
© Foto: KI-generiertes Symbolbild (ChatGPT).
Speicherchips gelten als Flaschenhals des KI-Ausbaus. Dass die Branche nicht mehr auf gute Nachrichten reagiert, ist allerdings ein schlechtes Zeichen.
Speicherchiphersteller: Wie lange hält der Boom noch an?
Lange dominierte Nvidia mit seinen Grafikprozessoren (GPUs) den KI-Trade. In diesem Jahr hat sich der Mittelpunkt der Aufmerksamkeit von Investoren jedoch deutlich verschoben. Inzwischen ist der Angebotsmangel an Speicherchips zum bestimmenden Investment-Thema geworden. Das hat Anteilen von Herstellern wie Micron, Samsung und SK Hynix Kursgewinne im Bereich mehrerer Hundert Prozent beschert und dazu beigetragen, dass der südkoreanische Aktienmarkt in diesem Jahr einer der weltweit erfolgreichsten ist.
Doch die Anzeichen darauf, dass die Branche zumindest in Bezug auf die Kursentwicklung ihr Zyklushoch bereits erreicht haben könnte, verdichten sich. Immer häufiger können die Anteile selbst dann nicht mehr profitieren, wenn die Unternehmen Rekordgeschäftszahlen vorlegen.
Möglicherweise ist das Top bei Micron und Co. schon erreicht!
Das war zuletzt nach dem Quartalsbericht von Micron so, auf den die Aktie kaum reagierte, und jetzt in dieser Woche auch bei Samsung der Fall. Das Unternehmen hatte vorläufig seinen Geschäftsbericht präsentiert - mit einem der höchsten operativen Erträge, die jemals in der Geschichte der Technologiebranche erzielt wurden - und trotzdem gerieten die Anteile unter Verkaufsdruck.
Üblicherweise bilden Märkte ihre Hochs und Tiefs jeweils dann aus, wenn die Stimmung das eine oder andere Extrem erreicht hat. Dass Micron und Samsung trotz wachsender Geschäfte und auch der Aussicht auf weiter steigende Erlöse und Erträge nicht mehr profitieren konnten, ist ein Indiz dafür, dass das Stimmungshoch gegenüber Speicherchipherstellern bereits hinter Anlegerinnen und Anlegern liegt. Doch auch technisch lassen sich im Chart der Micron-Aktie Indizien für eine Trendwende finden:

Trotz gewaltiger Kursgewinne: Aktie spiegelt Geschäftsentwicklung wider
In den vergangenen 12 Monaten hat Micron rund 440 Prozent an Wert gewonnen, allein in diesem Jahr ging es 263 Prozent bergauf. Das ist nicht nur das Ergebnis einer Übertreibung, sondern fußt auf der tatsächlichen Geschäftsentwicklung. In den vergangenen 12 Monaten hat Micron 133,2 Milliarden US-Dollar erwirtschaftet und damit um 256 Prozent mehr als noch im Jahr zuvor.
Der Nettogewinn hat sich sogar fast verzehnfacht von 8,54 auf 84,97 Milliarden US-Dollar. Es wird allgemein erwartet, dass dieser Trend anhält. Für das Geschäftsjahr 2027 sind 275,0 Milliarden US-Dollar Umsatz prognostiziert und ein Gewinn von 176,15 US-Dollar pro Aktie, womit Micron aktuell bei einem KGVe 2027 von 5,9 landet. Das ist ein für die Aktie niedriger Wert, auch wenn der Bewertungsabschlag, der Speicherchipherstellern aufgrund deren höherer Zyklusabhängigkeit üblicherweise zukommt, berücksichtigt wird.
Technisch beginnt sich die Lage inzwischen einzutrüben
Ungeachtet der starken Aussichten kam es in den vergangenen Monaten zu einer deutlichen Korrektur sowie einer anhaltenden Konsolidierung. Aus technischer Perspektive ist hierfür verantwortlich, dass die Rekordnotierungen im Bereich von 1.250 US-Dollar nicht durch die Indikatoren RSI und MACD bestätigt wurden. Sie handelten bereits Anfang Mai in Abwärtstrendbewegungen, während die Aktie gleichzeitig aufwärts trendete. Solche bearishen Divergenzen münden häufig in Gegenbewegungen, wie sie nach einem Blow-Off-Top Ende Juni dann auch eingesetzt hat.
Zwar hat sich die Micron-Aktie seither deutlich erholen können, doch die Kursgewinne sowie die Rückeroberung wichtiger Unterstützungen wieder 50-Tage-Linie und dem Bereich von 1.000 US-Dollar könnten jetzt vor einer harten Bewährungsprobe stehen. Die Anteile haben sich trotz guter Nachrichten aus dem Unternehmen sowie der Speicherchip-Branche bei 1.100 US-Dollar festgefahren, wo jetzt eine Top-Bildung vorliegt.
Da sich die technischen Indikatoren noch immer in Abwärtstrends befinden und der Trendstärkeindikator MACD dabei sogar unter seine Signallinie gefallen ist, was einen an Fahrt verlierenden Aufwärtstrend der Aktie anzeigt, könnte Micron vor einem Test von 1.000 US-Dollar stehen und diese Unterstützung möglicherweise sogar aufgeben. Das wäre ein empfindlicher Rückschlag, da hier auch die Aufwärtstrendlinie des vergangenen halben Jahres sowie die 50-Tage-Linie liegen. Deren Unterschreiten würde ein Verkaufssignal bedeuten und Abwärtspotenzial bis 800 US-Dollar eröffnen. Dauerhaft eintrüben würde sich das Chartbild jedoch erst unterhalb der 200-Tage-Linie, welche aktuell bei rund 700 US-Dollar verläuft. Sollte es Micron dagegen trotz der sich eintrübenden technischen Indikatoren gelingen, über 1.100 US-Dollar zu klettern, dürften neue Allzeithochs winken.
Fazit: Die "einfachen" Kursgewinne wurden hier längst erzielt
Mit Blick auf die weiteren Aussichten aus fundamentaler Perspektive gibt es sowohl Argumente für als auch gegen eine unverändert starke Entwicklung. Die überzeugendsten Argumente der Bullen sind der Verweis auf die anhaltend hohen KI-Investitionen der Hyperscaler, deren Ausgaben im kommenden Jahr erstmals über die Marke von einer Billion US-Dollar klettern könnten.
Dem stehen wachsende Finanzierungs- und Kreditrisiken gegenüber. Auch die Monetarisierung von Frontier-Modellen wie Claude (Anthropic) und ChatGPT (OpenAI) scheint langsamer voranzuschreiten, als von Investoren erhofft, wie jüngste Berichte zeigen. Das wiederum könnte doch zu geringeren KI-Infrastrukturausgaben führen. Auch die Konkurrenz durch Speicherchips aus chinesischer Produktion wächst.
Anlegerinnen und Anleger sollten daher zumindest die Option in Betracht ziehen, dass die vermeintlich "einfachen" Kursgewinne bei Micron schon hinter der Aktie liegen und der Weg zu noch höheren Notierungen jetzt deutlich schwerer geworden ist.
Gastautor: Max Gross
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