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WKN: 878279 | ISIN: AT0000741053 | Ticker-Symbol: EVN
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09.10.26 | 20:10
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340 Kilometer Messstrecke: Die EVN sucht Wärme aus der Tiefe - Wien Energie plant bis zu sieben Geothermieanlagen

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Die Wärmewende bekommt eine neue Dimension: Während Wind- und Solarenergie vor allem den Strommarkt verändern, rückt die Wärmeversorgung aus der Tiefe in den Fokus. Die EVN AG (ISIN: AT0000741053) startet im südlichen Wiener Becken die nächste Phase ihres Geothermieprogramms und bereitet eine seismische Messkampagne über mehr als 340 Kilometer in über 60 Gemeinden vor. Wien Energie arbeitet parallel an der ersten Tiefengeothermie-Anlage der Hauptstadt. Für Versorger entsteht damit ein neues Infrastrukturfeld - direkt unter den bestehenden Wärmenetzen. Der entscheidende Vorteil der Tiefengeothermie liegt in ihrer Verfügbarkeit. Anders als Wind und Sonne hängt Wärme aus tiefen Gesteinsschichten nicht von Wetter oder Tageszeit ab. Sie kann damit besonders für Fernwärmenetze interessant sein, die über viele Stunden eine verlässliche Grundlast benötigen.

Bei der EVN wird aus dieser Perspektive inzwischen ein konkretes Entwicklungsprogramm. Das Unternehmen untersucht das südliche Wiener Becken, um geeignete Standorte für künftige Tiefengeothermie-Anlagen zu identifizieren.

EVN vermisst mehr als 340 Kilometer

Der nächste Schritt ist umfassend angelegt: Zwischen November 2026 und Februar 2027 soll eine seismische Messkampagne über eine Messstrecke von mehr als 340 Kilometern laufen. Die Messungen erstrecken sich auf mehr als 60 Gemeinden in Wien, Niederösterreich und dem Burgenland. Mit sogenannten Vibro-Trucks werden Schwingungen erzeugt, deren Reflexionen Rückschlüsse auf die geologischen Strukturen in mehreren Kilometern Tiefe erlauben. Die Messungen sind Teil des Forschungsprogramms "GeoWärme Niederösterreich". Bereits zuvor hatten EVN und die Universität Wien unter anderem rund 240 seismische Sensoren auf einer Fläche von etwa 220 Quadratkilometern eingesetzt. Ziel ist die Nutzung von Erdwärme für die regionale Wärmeversorgung.

Die EVN hat dabei bereits eine Zielmarke formuliert: Bis 2035 sollen zwei Tiefengeothermie-Anlagen an die Naturwärmenetze angeschlossen werden. Im Wärmenetz Thermenregion soll der Erneuerbaren-Anteil bis 2035 von derzeit rund 80 Prozent auf mehr als 90 Prozent steigen. Dafür rechnet EVN neben zusätzlicher Biomasse mit rund 200 GWh Wärme aus Geothermie.

Wien Energie plant bis zu sieben Anlagen

Wie groß das Potenzial urbaner Tiefengeothermie sein kann, zeigt die Wien Energie. Rund drei Kilometer unter Wien wurde im sogenannten Aderklaaer Konglomerat Thermalwasser mit Temperaturen von etwa 95 bis 100 Grad Celsius nachgewiesen. Gemeinsam mit OMV arbeitet die Wien Energie im Joint Venture deeep an der ersten Anlage in Aspern.

Die erste Tiefengeothermie-Anlage soll nach aktuellem Plan bis Ende des Jahrzehnts in Betrieb gehen. Ihre thermische Leistung soll bis zu 20 MW erreichen. In den 2030er Jahren könnten in Wien bis zu sieben Anlagen entstehen und Fernwärme für bis zu 200.000 Haushalte bereitstellen. Das ist auch deshalb relevant, weil die Dekarbonisierung der Wärmeversorgung technisch anders funktioniert als der Ausbau der Stromerzeugung. Wien Energie erwartet, dass 2040 rund 55 Prozent der Wiener Fernwärme aus Geothermie und Großwärmepumpen stammen sollen. Damit werden Wärmequellen erschlossen, die unmittelbar in bestehende Fernwärmesysteme integriert werden können.

Bestehende Netze werden zum strategischen Vorteil

Für Versorger entscheidet deshalb nicht allein, ob im Untergrund ausreichend heißes Wasser vorhanden ist. Wirtschaftlich interessant wird Geothermie vor allem dort, wo viele Wärmeabnehmer und bereits ausgebaute Fernwärmenetze zusammenkommen.

Genau hier liegt der strategische Ansatz der EVN. Das Netz in der Thermenregion ist nach Unternehmensangaben das größte überregionale Wärmenetz Österreichs. Geothermie könnte dort künftig die Grundlast liefern, während Biomasse flexibel zusätzliche Last abdecken kann. Zwei neue Fernwärme-Pufferspeicher in Wiener Neudorf zeigen zugleich, dass die Wärmeinfrastruktur weiter ausgebaut und flexibler gemacht wird. Die Technologie ist allerdings kein Selbstläufer. Bevor konkrete Geothermieprojekte umgesetzt werden können, müssen Geologie, Fördermengen, Temperaturen und seismische Rahmenbedingungen präzise untersucht werden. Genau deshalb investiert EVN derzeit zunächst in Daten und Standortsuche.

Aus dem Wärmenetz könnte ein neues Wachstumsfeld werden

Die nächsten Monate werden zeigen, an welchen Standorten die Geologie tatsächlich für größere Anlagen geeignet ist. Der Vergleich mit Wien macht aber deutlich, wohin sich der Markt bewegt: Fernwärme wird technologisch breiter aufgestellt, und Tiefengeothermie kann dort eine Rolle spielen, wo hohe Wärmebedarfe auf geeigneten Untergrund und bestehende Netze treffen.

Für die EVN AG (ISIN: AT0000741053) ist das Projekt mehr als geologische Forschung. Gelingt die Erschließung des Wärmeschatzes im südlichen Wiener Becken, könnten wesentliche Teile der benötigten Spitzen- und Grundlast schrittweise durch regionale Wärme aus mehreren Kilometern Tiefe aufgebracht werden.


Lassen Sie sich in den Verteiler für EVN oder Nebenwerte eintragen. Einfach eine E-Mail an Eva Reuter: e-reuter@dr-reuter.eu mit dem Hinweis: "Verteiler EVN" und/oder "Nebenwerte".

Quellen:

EVN - EVN startet nächste Phase der Tiefen-Geothermie

https://www.evn.at/home/presse/evn-startet-nachste-phase-der-tiefen-geothermie

EVN - Aktuelles zum Geothermieprojekt

https://www.evn.at/home/waerme/geothermie-niederoesterreich/aktuelle-informationen

EVN - Wärmeschatz: Tiefen-Geothermie für die Naturwärmeversorgung

https://www.evn.at/home/waerme/geothermie-niederoesterreich/waermeschatz

EVN - EVN und Universität Wien erforschen Tiefen-Geothermie

https://www.evn.at/home/presse/evn-und-universitat-wien-erforschen-tiefen-geothermie

Wien Energie - Geothermie

https://www.wienenergie.at/ueber-uns/unternehmen/energie-klimaschutz/energieerzeugung/geothermie

Wien Energie - Fernwärmeproduktion und Erdgasanteil

https://www.wienenergie.at/faqs/wie-wird-die-fernwaerme-in-wien-produziert-bzw-wie-hoch-ist-der-erdgasanteil-aktuell/

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