
© Foto: von jamam5 auf Pixabay (Archivbild)
Erst der Sprung nach oben, dann der harte Downmove nach unten. Dabei gab es keine so schlechten Nachrichten aus dem Konzern. Eher im Gegenteil: Rekordumsatz, neue Zukäufe, ein frisches Werk in Thailand. Trotzdem rollte die Verkaufswelle unerbittlich. Ölpreis, Zinsen und ein Samsung-Rekord, der nicht reichte, setzen den Chipwerten zu. Die Verkäufer haben das Sagen. Wie weit kann es aber jetzt noch runtergehen? Was spricht momentan trotzdem für Infineon?
10 Prozent weg in zwei Tagen
Erst der Sprung von 55,50 auf fast 65 Euro, dann der harte Absturz. Jetzt steht Infineon wieder bei 59 Euro. Am Mittwoch ging es um knapp 6 Prozent auf unter 61 Euro runter. Am Donnerstag folgten dann nochmal über 4 Prozent Minus. Auf Wochensicht fehlen knapp 9 Prozent. Eine schlechte Nachricht aus dem Konzern gab es nicht. Der Druck kommt von außen. Steigende Ölpreise nach Angriffen auf Aramco-Anlagen, hohe Anleiherenditen und eine Inflation von fast 4 Prozent in der Eurozone belasten die Techwerte. Dazu kam Samsung mit seinen Zahlen. Der Konzern verdiente operativ 71,19 Milliarden Euro, 782 Prozent mehr als vor einem Jahr. Doch die Erwartungen waren noch höher, die Anleger wollten mehr. Man merkt, dass der Markt nervös ist, dabei läuft es bei Infineon operativ ordentlich. Im dritten Quartal gab es einen Rekordumsatz von 4,17 Milliarden Euro bei 19,1 Prozent Marge. Die Stromchips für KI-Rechenzentren sollen im nächsten Jahr 2,5 Milliarden Euro bringen. Bislang ist das aber erst etwa ein Zehntel des Gesamtumsatzes von 16,3 Milliarden. Dazu kommen die C2i-Übernahme, das neue Werk in Thailand und die Quantenpartnerschaft mit ZuriQ.
Charttechnik
Der Chart sieht nach dem jüngsten Absturz schwach aus. Aus dem schnellen Anstieg wurde ein ebenso schneller Abverkauf. Das letzte Hoch bei 65 Euro ist mittlerweile weit weg. Die Aktie klebt direkt an dem 50er SMA bei 58,60 Euro. Der Druck ist enorm. Die Verkäufer geben im Moment den Ton an, die Käufer halten sich zurück. Fällt die Marke von 58 Euro, rückt der 200er SMA bei ca. 56 Euro ins Visier. Auch das Tief von zuletzt bei 55,50 Euro wäre dann nicht mehr weit. Hält das nicht, wäre ein Weg Richtung 50 oder sogar 45 Euro keine Überraschung. Der langfristige Aufwärtstrend steht zwar noch, wackelt aber bereits bedenklich. Erst ein Anstieg über 65 Euro würde das Bild wieder drehen.

Was tun?
Fundamental spricht einiges für Infineon, denn die Zahlen waren stark, das KI-Geschäft wächst und das Management baut gezielt aus. Barclays sieht das Kursziel bei 90 Euro, Jefferies bei 96 Euro. Die UBS bleibt neutral. Mit einem KGV von über 60 ist die Aktie aber nicht billig. Schon kleine Enttäuschungen können da große Kursreaktionen auslösen. Unterm Strich ist wie so oft Geduld gefragt. Wichtig sind die Marken bei 58 und 56 Euro. Diese sollte man im Blick behalten. Wenn man neu einsteigen möchte, könnte man überlegen, in Etappen vorzugehen oder wartet ab, denn am 10. November kommen die Zahlen zum Geschäftsjahr.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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