medienberichten wollen sie nach den Genehmigungen schnell eine außerordentliche Hauptversammlung einberufen. Alle zehn Aktionärsvertreter im Aufsichtsrat sollen gehen, auch Chefin Bettina Orlopp steht zur Debatte. Die Bundesregierung pocht auf klare Zusagen.

Charttechnik
Charttechnisch wirkt das Bild jetzt etwas angeschlagen. Die Aktie ist unter die 50-Tage-Linie bei rund 40 Euro gerutscht. Kurz zuvor war sie noch darüber gesprungen, doch der Ausbruch hielt nicht stand. Binnen einer Woche verlor das Papier damit fast 10 Prozent. Das ist schon mal eine Ansage, aber auch recht normal, denn die Rally verlief zuletzt steil beschleunigt. Vom Jahrestief bei unter 30 Euro ging es bis auf fast 43 Euro hinauf, nahe an ein neues Dekadenhoch. Trotzdem ist der ganz große Aufwärtstrend, der jetzt schon sehr, sehr lange anhält, noch nicht gebrochen. Auf Sicht von einem Jahr steht noch immer ein Plus von knapp 20 Prozent. Wichtig wird nun, ob die Marke um die 38 Euro hält. Fällt sie, könnte es ungemütlich werden. Springt der Kurs zurück über 40 Euro, wäre das ein erstes Erholungssignal. Bis dahin bleibt es ein Wackelkurs.
Was tun?
Die Zahlen sprechen für die Bank. Zum Halbjahr gab es einen Gewinnsprung, das Rückkaufprogramm läuft weiter, und Orlopp sieht eine anziehende Kreditnachfrage. Auch die Übernahmefantasie stützt den Kurs. Gleichzeitig steckt viel Hoffnung im Preis. Die Ziele der Analysten sind weitestgehend ausgereizt und liegen nah am aktuellen Kurs. Viel Luft nach oben bleibt da allerdings nicht. Für Neueinsteiger heißt das: Vorsicht statt Gier. Wer schon dabei ist, sollte die Marke bei 38 Euro im Blick behalten. Wer kaufen möchte, sollte sich das überlegen, denn der Kurs ist schon aktuell in der Nähe fast sämtlicher Analystenziele und damit gut ausgereizt. Vielleich ist es auch besser auf die Zahlen am 5. November zu warten, ebenso die EZB-Entscheidung abzuwarten. Eine feste Regel gibt es allerdings auch bei der Commerzbank nicht. Dennoch könnte sich Geduld hier auszahlen, da das Risiko nach unten derzeit eher höher einzuschätzen ist, als die Chance nach oben.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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