DJ EZB-Rat sah Zinserhöhung auch für mildes Szenario angemessen - Protokoll
Von Hans Bentzien
DOW JONES--Die vom Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) am 10. September beschlossene Anhebung des Leitzinses um 25 Basispunkte war nach Einschätzung des Gremiums auch für den Fall angemessen, dass sich der Inflations- und Wachstumsausblick gemäß dem "mildesten" von drei Szenarien der makroökonomischen Projektionen des volkswirtschaftlichen Stabs entwickeln würde. Wie aus dem jetzt veröffentlichten Sitzungsprotokoll weiter hervor geht, folgten die Ratsmitglieder bei ihrem einstimmigen Beschluss außerdem der Annahme, dass der Leitzins auf seinem neuen Niveau von 2,50 Prozent noch nicht die Wirtschaft bremsen würde. Den Anstieg der französischen Staatsanleihe-Spreads nahm der Rat lediglich zur Kenntnis.
"Die Entscheidung zur Zinsanhebung um 25 Basispunkte erwies sich zudem über alle drei von den Experten erstellten Szenarien hinweg - dem milden, dem ungünstigen und dem schweren - als robust", heißt es in dem Dokument. Diese Einschätzung dürfte die Erwartung stützen, dass die EZB ihren Leitzins im Dezember erneut anheben wird, was auch am Geldmarkt voll eingepreist ist.
"Obwohl angemerkt wurde, dass die Reaktion verhältnismäßig bleiben sollte, wurde auch darauf hingewiesen, dass ein Einlagesatz von 2,50 Prozent weiterhin in der von den Experten geschätzten Spanne für den neutralen Zins lag", heißt es in dem Dokument weiter. Insgesamt sei daher eine weitere Zinserhöhung um 25 Basispunkte durch die neu eintreffenden Daten, die Projektionen der Experten und die sich entwickelnden Inflationsaussichten gerechtfertigt sowie notwendig, um eine ausreichend zeitnahe und nachhaltige Rückkehr der Inflation zum Zielwert sicherzustellen.
In den kommenden Monaten will der Rat laut dem Protokoll vor allem darauf achten, wie stark die indirekten Effekte der hohen Energiepreise ausfallen und auf Zweitrundeneffekte achten, da diese Dynamiken die direkten inflationären Auswirkungen des Energieschocks hartnäckiger machen könnten.
Zum Geschehen an den Anleihemärkten hieß es: "Die Märkte für Staatsanleihen im Euroraum blieben geordnet." Die Risikoaufschläge (Spreads) von Staatsanleihen gegenüber den OIS-Sätzen seien seit der vorangegangenen geldpolitischen Sitzung des EZB-Rats weitgehend stabil geblieben. Dies deute darauf hin, dass der jüngste Anstieg der Renditen im Euroraum keine umfassendere Neubewertung des staatlichen Kreditrisikos ausgelöst habe - "während die Märkte weiterhin zwischen den einzelnen Emittenten differenzierten".
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