Hamburg / Klepelshagen (ots) -
Am Himmel herrscht derzeit Hochbetrieb: Vom kleinen Rotkehlchen bis zum großen Rotmilan steuern die Zugvögel ihre Winterquartiere an. Milliarden Vögel sind jetzt unterwegs, alle eint ein Ziel: "Zugvögel suchen sich über die Wintermonate Gebiete, in denen sie genügend Nahrung finden und das Klima etwas milder ist", sagt Michael Tetzlaff, Artenschützer bei der Deutschen Wildtier Stiftung.
Die Art des Zuges allerdings unterscheidet sich von Art zu Art: Manche fliegen tagsüber in wohlgeordneten V-Formationen, wie beispielweise die Gänse. Andere, wie der Kuckuck, ziehen in der Nacht und allein in südliche Gefilde. Kurzstreckenzieher wie Rotkehlchen und Stare überwintern im Mittelmeerraum und lassen sich dort Früchte, Beeren und das eine oder andere Insekt schmecken. Einige Arten haben die Zugrouten in den vergangenen Jahren an die veränderten Klimabedingungen angepasst. Kraniche flogen früher zum Überwintern nach Spanien, manche sogar bis nach Afrika: "Heute finden die Vögel bei uns auch im Winter Feldfrüchte und Sämereien. Viele Kraniche sparen sich mittlerweile die Langstrecke, bleiben sogar ganz in Deutschland", sagt Tetzlaff.
Auch Störche, die einst recht zuverlässig in Afrika überwinterten, haben ihre klassische Reiseroute schon verkürzt: Sie bleiben häufig im Mittelmeerraum hängen: Auf offenen Müllkippen in Portugal und Spanien finden sie genug Nahrungsreste, Mäuse, Ratten und Regenwürmer. Ähnlich die Rotmilane: Früher verbrachten die Greifvögel den Winter häufig auf der Iberischen Halbinsel, heute überwintern immer mehr von ihnen in Mitteleuropa und Südfrankreich. Der Waldrapp wiederum bevorzugt Italien: Die erwachsenen Vögel aus den neuen Brutkolonien in Überlingen am Bodensee und im bayerischen Burghausen fliegen über die Alpen in ihr Winterquartier in der Toskana - und seit neuestem durch die menschengeführte Migration auch nach Andalusien.
Andere Arten zieht es nach wie vor sehr weit in den Süden. Sagenhafte 10.000 Kilometer legt der Schreiadler auf dem Weg ins südliche Afrika zurück. Als Thermiksegler ist er auf Aufwinde angewiesen, die es nur über Land gibt - deshalb umfliegt er das Mittelmeer. Die Wiesenweihe kann als sogenannter Schlagflügler direkt über das Mittelmeer fliegen - ihr Ziel ist die heuschreckenreiche Sahelzone südlich der Sahara. Eine geniale Leistung vollbringt der Mauersegler, der ebenfalls nach Afrika zieht: Außerhalb der Brutzeit bleibt er bis zu zehn Monate in der Luft, schnappt Fluginsekten, trinkt und schläft sogar im Fliegen.
Auch Schwalben scheuen keine Mühen und ziehen jedes Jahr bis ins westafrikanische Nigeria, um dort den Winter zu verbringen. Doch die lange Reise birgt große Gefahren: Auf ihrem Flug werden tausende Schwalben nicht nur in Mittelmeerländern und im Nahen Osten, sondern auch in manchen Regionen Afrikas bejagt.
"Die Vogelmigration ist faszinierend für uns Menschen, steckt aber voller Gefahren für die Tiere", sagt Michael Tetzlaff. In Deutschland meist streng geschützt, sind Zugvögel außerhalb der Grenzen durch legale Jagd und illegale Verfolgung bedroht. Im vergangenen Oktober wurden zum Beispiel zwei Waldrappe in Italien von einem Jäger abgeschossen.
Die Deutsche Wildtier Stiftung setzt sich deshalb auf vielen Ebenen für Zugvögel ein: Sie unterstützt die europaweite Kampagne "Stop Wildlife Poisoning (https://www.deutschewildtierstiftung.de/aktuelles/artikel/deutsche-wildtier-stiftung-unterstuetzt-kampagne-gegen-illegale-wildtiervergiftung)" gegen die illegale Vergiftung von Wildtieren und engagiert sich für den Waldrapp, indem sie GPS-Sender finanziert, die seine Flugrouten dokumentieren. Für die Wiesenweihe, deren Rastplätze in Nordafrika durch Dürre und intensive Landwirtschaft an Qualität verlieren, fördert die Stiftung Forschungsarbeiten, die den Zustand dieser Rastplätze dokumentieren. Zudem setzt sie sich mit einem neuen Projekt im Nationalen Artenhilfsprogramm für den Schutz der letzten Wiesenweihen in Mecklenburg-Vorpommern ein. Und für den seltenen Schreiadler setzt sie mit Partnern ein umfassendes Schutzprogramm "Gemeinsam für den Schreiadler" in seinen Brutgebieten im Osten Deutschlands um.
