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Edouard Carmignac (Carmignac): Brief von Edouard Carmignac vom 06.10.2026

06.10.2026 -

Kostenlose Dinge haben einen Nachteil: Man gewöhnt sich schnell daran.

Fast 15 Jahre lang lebten Regierungen, Unternehmen und Investoren in einer Welt, in der Geld nahezu unbegrenzt schien. Regierungen gaben Geld aus, Unternehmen investierten, und die Märkte stiegen im Wert. Man musste keine Auswahl treffen, denn man konnte fast alles finanzieren.

Diese Ära neigt sich dem Ende zu. Geld hat wieder seinen Preis, und damit kehrt eine Disziplin zurück, die wir vielleicht etwas zu schnell vergessen haben: die Disziplin der Entscheidung.

Dieser Wandel vollzieht sich zu einem Zeitpunkt, an dem der Kapitalbedarf so groß ist wie nie zuvor. Die USA müssen gleichzeitig eine enorme Staatsverschuldung und eine technologische Revolution finanzieren, die außerordentlich hohe Investitionen erfordert. Rechenzentren, Halbleiter, digitale Speicher, Stromerzeugung - "Augmented Intelligence" erfordert eine Infrastruktur von gigantischem Ausmaß. In meinem letzten Schreiben bin ich auf die Umwälzungen eingegangen, die damit einhergehen werden. Nun drängt sich eine Frage immer stärker in den Vordergrund: Wer wird das bezahlen?

Natürlich wir alle. Sparer, Anleger und Steuerzahler sind letztlich die Kapitalgeber. Staaten und Unternehmen konkurrieren um Ersparnisse, die nicht unendlich sind. Volkswirtschaftlich gesehen ist daran nichts sonderlich Neues - außer, dass uns 15 Jahre billigen Geldes fast vergessen ließen, dass Kapital knapp ist.

Europa sollte sich davor hüten, sich als Opfer dieser neuen Disziplin zu inszenieren. Es muss seine Verteidigung, seine Energieunabhängigkeit, seine Infrastruktur und seinen technologischen Rückstand finanzieren. Nachdem es lange Zeit reguliert hat, was es nicht mehr selbst produzieren konnte, muss es nun neu lernen zu investieren. Diese Erkenntnis ist zwar begrüßenswert, doch Souveränität lässt sich leichter proklamieren als finanzieren. Wie können wir der bedrohlichen Schuldenfalle entkommen? Sollte sich der Zinsanstieg - dessen Ausmaß wir unterschätzt haben - als dauerhaft erweisen, würde er allein bis 2030 zu einem Anstieg der Zinskosten um rund 50 % führen, und zwar sowohl in den USA als auch in Frankreich. Gleichzeitig würde die Staatsverschuldung, bei gleichbleibenden Haushaltsdefiziten, im selben Zeitraum in den USA von 100 % auf 110 % und in Frankreich von 119 % auf 132 % steigen. Diese Schätzungen berücksichtigen dabei noch nicht einmal den Anstieg der Rentenkosten aufgrund der demografischen Entwicklung.

Leicht verfügbares Geld wirkt wie ein starkes Betäubungsmittel. Es ermöglicht Regierungen, schmerzhafte Entscheidungen aufzuschieben, hält mittelmäßige Unternehmen künstlich am Leben und nährt bei Investoren die Illusion, dass alle Vermögenswerte letztlich an Wert gewinnen werden. Sobald Kapital wieder einen Preis hat, müssen Projekte ihren Nutzen unter Beweis stellen und Unternehmen ihre Fähigkeit, eine entsprechende Rendite zu erwirtschaften.

Sollten wir uns Sorgen machen? Knapperes Kapital begünstigt die vielversprechendsten Unternehmen - insbesondere jene, die auf KI setzen - und verdrängt zugleich Staaten, die unter fiskalischer Disziplinlosigkeit leiden. Unsere Aufgabe ist es, sicherzustellen, dass Sie am Erfolg von Unternehmen teilhaben, die nicht nur in der Welt von heute florieren, sondern die Welt von morgen aktiv mitgestalten. Bislang haben wir uns im Vorfeld potenzieller Börsengänge an Finanzierungsrunden von Unternehmen wie Mistral, SpaceX, Revolut und Lovable beteiligt und damit unseren Kunden so oft wie möglich den Zugang zu diesen Marktführern von morgen über unsere Fonds ermöglicht. Künstliche Intelligenz, Weltraumforschung, neue Finanzdienstleistungen, die Software-Revolution: Jeder dieser Bereiche ist auf seine Weise Teil des tiefgreifenden Wandels unserer Welt.

Als Geld noch kostenlos war, konnte es ausreichen, einfach am gesamten Markt beteiligt zu sein. Doch jetzt, wo es wieder teuer wird, ist es unerlässlich, eine gezielte Auswahl zu treffen. Wir müssen die Unternehmen, denen wir Ihr Kapital anvertrauen, sorgfältig auswählen, im Vertrauen darauf, dass sie auch weiterhin die Zukunft gestalten werden.

Darauf werden wir uns konzentrieren.

© 2026 Asset Standard
KI-Euphorie kippt - Bei diesen 5 Aktien droht der Crash!
Drei Jahre lang kannten KI-Aktien fast nur eine Richtung: nach oben. Billionenschwere Investitionspläne von Alphabet, Amazon, Meta und Microsoft haben Halbleiter- und Infrastrukturwerte auf immer neue Höhen getrieben. Doch jetzt bekommt die Erfolgsstory gefährliche Risse.

Steigende Anleiherenditen verteuern die Finanzierung, während die gewaltigen KI-Ausgaben zunehmend nicht mehr aus den laufenden Cashflows bezahlt werden können. Gleichzeitig zeigen günstigere chinesische Modelle, dass leistungsfähige KI womöglich mit deutlich weniger Rechenleistung auskommt. Damit wächst die Gefahr, dass heute für Milliarden errichtete Kapazitäten morgen nicht die erhofften Renditen liefern.

Für Anleger könnte das zum Problem werden. Denn treffen steigende Finanzierungskosten auf Überkapazitäten und enttäuschende Cashflows, geraten gerade hoch bewertete KI-Profiteure schnell unter Druck. Aus den größten Gewinnern der vergangenen Jahre könnten so die größten Verlierer der nächsten Korrektur werden.

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