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In einem zur Wochenmitte ganz schwachen Marktumfeld legt VW gegen den Gesamtmarkttrend zu. Gerüchte aus Brüssel entfachen das Kaufinteresse an der Aktie neu.
Erholung bei VW-Aktie: Wie gewonnen, so zerronnen
Um den Volkswagen-Konzern ist es trotz der jüngst erzielten Einigung um einen tiefgreifenden Konzernumbau mit Zehntausenden Stellenstreichungen und Werkschließungen ernst. Das hat jetzt eine weitere unpopuläre Maßnahme, nahezu alle aktuell bestehenden Tarifverträge aufzukündigen, gezeigt. Von der zwischenzeitlichen Erholung der Aktie ist schon wieder nichts mehr zu sehen, im Gegenteil ist die Aktie auf neue Mehrjahrestiefs gefallen.
Doch ausgerechnet am Mittwoch, an dem es für den deutschen Leitindex DAX zeitweise um mehr als 1,5 Prozent bergab gegangen ist, konnte sich die VW-Aktie behaupten und gegen einen schwachen Gesamtmarkttrend zulegen. Die Wolfsburger profitierten von gleich zwei Gerüchten, woraufhin der Aktie nach anfänglichen Verlusten ein Intraday-Reversal gelungen ist.
Erhält Volkswagen jetzt Schützenhilfe aus Brüssel?
Was die Fantasie der Anlegerinnen und Anleger beflügelt, sind einerseits sich verdichtende Hinweise darauf, dass die EU-Kommission schon bald Import-Beschränkungen für chinesische Hybridfahrzeuge erlassen könnte, um den heimischen Wettbewerb besser vor einem ruinösen Preiskampf zu schützen, der auf dem chinesischen Markt längst stattfindet und mit ein Grund für die schwache Aktienkursentwicklung von BYD und Xiaomi ist.
Andererseits soll es Absprachen zwischen dem französischen Staatspräsidenten Emmanuel Macron und Bundeskanzler Friedrich Merz geben, gegenüber der EU auf eine weitere Entschärfung und Verwässerung von bereits erlassenen Emissionszielen zu drängen, um mehr Zeit für die kriselnden Autobauer Stellantis und VW zu erkaufen. Damit könnte der Übergang von Verbrennungsmotoren zu E-Fahrzeugen kostenschonender gestaltet werden.

Bullishe Divergenzen halten Trendwendehoffnungen am Leben
Angesichts der Verluste von rund einem Drittel gegenüber dem Jahreswechsel ist ein Plus von über 2 Prozent für die Aktie von VW zunächst nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Gegenüber dem Stand vor 5 Jahren stehen bei VW sogar Verluste von fast drei Vierteln zu Buche. Doch selbst diese geringen Verluste könnten jetzt ausreichen, das Ruder trotz des jüngsten Mehrjahrestiefs noch einmal herumzureißen.
Während im Chart nach der vorerst gescheiterten Bodenbildung im Bereich von 70 bis 72 Euro ein niedrigeres Tief vorliegt, was zunächst ein Zeichen für einen unverändert intakten Abwärtstrend ist, liegen in den technischen Indikatoren RSI und MACD höhere Tiefs und damit beginnende Aufwärtstrends vor. Das spricht für bullishe Divergenzen, die häufig als Vorboten von Trendwenden auch der Aktie selbst auftreten.
Noch befinden sich diese Divergenzen allerdings in einem sehr frühen Stadium, zumal sich der Relative-Stärke-Index (RSI) gerade erst von überverkauften Zuständen erholt hat und der Trendstärkeindikator gegenwärtig noch sowohl unter der Null- als auch der Signallinie liegt, was eine hohe Verkaufsdynamik anzeigt, mit deren Ende vorerst eigentlich nicht gerechnet werden darf. Daher muss vor allem von Hoffnung, aber noch nicht von konkreten Hinweisen auf eine mögliche Gegenbewegung gesprochen werden. Wer sein Glück auf der Long-Seite wagen möchte, sollte sich unbedingt mit einem engen Stopp absichern.
Fazit: Günstige Bewertung für 2027 und Gelingensvorbehalt
Mit Blick auf die Unternehmensbewertung ergibt sich ein wenig zusammenhängendes Bild. Für 2026 wird inzwischen ein Nettoverlust von 1,67 Milliarden Euro erwartet, was zu einem KGV von -27,3 führt. Gelingt allerdings schon 2027 die Rückkehr in Gewinnzone, so wie von Analystinnen und Analysten derzeit prognostiziert, könnte VW mit einem KGV von 3,8 bewertet sein, was deutlich unter dem 5-Jahres-Durchschnitt von 5,1 läge. Hierfür müssen die jüngst ergriffenen Maßnahmen aber umgehend Wirkung zeigen und sich auch die Automobilkonjunktur insgesamt erholen.
Sollte man als Anlegerin, als Anleger hier investiert sein? Turnaround-Chancen bietet VW durchaus, auch weil die Stimmung bereits maximal schlecht ist/war, was in der Regel nicht mit weiteren Verlusten, sondern mit Umkehrpunkten einhergeht. Sowohl charttechnisch als auch fundamental ist die Lage aber noch sehr fraglich, sodass weitere Abgaben eben auch nicht mit ausreichender Sicherheit ausgeschlossen werden können.
Und selbst wenn es zu keinen weiteren Verlusten kommt, heißt das nicht, dass die Aktie gleichzeitig wieder gut performt - es könnte gleichzeitig auch zu Opportunitätskosten gegenüber aussichtsreicheren Werten aus derzeit gefragteren Branchen kommen. Schützenhilfe aus Brüssel könnte außerdem dazu führen, dass notwendige Innovationen und Umstrukturierungen erneut verschleppt werden. Es wäre gerade bei deutschen Autobauern nicht das erste Mal.
Gastautor: Max Gross
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