Pressekontakt:
Jenifer Calvi
Pressereferentin
Deutsche Wildtier Stiftung
Lucy-Borchardt-Straße 2
+4940970786914
j.calvi@DeutscheWildtierStiftung.de
Original-Content von: Deutsche Wildtier Stiftung, übermittelt durch news aktuell
Originalmeldung: https://www.presseportal.de/pm/37587/40000196
Am Himmel herrscht derzeit Hochbetrieb: Vom kleinen Rotkehlchen bis zum großen Rotmilan steuern die Zugvögel ihre Winterquartiere an. Milliarden Vögel sind jetzt unterwegs, alle eint ein Ziel: "Zugvögel suchen sich über die Wintermonate Gebiete, in denen sie genügend Nahrung finden und das Klima etwas milder ist", sagt Michael Tetzlaff, Artenschützer bei der Deutschen Wildtier Stiftung.
Die Art des Zuges allerdings unterscheidet sich von Art zu Art: Manche fliegen tagsüber in wohlgeordneten V-Formationen, wie beispielweise die Gänse. Andere, wie der Kuckuck, ziehen in der Nacht und allein in südliche Gefilde. Kurzstreckenzieher wie Rotkehlchen und Stare überwintern im Mittelmeerraum und lassen sich dort Früchte, Beeren und das eine oder andere Insekt schmecken. Einige Arten haben die Zugrouten in den vergangenen Jahren an die veränderten Klimabedingungen angepasst. Kraniche flogen früher zum Überwintern nach Spanien, manche sogar bis nach Afrika: "Heute finden die Vögel bei uns auch im Winter Feldfrüchte und Sämereien. Viele Kraniche sparen sich mittlerweile die Langstrecke, bleiben sogar ganz in Deutschland", sagt Tetzlaff.
Auch Störche, die einst recht zuverlässig in Afrika überwinterten, haben ihre klassische Reiseroute schon verkürzt: Sie bleiben häufig im Mittelmeerraum hängen: Auf offenen Müllkippen in Portugal und Spanien finden sie genug Nahrungsreste, Mäuse, Ratten und Regenwürmer. Ähnlich die Rotmilane: Früher verbrachten die Greifvögel den Winter häufig auf der Iberischen Halbinsel, heute überwintern immer mehr von ihnen in Mitteleuropa und Südfrankreich. Der Waldrapp wiederum bevorzugt Italien: Die erwachsenen Vögel aus den neuen Brutkolonien in Überlingen am Bodensee und im bayerischen Burghausen fliegen über die Alpen in ihr Winterquartier in der Toskana - und seit neuestem durch die menschengeführte Migration auch nach Andalusien.
Andere Arten zieht es nach wie vor sehr weit in den Süden. Sagenhafte 10.000 Kilometer legt der Schreiadler auf dem Weg ins südliche Afrika zurück. Als Thermiksegler ist er auf Aufwinde angewiesen, die es nur über Land gibt - deshalb umfliegt er das Mittelmeer. Die Wiesenweihe kann als sogenannter Schlagflügler direkt über das Mittelmeer fliegen - ihr Ziel ist die heuschreckenreiche Sahelzone südlich der Sahara. Eine geniale Leistung vollbringt der Mauersegler, der ebenfalls nach Afrika zieht: Außerhalb der Brutzeit bleibt er bis zu zehn Monate in der Luft, schnappt Fluginsekten, trinkt und schläft sogar im Fliegen.
Auch Schwalben scheuen keine Mühen und ziehen jedes Jahr bis ins westafrikanische Nigeria, um dort den Winter zu verbringen. Doch die lange Reise birgt große Gefahren: Auf ihrem Flug werden tausende Schwalben nicht nur in Mittelmeerländern und im Nahen Osten, sondern auch in manchen Regionen Afrikas bejagt.
"Die Vogelmigration ist faszinierend für uns Menschen, steckt aber voller Gefahren für die Tiere", sagt Michael Tetzlaff. In Deutschland meist streng geschützt, sind Zugvögel außerhalb der Grenzen durch legale Jagd und illegale Verfolgung bedroht. Im vergangenen Oktober wurden zum Beispiel zwei Waldrappe in Italien von einem Jäger abgeschossen.
Die Deutsche Wildtier Stiftung setzt sich deshalb auf vielen Ebenen für Zugvögel ein: Sie unterstützt die europaweite Kampagne "Stop Wildlife Poisoning (https://www.deutschewildtierstiftung.de/aktuelles/artikel/deutsche-wildtier-stiftung-unterstuetzt-kampagne-gegen-illegale-wildtiervergiftung)" gegen die illegale Vergiftung von Wildtieren und engagiert sich für den Waldrapp, indem sie GPS-Sender finanziert, die seine Flugrouten dokumentieren. Für die Wiesenweihe, deren Rastplätze in Nordafrika durch Dürre und intensive Landwirtschaft an Qualität verlieren, fördert die Stiftung Forschungsarbeiten, die den Zustand dieser Rastplätze dokumentieren. Zudem setzt sie sich mit einem neuen Projekt im Nationalen Artenhilfsprogramm für den Schutz der letzten Wiesenweihen in Mecklenburg-Vorpommern ein. Und für den seltenen Schreiadler setzt sie mit Partnern ein umfassendes Schutzprogramm "Gemeinsam für den Schreiadler" in seinen Brutgebieten im Osten Deutschlands um.
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