DJ MARKT-AUSBLICK/Nach schwierigem Oktober-Start könnte Berichtssaison stabilisieren
Von Manuel Priego Thimmel
DOW JONES--Die Börsen sind holprig in den Oktober gestartet und die Volatilität dürfte hoch bleiben. Die Situation im Nahen Osten bleibt verfahren. Brent-Öl bleibt über der Marke von 100 Dollar das Fass und die Renditen an den Anleihemärkten in der Nähe der Jahreshochs und damit zugleich auf dem höchsten Niveau seit teils über 20 Jahren. Latent schwingt die Sorge über eine neue Schuldenkrise in der Eurozone mit, ausgehend von Frankreich. Für etwas Entlastung könnte die bald beginnende Berichtssaison für das dritte Quartal wirken. Diese dürfte gut verlaufen sein.
Nach erneuten militärischen Scharmützeln schlagen die USA und der Iran zwar wieder umgänglichere Töne an: US-Präsident Donald Trump sagte, den Iran vor den US-Zwischenwahlen nicht mehr anzugreifen. Auf iranischer Seite erklärte Außenminister Abbas Araghchi, einen Vorschlag der USA zur Lösung des Konflikts prüfen zu wollen. Dass der Ölpreis darauf aber nicht stärker nachgibt, ist Ausdruck der Zweifel, dass es echte Fortschritte geben wird.
Mit Blick auf die Eurozone bleibt die Skepsis hoch. Zwar ist die vielbeachtete Zinsdifferenz zwischen deutschen und französischen Anleihen in den vergangenen Tagen von rund 160 Basispunkten auf knapp 140 geschrumpft. Entspannung sieht aber anders aus, insbesondere wenn man bedenkt, dass die Einengung auf einen Schattenhaushaltsvorschlag des Rassemblement National von Marine Le Pen zurückgeht, der wenig realistische Sparpläne enthält.
Die Commerzbank rechnet in ihrem Hauptszenario bislang nicht mit einer neuen Staatsschuldenkrise in der Eurozone. Allerdings steige das Risiko, dass es auch anders kommen könne. Es gebe zwar zusätzliche Probleme, wenn man an die Reformresistenz Frankreichs und anderer Länder denke, aber einiges sei auch besser als damals, vor allem das tiefgestaffelte Abwehrsystem der EZB.
Wirtschaft bleibt trotz Energieschock robust
Die in der kommenden Woche anstehenden Verbraucherpreisdaten aus den USA für September dürften den weiterhin viel zu hohen Inflationsdruck unterstreichen. Die Kernrate ohne Energie und Nahrungsmittel dürfte zwar moderater ausfallen. Aber dies wird die Notenbank nach Einschätzung der Commerzbank wohl nicht von einer weiteren Zinserhöhung im Dezember abhalten. Aktuell werden Zinserhöhungen bis Mitte 2027 von rund 70 Basispunkten in den USA und 60 in der Eurozone eingepreist.
Dass sich die Börsen dennoch so gut halten, hat mit der robusten Wirtschaft zu tun, die den Energieschock erstaunlich gut wegsteckt. Das Wachstum wandelt aber auf einem schmalen Pfad, denn wichtigster Treiber bleiben milliardenschwere KI-Investitionen. Nun gab es aber Meldungen, wonach der annualiserte Umsatz von OpenAI erheblich unter den bisherigen Annahmen bleiben könnte. Damit drohen der KI-Wachstumsstory Risse.
Die nahende Berichtssaison für das dritte Quartal könnte nach Einschätzung der Deutschen Bank genauso wie die für das zweite positiv überraschen. Die Nachfrage sei stark genug, um es den Unternehmen zu erlauben, höhere Preise weiterzugeben, was zu höheren Umsätzen führen sollte. Gleichzeitig machten die Energiekosten einen kleineren Anteil am Umsatz aus, als es die Schlagzeilen vermuten ließen.
Während der Berichterstattung zum zweiten Quartal hätten die starken Ergebnisse die Aufmerksamkeit der Anleger von den ansonsten allgegenwärtigen makroökonomischen Sorgen abgelenkt; die europäischen Aktienmärkte seien in diesem Zeitraum um 2 Prozent gestiegen. "Wir erwarten einen ähnlich positiven Effekt durch die Berichtssaison für das dritte Quartal", zeigen sich die Strategen der Deutschen Bank optimistisch.
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