DJ KONJUNKTUR IM BLICK/US-Inflationszahlen und Warsh für Frühaufsteher
Von Hans Bentzien
DOW JONES--Nach den hawkishen Überraschungen von Federal Reserve und Europäischer Zentralbank (EZB) im September haben sich die Leitzinserwartungen der Marktteilnehmer wieder etwas beruhigt - nicht zuletzt wegen der Kommunikation von Zentralbankoffiziellen. Sowohl die der Fed als auch die der EZB haben zuletzt etwas auf die Erwartungsbremse getreten, so dass Zinserhöhungen für Oktober nun wieder ausgepreist sind. Natürlich muss es dabei angesichts der unsicheren Zeitläufte nicht bleiben. Und Analysten werden genau darauf achten, was Notenbanker bei der in der kommenden Woche beginnenden Jahrestagung von Internationalem Währungsfonds (IWF) und Weltbank zu sagen haben.
IWF veröffentlicht Weltwirtschaftsausblick und Finanzstabilitätsbericht
Traditionell veröffentlicht der IWF zu seinen Tagungen - diese findet in Thailand statt - einen Weltwirtschaftsausblick, einen Finanzstabilitätsbericht und einen Bericht zum Ausblick auf die Staatsfinanzen (Fiscal Monitor). Das Verfertigen von Wirtschaftsausblicken ist dieser Tage angesichts des Iran-Kriegs und einer erratischen US-Wirtschaftspolitik ein undankbares Geschäft und häufig mit der Aufstellung von Szenarien verbunden.
IWF-Chefin Kristalina Georgieva hatte in ihrer Auftaktrede keinen Hinweis darauf gegeben in welche Richtung der IWF seine Wachstumsprognosen geändert haben könnte. Was sie allerdings erwähnte, war der andauernde Anstieg der Verschuldung der Industrieländer, die im Fiscal Monitor eine Rolle spielen dürfte, und die Notwendigkeit, darauf fiskal- und geldpolitisch zu reagieren, was Bedenken mit Blick auf die Finanzstabilität hervorrufen könnte. Die Berichte werden in der oben genannten Reihenfolge am Dienstag (15.00 und 16.15) und Mittwoch (15.00 Uhr) veröffentlicht.
Interviews mit Warsh und Moulin
Ebenfalls im Zuge der IWF-Jahrestagung finden zwei Interviews statt, für die Interessenten allerdings früh aus den Federn müssen: Eins mit EZB-Ratsmitglied Emmanuel Moulin (Mittwoch, 5.45 Uhr) und eins mit Fed-Chairman Kevin Warsh (Freitag, 5.30 Uhr). Moulin, Gouverneur der Banque de France, stellt sich den Fragen von Mateusz Szczurek, Chef der IWF-Europa-Abteilung. Nach Angaben des IWF wird es dabei neben Wirtschaftswachstum und geopolitische Fragmentierung auch um den zunehmenden Druck auf die Staatsfinanzen gehen. Was Letzteres angeht, könnte Moulin angesichts des Zustands der französischen Staatsfinanzen sicher einiges sagen, was das Zeug hat, die Finanzmärkte zu bewegen.
In den vergangenen Jahren hatte es der IWF einige Male geschafft, eine von Journalisten moderierte Gesprächsrunde der wichtigsten Notenbanker auszurichten und live zu übertragen. Dieses Jahr hat Fed-Chairman Kevin Warsh alleine einen Auftritt, und interviewt wird er von IWF-Chefin Georgieva persönlich. Thema sind laut IWF "die Kräfte, die die Weltwirtschaft umgestalten". Möglicherweise äußert sich Warsh ja auch zu den jüngsten Inflationsdaten, die am Mittwoch (14.30 Uhr) veröffentlicht werden.
US-Inflationsdruck nimmt im September zu
Der Inflationsdruck in den USA dürfte im September zugenommen haben. Analysten rechnen laut Factset-Konsens damit, dass die Verbraucherpreise gegenüber dem Vormonat um 0,6 Prozent gestiegen sind und um 3,6 (August: 3,4) Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats lagen. Für die Kernverbraucherpreise werden Raten von 0,2 und 2,4 (2,4) Prozent prognostiziert. Auslöser des Anstiegs dürften erneut die Energiepreise gewesen sein. Fed Funds Futures preisen eine Zinserhöhung der Federal Reserve im Dezember zu 82 Prozent ein.
Weitere US-Inflationsdaten sind die Erzeugerpreise (Donnerstag, 14.30) und die Importpreise (Freitag, 14.30 Uhr). Außerdem kommen Zahlen zum US-Einzelhandelsumsatz (Donnerstag, 14.30 Uhr) und zur Industrieproduktion (Freitag, 15.15 Uhr). China veröffentlicht am Mittwoch (3.30 Uhr) Verbraucher- und Erzeugerpreiszahlen.
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October 09, 2026 06:07 ET (10:07 GMT)
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