12.10.2026 -
Kaum hat das neue Quartal begonnen, läuft sich die Börse auch schon für die neue Bilanzsaison warm. Krisenherde wie die am Golf, der hohe Ölpreis oder die künftige Politik der Notenbanken rücken zumindest mal für kurze Zeit in den Hintergrund.
S&P 500: Gewinnwachstum von rund 25 Prozent erwartetAber: Die Latte liegt wie immer hoch. So erwarten Analysten für die Unternehmen aus dem S&P 500 ein Gewinnwachstum von rund 25 Prozent. Da muss es schon gut laufen, damit diese Schwelle übertroffen wird. Doch auch für die Unternehmen aus dem DAX sollten solide Gewinnsprünge durchaus im Bereich des Möglichen liegen. Und die weltweiten Gewinnerwartungen der Unternehmen steigen auch außerhalb der Berichtssaison weiter an. Für die Unternehmen des MSCI All Country World Index erhöhten die Analysten allein im vergangenen Monat ihre Gewinnschätzungen für das Jahr 2027 um 1,5 Prozent und für 2028 um 2,4 Prozent. Gleichzeitig bleibt die Breite der positiven Gewinnrevisionen hoch, was auf einen weiterhin intakten globalen Gewinnzyklus hindeutet. Gerade vor dem Hintergrund steigender Energiepreise und einer zunehmend restriktiven Geldpolitik ist diese Entwicklung für die Aktienmärkte besonders relevant. Zwar machen steigende Anleiherenditen festverzinsliche Anlagen wieder attraktiver. Bei einem durchschnittlichen jährlichen Gewinnwachstum von über 22 Prozent im Zeitraum 2026 bis 2028 ist das Chance-Risiko-Profil für globale Aktien aber weiterhin attraktiv.
Erste Zahlen: Start gelungenKommen wir zu den Zahlen. Den Anfang machte die IT-Beratung Accenture, die nach einem starken Quartal die Umsatzprognose angehoben hat. Accenture rechnet mit einem Umsatzwachstum zwischen 3 und 6 Prozent. Analysten hatten im Schnitt mit einem Plus von 3,9 Prozent gerechnet. Zudem hat Accenture deutlich mehr Aufträge erhalten als von Analysten erwartet. Dies stellt aber auch das Szenario in Frage, wonach traditionelle IT-Dienstleister zu den Verlierern des KI-Booms gehören. Accenture hält zunächst einmal dagegen.
Insgesamt sind die Quartalszahlen, die bisher vorliegen, durchwegs positiv gewesen. So etwa bei Samsung. Und selbst bei PepsiCo waren die Zahlen besser als von den Analysten befürchtet. In dieser Woche folgen die großen US-Banken. Da wird sich die Spreu vom Weizen trennen.
Europäische Aktien: Aussichten positivDoch insgesamt sind die Aussichten positiv. Das gilt auch für europäische Werte. Analysten erwarten für die STOXX-600 Unternehmen erneut resiliente Gewinne. Diese sollen gegenüber dem Vorjahresquartal um knapp 20 Prozent steigen, angeführt von Energieunternehmen, die aufgrund höherer Brent- und Gaspreise ihre Gewinne mehr als verdoppeln könnten. Gleichzeitig wächst natürlich in einigen Branchen der Druck, gestiegene Vorleistungskosten aufzufangen und die Preissetzungsmacht zu behaupten. Für eine weiterhin stabile Gewinnentwicklung sprechen jedoch die zuletzt robusten Wirtschaftssignale aus der Eurozone. Der Einkaufsmanagerindex für Industrie und Dienstleistungen blieb im dritten Quartal im expansiven Bereich und erreichte im September mit 53,1 Punkten ein Mehrjahreshoch. Damit startet die Berichtssaison unserer Meinung nach unter insgesamt soliden Vorzeichen.
Diploma, Ryanair & Co. im FokusDerweil setzen wir bei unseren Mandaten wie dem Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen und dem Frankfurter UCITS-ETF - Modern Value weiterhin auf Qualitätsaktien. Denn nach Jahren der Growth-Dominanz drehen die Märkte. Sie verlangen zunehmend handfeste Erträge, die gerade die zuletzt so gehypten Tech-Werte zunehmend unter Rechtfertigungsdruck setzen. So setzen wir weiter auf Werte wie das britische Industrie- und Distributionsunternehmen Diploma, oder auch auf den Billigflieger Ryanair. Auf der anderen Seite bleiben wir auch für die US-Tech-Riesen Microsoft und Alphabet optimistisch. Und auch für unseren Portfoliowert secunet Securities. Denn das Thema Cyber Security wird die Börse weiterhin nicht aus den Augen verlieren.
Und wem dann noch langweilig ist: In ein paar Wochen stehen die Midterms in den USA an. Bei den Zwischenwahlen wird sich entscheiden, ob US-Präsident Donald Trump weiterhin frei durchregieren kann, wie es ihm beliebt, oder ob er zu einer Art von "lame duck" wird. Rund ein Drittel der Senatssitze und das gesamte Repräsentantenhaus werden am 3. November neu besetzt. Beide Parlamentskammern sind derzeit republikanisch kontrolliert. Das könnte sich aber ändern, denn die Demokraten stehen in den Umfragen gut da. Für Trump würde es dann ungemütlich. Und wie das die Märkte aufnehmen, bleibt abzuwarten.

